Archive for May, 2004

Post streikt. Und?

Soso, Verdi droht also damit daß die Postler streiken wenn sie nicht mehr Geld bekommen würden. Am Samstag haben sie angeblich schon mal in NRW geprobt. Mehrere hunderttausend Briefe und Pakete waren vorrübergehend liegen geblieben.

Für gewöhnlich versuche ich mich ja, als echtes Kind der Arbeiterklasse, mit sämtlichen streikenden Leuten zu solidarisieren und gegebenenfalls Ärgernisse stillschweigend zu ertragen. Ich denke eigentlich immer, daß sie schon einen berechtigten Grund zum streiken haben. Diesmal hab ich leider aber nicht das kleinste Fitzelchen Solidarität für die Streikenden übrig.

Warum? Darum!

Vermutlich merkt es ohnehin niemand. Die Hälfte der an mich addressierten Päckchen wird ohnehin zurückgeschickt, weil man den Empfänger nicht kennt (!), sie kommen gar nicht an oder mit ohne Inhalt wie beim letzten Mal.

Ich bin mittlerweile dermaßen sauer. Wenn die Postler gar nichts bekommen würden, dann wär das noch zuviel.

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Psychatrie

Meinen Zivildienst habe ich in der Psychatrie verbracht. Um genau zu sein war ich für knappe 16 Monate im Psychatrischen Landeskrankenhaus Emmendingen tätig. Ich habe damals aus voller überzeugung verweigert. Ich war jung, naiv und voller Ideale, was soll ich sagen? Heute könnte ich nicht mehr aus voller überzeugung verweigern. Höchstens aus Faulheit und Bequemlichkeit.

Ich hatte damals dennoch Glück. Auf Grund meiner Ausbildung wurde ich in der Veraltung untergebracht. Ich durfte Drucker reparieren, die von den Mitarbeiterinen im Schreibdienst mithandelt wurden, PCs auf den einzelnen Stationen auf- und wieder abbauen und den Pflegern und Schwestern zeigen was man alles mit Word und Excel anstellen kann.

Mit den Patienten hatte ich nur sporadischen Kontakt, was im Nachhinein betrachtet wohl das beste war. Vermutlich wäre ich langfristig dem Alltag auf einer Station gar nicht gewachsen gewesen.

Gelegentlich habe ich auch kleine Botengänge übernommen, irgendwelches Zeug von X nach Y schleppen. Um diesen Aufgaben nachzukommen hab’ ich einen Generalschlüssel bekommen, damit ich ein- und ausgehen konnte wo es notwendig war. Auf den geschlossenen Stationen bedurfte es immer etwas erhöhter Aufmerksamkeit denn im Eingangsbereich befanden sich ständig irgendwelche “Stammkunden”, Patienten die dort schon länger untergebracht waren. Viele davon waren nur von dem Gedanken angetrieben da irgendwie rauszukommen.

Als ich bei einem dieser Botengänge auf dem Rückweg war kam mir am Eingang der Station eine ärztin entgegen. Freundlich lächelnd wollte ich an ihr vorbeischlüpfen. Flinker als ich es ihr zugetraut hätte stellte sie sich mir in den Weg und zog die Tür zu. Ob ich denn Ausgang hätte wollte sie wissen. Ein alter Trick, der allerdings nie funktionierte, war dem Personal zu erzählen man hätte vom Arzt Ausgang bekommen.

Immer noch lächelnd (heute vermute ich, daß das auf die ärztin schon sehr debil gewirkt haben mußte) erklärte ich ihr verschmitzt, wenn sie mir keinen gewähren würde, dann würde ich ihn mir selbst gewähren und ließ meinen Generalschlüssel aufblitzen. Blöder Fehler.

Mit einem einzigen Griff hatte sie ihn mir nämlich abgenommen. Ich versuchte zu erklären, daß ich von der Verwaltung komme und der Schwester nur irgendwelchen Papierkram gebracht hätte. Dann fragen wir doch die Schwester meinte sie. Dummerweise war die Schwester gerade im hinteren Teil der Station beschäftigt und ich mußte warten bis sie zurückkam. Meine folgenden Versuche mich zu erklären müssen schon fast hysterisch gewirkt haben.

Wie lange ich gewartet habe weiß ich nicht mehr, vielleicht 15 Minuten. Es könnten auch nur 5 Minuten oder auch 30 Minuten gewesen sein. Als die Schwester dann kam hat sich alles recht schnell aufgeklärt, alle haben gelacht und ich hab ein wenig gequält mitgelacht. Wohl war mir dabei aber nicht.

Erinnert daran habe ich mich heute wieder als ich das bei Brain Farts gelesen habe. Gefunden über Don Dahlmann.

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Eternal Sunshine of the spotless mind

Eternal sunshine of the spotless mindNichts ist schöner als der erste Funke, der bei einer neuen Liebe auf einen überspringt. Und nichts ist schlimmer als das Beenden einer Beziehung. Eigentlich möchte man das alles am liebsten Vergessen, komplett auslöschen am besten.

