Archive for Comics

Veranstaltungshinweis

Ich mache ja hier eigentlich keine Werbung, aber dann und wann muß man mal eine Ausnahme machen. Besonders dann wenn es um Kunst geht.

Am kommenden Freitag, den 11. September 2009 signiert der Herr Uli Oesterle sein grandioses Werk “Hector Umbra” im Kombinat in Darmstadt.

Hector Umbra

Und weniger als eine Woche später am 17. September kommt der Flix über den man wohl kaum was sagen muß und signiert ebenfalls.

Flix

Und ich weiße nicht etwa darauf hin weil ich einen Sack voll Geld dafür bekommen würde sondern weil es eine gute Gelegenheit ist meine Leidenschaft für die graphische Literatur weiter unter das Volk zu streuen.

Und weil mir der Comic-Laden im Kombinat mittlerweile ein sicherer Hafen in einer Stadt geworden ist die ich seit ich hergezogen bin mehr und mehr als feindselig empfinde.

Und weil es der Besitzer des Ladens definitv verdient hat. Denn er betreibt den Laden mit echter Leidenschaft , gibt immer gute Tips was es Neues gibt und wird – wie viele die ihr Geschäft mit Leidenschaft betreiben – sicherlich nicht reich dabei.

Und deshalb wird heute auch mal ausnahmsweise nicht zu Amazon verlinkt, weil Sie da draußen nämlich bitteschön selbst vorbei kommen sollen um sich Ihr Exemplar direkt im Laden erwerben und damit einen Beitrag für die unbahängige Verbreitung von Kultur leisten.

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Schwarze Gedanken

Einer der bedeutendsten und einflussreichsten Künstler der europäischen Comic-Szene ist mit Sicherheit Andre Franquin gewesen. Seine Arbeiten, seien es der große Einfluss den er bei Spirou und Fantasio hatte oder die von ihm geschaffenen Figuren des Marsupilami oder des Bürboten Gaston, sind heute nicht nur den tieferen Leibhabern der Comic-Kunst sonder auch einem breiten Publikum bekannt.

Was nicht viele Menschen wissen, ist daß Franquin Zeit seines Lebens unter schweren Depressionen litt. Als Betroffener weiß ich selbst nur zu gut wie schwierig es ist die eigene Dunkelheit zu erklären und anderen Menschen begreiflich zu machen. Franquin hatte für sich seinen eigene Weg gefunden.

1977 begann er die Serie “Schwarze Gedanken” zu zeichnen, eine Reihe ohne einen klassischen (Anti-)helden sondern präzise in Schwarz-Weiß gehaltenen Beobachtungen von Szenen die das alltägliche Leben so unerträglich erscheinen lassen. Dabei lässt er keine Gnade walten, häufig kommen die Protagonisten auf grausame (und manchmal auch verdiente) Art ums Leben.

Nicht selten wird dabei die Grenze des guten Geschmacks gestreift oder gar weit überschritten und dennoch zeigt Franquin mit seinem grotesken Humor die Tragik des Alltags wie sie eben ist. Dabei haben tragischerweise viele der “schwarzen Gedanken” ihre Bedeutung auch kanpp dreißig Jahre später nochnicht verloren.

Da sind etwa die Anwälte und Polizisten die sich sorgen, als ein Verurteiler stürzt, daß der Sturz ihn tödlich verletzt hätte. Als dieser sich dann aber unverletzt erhebt können alle wieder erleichtert ihrem ursprünglichen ziel nachgehen: Den Delinquenten zur Guillotine zu eskotieren, nicht ohne ihn doch noch einmal darauf hinzuweisen wie er sie mit seinem vermeintlichen vorzeitigen Ableben erschreckt hat.

Alle bekommen sie ihr Fett weg, Umweltsünder, Industrielle, Politiker, Anwälte, Militärs oder auch nur der arme Teufel, der zur falschen Zeit am falschen Ort war. Und ein Licht in der Dunkelheit muss noch lange kein Grund zur Hoffnung sein, also würden bitte diese ganzen übereifrigen Optimisten mal kurz still sein?

