Archive for October, 2004

Manager-TV

Ich hätte ja gar nicht gedacht daß ich das mal sagen würde aber ich hab mich tatsächlich mal grandios bei einer Reality-Show amüsiert. Eigentlich nur per Zufall reingezappt bin ich dann so eben bei “Big Boss” auf RTL hängen geblieben. Hauptsächlich weil ich zuerst dachte einer der Kandidaten wäre einer meiner Kollegen. Dabei sah er ihm nur ein ganz klein wenig ähnlich.

Vom Verhalten her konnte ich ähnlichkeiten nicht nur mit einem meiner Kollegen entdecken. Auch in den Firmen bei denen ich bisher tätig war habe ich genügend Kandidaten kennen gelernt die auf die vorhandenen Schemas passen. Absolute Hardcore Vollblut Egozentriker.

Am besten hat mir ja der kleine 23-jährige Student und Finanzberater mit der Michel-Friedman-Gedächtnisfrisur und -brille gefallen. Schon allein sein Auftritt hat in mir bereits gedämpfte Aggressionen ausgelöst. Seine spätere Rechtfertigung nachdem seine Gruppe die Wochenaufgabe nur unbefriedigend lösen konnte hat diesen Eindruck dann auch noch verstärkt.

Aber der Reihe nach: Bei der Sendung treten insgesamt 12 Kandidaten, sechs Männlein und sechs Weiblein, gegeneinander an um an Ende einen Haufen Kohle zu gewinnen. Nicht um endlich mal schön in Urlaub zu fahren oder sich ein neues Auto zu kaufen sondern um damit eine Firma zu gründen und noch mehr Kohle zu machen. Dafür müssen sie kleine unternehmerische Aufgaben erfüllen, die sie von Rainer Calmund dem Big Boss gestellt bekommen. Bei der Wahl des Titels hat sich ein RTL-Redakteur sicher einen Ast gefreut als er drauf kam.

Die Kandidaten sind alle durch die Bank weg “High Potentials”, haben auf den besten Hochschulen studiert, den MBA sowieso waren schon mal Geschäftsführer und Gouverneuer in den Kolonien und haben auch den Buchhaltungskurs an der Volkshochschule belegt oder mit bloßen Händen Gold in Sachsen-Anhalt geschürft. Kurzum: Man kann eigentlich nicht an der Kompetenz dieser Knallchargen Jungmanager zweifeln.

Die erste Aufgabe war es in Frankfurt Würstchen zu verkaufen. Nicht ganz die Aufgabe die man sich so vorgestellt hatte. Es wurden zwei Teams gebildet Herren und Damen. Am Anfang hab ich nicht ganz aufgepasst und so nicht mitbekommen wie die Jungs den Mädels den besseren Verkaufswagen weggeschnappt haben. Der Verkauf lief relativ unspektakulär, die Mädels hatten die grandiose Idee zu jedem verkauften Würstchen ein Küsschen für die Herren dazu zu geben.

Ergebnis: Die Mädels haben ein wenig Gewinn gemacht und die Jungs sind aus der Geschichte mit 8,50€ Verlust heraus gegangen. Klasse fand ich die Analyse danach: “Wir sind eigentlich tolle Verkäufer, nur der Zeitrahmen war für uns zu knapp.” Jawoll! So spricht der Manager von heute. Bloß keine Fehler eingestehen, schon gar nicht vor sich selbst.

Am Ende durften die Jungs sich dann vor Calmund rechtfertigen und einer mußte gehen. Da gab es dann alles vom Mobben bis hin zum klassischen Schleimer. Ich war am Ende dann froh daß nicht der kriecherische Anwalt rausgeschmissen wurde. Der hätte sich dann vermutlich wieder seinem üblichen Tagesgeschäft wieder zuwenden müssen. Das Web nach Marken- oder Urheberrechtsverletzungen zu durchforsten.

