Reisebericht
Eigentlich hätte ich es da gut noch ein paar Tage aushalten können. Schön wars und ich habe schon wieder Fernweh Heimweh Sehnsucht bekommen als ich bei meiner Abreise auf dem Bahnhof stand und noch gar nicht richtig weg war. Aber der Reihe nach.
Ich war in St.Ives was im südwestlichsten Teil Cornwalls und damit auch der gesamten Insel liegt. Nun ja nicht ganz, noch ein wenig weiter südlich liegt dann Lands End und wie der Name schon vermuten läßt kommt dann wirklich nichts mehr. Nur ganz viel Wasser und wenn man sich ganz strikt nach Westen mit einer leichten Neigung nach Süden hält kommt vielleicht noch irgend wann einmal New York.
Und so sieht das da aus:

St.Ives war/ist ein kleines Fischerdörfchen daß sich erst mit der Fertigstellung einer kleinen örtlichen Eisenbahnlinie zum nächsten Ort St. Erth in so etwas wie einen Ferienort verwandelt hat. Der Schriftsteller D.H.Lawrence lebte bis zum Ausbruch des 1. Weltkrieges dort, mußte dann aber den Ort verlassen, da man ihn und seine deutsche Frau der Spionage verdächtige. Auch Virginia Woolf hat hier ihre Ferien verbracht, wie ich vom Besitzer meiner Pension erfahren habe, und der Leuchtturm am anderen Ende der Bucht auf Godrevy Island soll laut seinen Angaben der nämliche sein, den sie in ihrem Buch “To the Lighthouse” beschrieben hat.
Fischer gibt es immer noch in dem Ort obwohl ich mir schwer
vorstellen kann, daß man mit der Fischerei noch viel verdienen kann.
Die kleinen Boote liegen bei Ebbe wie liegen gelassenes Spielzeug im
Hafen.


Während meiner ganzen Zeit die ich da war hatte ich schönes oder zumindest ruhiges und windstilles Wetter. Ich stelle mir ja immer irgendwie vor, wie hart das Leben doch für die Fischer gewesen sein muss, immer da raus fahren und fischen, bei Wind und Wetter, um sein täglich Brot zu verdienen und ein wenig Fisch dazu. Ich stelle mir dann vor wie die Fischer in einem heftigen Sturm über Bord gespült wurden, wie ihre hilflosen kleinen Schiffe sanken. Und wie die Frauen dann Tag um Tag im Hafen standen und auf das Meer sahen, auf die Rückkehr ihrerer Männer hoffend. Die nicht kamen und niemals wieder kommen würden.
Und dann dachte ich mir immer das ist vorbei, die modernen Schiffe sinken nicht mehr so leicht und es wird wohl niemand mehr über Bord gespült werden. Aber im Hafen stehen einige Bänke mit kleinen Messingschildchen wie diesem hier:

Es schein also immer noch vorzukommen und ich kann nicht erklären warum aber beim lesen dieser kleinen Schildchen hat sich bei mir schon ein wenig ein Kloß im Hals gebildet. Steven David Cooper, 29 Jahre alt, ertrunken im März 1997. Er war jünger als ich als er starb. Ich habe mich gefragt was für ein Mensch er war. Hat auf ihn auch ein Frau gewartet, vergeblich auf das Meer schauend? Hatte er schon Kinder? Was hat er geliebt, wer hat ihn geliebt? Es fällt mir schwer, mir vorszustellen wie es sein muß jemanden auf diese Weise zu verlieren, nichts zu haben was man begraben könnte.
Auf der Bank waren noch zwei weitere Plaketten mit dem selben Datum. Ich vermute daß alle drei auf dem selben Schiff waren, vielleicht kam ein Sturm. Ich weiß es nicht und es schien mir nicht angebracht, jemanden zu fragen. Meine romantisch-kitschige Vorstellung hätte die Leute vielleicht verärgert. Trotzdem geht mir Steven David Cooper nicht aus dem Kopf.