Schwarze Gedanken

Was bleibt einem also noch in einer Welt, in der einem der Verstand eigentlich sagt, daß es nicht mehr viel Hoffnung gibt? Man kann sich immer noch über sie lustig machen. Das ändert zwar nichts aber es gibt einem ein ganz klein wenig ein besseres Gefühl.

Andre Franquin ist seine Depressionen bis zum Ende seines Lebens nicht mehr losgeworden.

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Sandman

Ich mochte immer Comics, mein ganzes Leben lang. Eine gewisse Zeit lang habe ich es geleugnet, wenn man in der Pubertät ist und ohnehin nur schwer bei den Mädchen landen konnte, dann half es nicht gerade seine Liebe zur grafisch-literarischen Kunst zu bekennen.

Comics, das bedeutet für viele immer noch Micky-Maus-Geschichen, bestenfalls kamen dem einen oder anderen noch ein paar anspruchsvollere franko-belgische Werke in den Sinn. Auch mein bescheidener grafischer Horizont erstreckte sich lange Zeit auf unsere westlichen Nachbarn. “Sin City” war in Deutschland undenkbar, mit Robert Crumbs Werken, die ich heute sehr schätze, konnte ich mich damals nicht wirklich anfreunden und “The Dark Knight” hatte bei uns auch noch keinen Verleger gefunden.

Es war irgendwann in den 90ern B.A. (Bevor Amazon) und an Original Importe aus den USA war nur schwer zu kommen, besonders im Hochschwarzwald. Da bin ich in einer Freiburger Buchhandlung in der dürftigen Comic Ecke auf einen Band mit dem Titel “World’s End” gestoßen. Es war meine erste Begegnung mit Morpheus, dem Herrn der Träume und es sollte meine Leidenschaft für Comics grundlegend verändern.

Der zeichnerische Stil war für mich ungewohnt, um nicht zu sagen gewöhnugsbedürftig. Heute würde ich sagen, daß der Stil, von unterschiedlichen Künstlern immer wieder neu erfunden für mein Verständnis prägend war. Das Cover von Dave McKean hatte eine verstörende Schönheit, die ich mit der Zeit mehr und mehr schätzen gelernt habe.

Was den Comic aber von allem anderen was ich bis zu diesem Zeitpunkt gelesen hatte abhebt war die Atmosphäre, das Gefühl, welches beim Lesen entstand. In meinem ganzen Leben habe ich vielleicht zwei bis drei Bücher gelesen und mit Sicherheit keinen weiteren Comic, die mich die Geschichten mit einer vergleichbaren Intensität erleben ließ.

Ich habe lange überlegt was ich über Sandman schreiben soll, seit ich dieses Blog betreibe habe ich mehrere Versuche begonnen und wieder verworfen. Wie könnte man auch die Gefühle in Worte fassen? Angst, Trauer, Entsetzen, Freude, Glück oder Hoffnung? Ich kann es Ihnen nicht sagen, Sie müssen die Geschichten schon selbst lesen und sehen.

Statt dessen will ich versuchen kurz zu erzählen um was es bei “Sandman” geht, eine Aufgabe, die mir schweirig aber halbwegs meisterbar scheint.

Der Autor Neil Gaiman hat auf die Frage um was es bei Sandman gehen würde mal lapidar geantwortet: “The Lord of Dreams learns that one must change or die, and makes his decision.” Ich wil damit beginnen, die Charaktere vorzustellen, von denen jeder für sich genommen schon eigene Geschichte ist.

Sandman

Der Hauptcharakter ist natürlich der Sandman selbst und seine sechs Geschwister, the Endless. Sie sind die Manifestation von Ideen, Prinzipien die seit Anbeginn existiert haben unabhängig von Religion und Gesellschaft. Sie sind keine Götter, es gab sie bevor es Götter gab und es wird sie geben geben wenn es längst keine Götter mehr gibt. Eine Beschreibung der Endless aus den Comics:

Destiny
The oldest of the Endless. There are some who believe him to be blind. Destiny holds his secrets.

Death
She is the older sister fo dream and of all the Endless she is the closest to him. On good days I don’t think of her so much.