Genau so denkt auch Joel, dessen Ex Clementine sich bei einem Arzt bereits einer Prozedur unterzogen hat, die sämtliche Erinnerungen an ihn komplett ausgelöscht hat. Voller Enttäuschung, Wut und Trauer beschließt er dieselbe Prozedur bei sich anwenden zu lassen. Das ziemlich skurille Team des Arztes trifft bei ihm zu Hause ein um seine Erinerungen an Clementine auszulöschen. Aber während der Durchführung kommen ihm Zweifel, schließlich war doch nicht alles schlecht oder. Also versucht er sich einen Teil seiner Erinnerungen zu bewahren.

Wie schon in “Being John Malkovich” erzählt Drechbuchautor Charlie Kaufmann eine Geschichte, die sich zum größten Teil im Innern des Kopfes abspielt, visuell und dramaturgisch beeindruckt vom Regisseur Michel Gondry umgesetzt. Die Geschichte spielt sich dabei nicht nur alleine im Innern von Joels Kopf statt sondern findet ihre Fortsetzung in den Köpfen der Zuschauer.

Jeder hat so seine Erinnerungen, seine kleinen Narben in der Seele die er/sie eigentlich lieber vergessen möchte. Aber genau diese Erinnerungen machen uns zu dem was wir sind, die guten ebenso wie die schlechten. Ohne sie würden wir nichts lernen und könnten uns nicht weiterentwickeln. Was Kirsten Dunst als Asisstentin sehr schön darstellt.

überhaupt passen die Darsteller in ihren Rollen ausgezeichnet. Jim Carrey beweist einmal mehr, was für ein guter Schauspieler er sein kann, wenn er nicht zwanghaft komisch sein muss. Und zwische ihm und seiner bezaubernden blauhaarigen Geliebten Kate Winslet herscht eine Chemie die von der Leinwand auf einen selbst überspringt.

Ob die beiden am Ende wieder zusammen kommen lässt der Film offen. Aber eines, was ich mir für die Zukunft bestimmt merken werde gibt Hoffnung. Als sie merken, daß sie die Löschung der Erinerung nicht mehr aufgehalten werden kann stellt Clementine in der Erinnerung Joel eine
Frage: “What do we do?”

Und Joel antwortet: “Enjoy it.”

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He! Rebeck!

Peter S. Beagle - He! Rebeck!

Den Autor Peter S. Beagle werden die meisten durch die überkitschte Verfilmung seines Romans “Das letzte Einhorn” kennen. “He! Rebeck!”, sein Erstlingswerk, ist von einer eben solchen romatisch-melancholischen Stimmung und vor allem für verregnte Sonntag-Nachmittage geeignet.

Im Zentrum steht zunächst der titelgebende Held Mr. Rebeck, ein exzentrischer Eigenbrötler, der auf einem New Yorker Friedhof in einem verlassenen Mausoleum lebt. Früher besaß er einmal seine eigene Drogerie, die er dann nach einigen Rückschlägen verloren hat. So zog er sich von den Menschen hinter die Friedhofsmauern zurück. Zumindest von den Lebenden.

Denn außer einem sprechenden Raben, der ihn mit allem versorgt was Rebeck zum Leben braucht, spricht er mit den Geistern der kürzlich verstorbenen. Er hilft ihnen, mit ihrem neuen Leben nach dem Tod zurecht zukommen. Da ist zum Beispiel Michael, der allem Anschein nach von seiner Frau umgebracht wurde. Nüchtern blickt er auf sein gescheitertes Leben zurück, versucht zu verstehen warum seine Frau ihn umgebracht hat.

Dann ist da Laura, sie ist bei einem Verkehrsunfall umgekommen, aber offensichtlich ist sie darüber nicht sonderlich traurig. Es bestehen offensichtlich berechtigte Zweifel daran, ob Laura wirklich so unfreiwillig aus dem Leben geschieden ist. Michael kann das nicht verstehen, schließlich ist Selbstmord doch ein Todsünde.

Die beiden mögen sich Anfangs nicht so recht und Mr. Rebeck hat so seine liebe Mühe mit den beiden. Erschwerend kommt hinzu, daß er sich zu seinem eigenen Ärger mit Mrs. Klapper angefreundet hat, einer Witwe, deren Lebensinhalt hauptsächlich darin besteht das Grab ihres Mannes zu besuchen. Die Freundschaft bringt Rebeck in einige Bedrängnis, schließlich kann er ihr nicht so ohne weiteres sagen, daß der Friedhof sein zu Hause ist. Und irgend etwas hindert ihn daran, den Kontakt zu ihr abzubrechen. Seine heile Welt innerhalb der Friedhofsmauern scheint ins Wanken zu geraten.

Schließlich spitzen sich die Ereignisse zu. Rebeck kann sein Geheimnis nicht mehr länger vor Mrs. Klapper zurückhalten und hinter Michaels Tod scheint ebenfalls mehr zu stecken als alle Beteiligten ahnen. Rebeck muß sich schließlich seinen Ängsten stellen und in die Welt außerhalb des Friedhofs zurückkehren um Michael und Laura zu helfen.

“He! Rebeck!” ist ein wunderbares modernes Märchen für hoffnungslose Romantiker. Wenn Michael und Laura sich nach ihre Liebe gestehen so geschieht dies ohne all zu viel Zuckerguß aber mit einer Intensität die einem das Herz überquellen läßt und man wünscht sich selbst einmal diese alles weltliche übersteigende Liebe zu erfahren.

Eine wunderschöne Geschichte über den Tod, die Liebe und das Leben danach. Empfehlenswert!

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