Dream
They say Death is kinder than he is. Of all the Endless, save perhaps Destiny, he is the most conscious of his responsibilities.

Delirium
Delirium was once Delight. The poet Coleridge claimed to have known her intimately, but the man was an inveterate, and in this, as in so much, we must doubt his word.

Desire
Desire has never been satisified with just one sex. He/She is everything you have ever wanted.

Despair
She is Desire’s Sister and twin. Sometimes you will look into a mirror and feel the eyes of Despair upon you. Despair says little , and is patient.

Destruction
Things are created. They last for some little while and then they are gone. Without Destruction there would be nothing new.

Neben den Endless tauchen in den der 10-bändigen Saga eine Reihe mythischer wie hsitorischer Charaktere auf wie Luzifer, Loki, William Shakespeare, Kain und Abel, Oberon und Titania, Orpheus, Calliope, Joshua Norton, dem selbst ernannten Kaiser von Amerika oder Marco Polo. Daneben haben Comci Freunden bekannte Helden wie Batman oder John Constantine einige bemerkenswerte Auftritte.

Die Serie ist eine Menagerie aus den unterschiedlischsten Mythen, Legenden und Geschichten und kann Anhänger der Popkultur sowie tief verwurzelte Geisteswissenschaftler gleichermaßen begeistern, wenn man nur gewillt ist sich der Geschichte zu öffnen.

Wenngleich mein erstes Album von Sandman auf Deutsch war, so war Sandman selbst bisher keine besonders erfolgreiche Karriere in Deutschland beschert. Nach meinem Wissen haben sich bisher nicht weniger als drei Verlage daran veruscht die Serie auf den deutschen Markt zu bringen und dieser Tage unternimmt Panini den vierten Versuch.

Das mag zum einen an der Schwierigkeit liegen die fast schon poetische Kraft der Texte und die Wortspiele (hat jemand bemerkt, daß die Endless alle mit D beginnen?) auf deutsch zu übersetzen. Ich vermute aber es liegt an der greneznlos arroganten Haltung die man dem Medium Comic in Deutschland entgegenbringt. Gehen Sie in irgendeine Buchhandlung und suchen Sie die Comics. Sie sind fast immer entweder bei den Kinderbüchern oder in einer launigen Humor Sektion untergebracht und die Auswahl lässt selbst in der größten Buchhandlung mehr als zu wünschen übrig.

Es ist traurig, daß es im deutschen Kulturraum keine stärkere Anerkennung von dem gibt, was im englischen den schönen Begriff “Graphic Novel” hat.

Wie bereits erwähnt ist mir nicht möglich das gesamte künstlerische Spektrum von “Sandman” in Worte zu fassen. Gehen Erfahren Sie es selbst, Einsteigern sei vielleicht der Band “Endless Nights” empfohlen, da dieser Band in sich geschlossene Episoden enthält. Wer sich auf die gesamte Saga einlassen möchte beginnt mit “Preludes and Nocturnes”. Und glauben Sie mir: Comics werden für Sie danach nie mehr nur einfache Bildergeschichten sein.

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V for Vendetta

V for Vendetta

Eigentlich sollte diese Besprechung erst erscheinen, wenn der Film demnächst in die Kinos kommt, aber die aktuellen politischen Ereignisse vor Weihnachten (und eigentlich schon davor) ließen mich das Album schon ein wenig früher wieder herauskramen.

“V for Vendetta” spielt in der nicht all zu fernen Zukunft. Ein Krieg hat die meisten Kontinente ausgelöscht, zuerst verschwand Afrika, dann Europa. Einzig und allein England blieb verschont auf Grund seines geografischen Vorteils einer Insel. Dort hat sich ein faschistischer Staat etabliert, die Bevölkerung wird durch die staatlichen Institutionen “The Eye” und “The Ear” überwacht und mit Parolen von “The Voice” auf Linie gehalten.

Es git nur noch eine Partei die mit ihren Sicherheitsorganen die Ordnung sicher stellt – oder das was für das Oberhaupt der Partei, den “Leader” als Ordnung definiert ist. Diese Ordnung sieht eine strenge Norm vor. Wer dieser Norm nicht entsprach – Menschen anderer Hautfarbe, Homosexuelle und Andersdenkende wurde in ein Umerziehungslager gesteckt. Durch diese Maßnahme wurden die “Abartigen” größtenteils aus der Gesellschaft getilgt, wer sich noch bei unmoralischen Verhandlungen erwischen lässt muß mit den schlimmsten Konsequenzen rechnen.

So geht es auch der 16-jährigen Evey Hammond, die beim ihrem ersten Versuch sich als Prostituierte durchzuschlagen gleich an ein Mitglied der Geheimpolizei gerät. Damit ist ihr Schicksal eigentlich besiegelt, ihr Leben scheint verwirkt, als aus dem Schatten eine Gestalt mit Maske, breitkrempigen Hut und Mantel tritt und sie davor rettet von den Polizisten vergewaltigt und ermordet zu werden.

Der geheimnisvolle V ist die einzige Person, die es wagt sich gegen den Staat zu stellen und er ist auf einem Rachefeldzug. Über seine Vergangenheit erfährt der Leser recht wenig, er war in einem der Umerziehungslager, wo er der einzige Überlende eines grausamen Experimentes war.

V beginnt seinen Feldzug damit die Houses of Parliament in die Luft zu sprengen. Seine weiteren Angriffe richten sich gegen die führenden Persönlichkeiten des Staates, er tötet den Sprecher von “The Voice”. Ihrer wichtigsten Propaganda-Waffe beraubt beginnt die faschistische Regierung zu zerfallen.

Alan Moore hat “V for Vendetta” in den späten 80er Jahren kurz vor dem Fall der Berliner Mauer geschrieben. Er zeigt ein extrem düsteres Bild der Zukunft, ein Bild, das seine schlimmsten Befürchtungen einer politischen Zukunft für sein Land England zeigte. Es entstand in einer Zeit, in der viele Leute noch der Ansicht waren AIDS wäre eine Krankhet, die nur Homosexuelle bekommen würden. Eine Zeit, die geprägt war von Angst und Paranoia, sie entstand unter dem Einfluß des kalten Krieges.

Der kalte Krieg ist längst vorbei, die Angst und Paranoia sind geblieben, wenn auch aus anderen Gründen. Vieles was Alan Moore in seiner Geschichte skizziert ist Realität geworden, vielleicht nicht in dem Ausmaß wie in der Geschichte, aber in ihrem Kern. In den Staaten reicht die Begründung es gehe um die nationale Sicherheit aus um jegliche Bürgerrechte auszusetzen und längst werden nicht mehr nur die abgehört, die als Terroristen verdächtigt werden. Aus dem gleichen Grund gibt es uf Guantanamo ein Lager, in dem Menschen ohne Anklage und ohne Prozess festgehalten werden.

Und bei uns? Unsere Regierung unterstützt heimlich andere Geheimdienste bei fragwürdigen Aktionen, die gegen Werte verstoßen, die sie selbts so hoch propagiert. Einwanderungswillige müssen sich einem fragwürdigen Gesinnugstest unterziehen. Wie lange noch, bis sich auch die Bürger, die bereits Inhaber eines deutschen Passes einem solchen Staatsbürgertest unterziehen müssen?

Dies mag für Viele mit Sicherheit überzogen klingen, mancher mag die Maßnahmen vielleicht sogar mit dem gestiegenen Sicherheitsbedürfnis begründen. Womit wir exakt in dem Kreis aus Angst und Paranoia angekommen wären, der in “V for Vendetta” den politischen Hintergrund bildet. Wenn ich mir die politische und gesellschaftliche Entwicklung der letzten 5 Jahre anschaue bekomme ich eine Gäsnehaut und ich bin nahe daran ob der eigenen Ohnmacht zu verzweifeln.

“V for Vendetta” ist mehr als ambitionierte Unterhaltung. Im Vorwort der gebundenen Ausgabe schreibt der Zeichner David Lloyd “..it’s for people who don’t switch off the news”. Sehen Sie hin.

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