Ich fand die Sendung jedenfalls echt Klasse und werde sie nächste Woche wieder ansehen. Ich will doch noch sehen wie einer dieser Flachzocker in Tränen ausbricht.

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Albtraum

Ich habe letzte Nacht geträumt mein Freund Frank hätte mich zu einer Party eingeladen. Das ist in der Realität tatsächlich schonmal vorgekommen. Frank ist gelernter Doktor der Biochemie und deshalb sind bei seinen Partys auch schon mal einige naturwissenschaftlich begabte Leute anwesend.

Daß erklärt warum in meinem Albtraum dann auch Jean Pütz und Aiman Abdallah anwesend waren. Ich bin schweißgebadet aufgewacht.

Keine schöne Erfahrung, das können Sie mir glauben.

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Herbstgefühl

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Meine Bücher

Anlässlich der Frankfurter Buchmesse und auf Grund eines nicht getätigten Bücherkaufs während menem Urlaub in London sind mir ein paar Gedanken über Bücher in unserer Gesellschaft gekommen.

Ich liebe Bücher seit ich denken kann. Als Kind habe ich meine eigenen Bücher gemacht. Ich habe die Geschichten, die ich mir ausgedacht habe aufgeschrieben und illustriert. Die einzelnen Seiten habe ich mit Wollfäden zusammengebunden, die Buchdeckel waren aus dickem Karton den ich mit bemalt habe. Wenn es gut lief, dann hatte ich auch mal buntes Tonpapier.

Ich fing dann auch an Bücher zu sammeln. Zu meinen ersten Büchern gehörten die Abenteuer des kleinen Cowboy Jim. In Schreibschrift. Es gab drei Bände und ich hatte sie alle. Es war mir immer wichtig aus einer Serie allle Bücher zu haben die es gab. Damit begann schon daß Unverständnis meiner Umwelt.

Zu meinen liebsten Büchern gehörte damals auch die “Burg Schreckenstein” Reihe. Und selbstverständlich hatte auch ich davon alle Bände. Das heißt beinahe alle. Mein Bruder bekam eines Tages einen Band von einem seiner Freunde zu Geburtstag geschenkt.

Nun hat mein Bruder zwar ab und an ein Buch gelesen, doch er hatte nie die gleiche Leidenschaft für Bücher wie ich. Ich wußte er würde es nicht mit gebührendem Respekt behandeln. Er würde kein Lesezeichen verwenden sondern statt dessen Eselsohren reinknicken, ja schlimmer noch er würde vielleicht sogar drin herumkritzeln. Und das bei einem Buch aus “meiner” Schreckenstein-Reihe. Das konnte ich nicht zulassen also habe ich es ihm abgekauft.

Ich war zufrieden, mein Bruder war zufrieden, nur meine Mutter war nicht zufrieden. Für meine Mutter war ein Geschenk nämlich etwas Besonderes, das nicht verkauft werden durfte. Auch nicht unter Brüdern. Ich mußte es zurückgeben, mein Bruder war sauer weil er auch mein Geld zurückgeben mußte, ich war sauer aber meine Mutter war zufrieden.

Daraufhin gab ich bekannt, daß ich mir das Buch eben noch einmal kaufen würde. Aber auch das wurde von meiner Mutter verhindert. Sie war nämlich ebenso rigoros dabei wenn es galt “unnötige” Ausgaben zu verhindern. Und der Kauf dieses Buches, das in unserem Haushalt bereits existierte zählte ihrer Ansicht nach dazu. Ich konnte ihr nicht die Bedeutung dessen begreiflich machen, auch die Tatsache daß mein Bruder nie auch nur ein Buch aus dieser Serie gelesen hatte und sich gar nicht dafür interessierte änderte nichts an ihrer Meinung. So mußte ich in meiner Bibliophilen-Karriere meine erste große Enttäuschung hinnehmen.

Heute kann ich mir kaufen was ich will. Und das tue ich reichlich. Was mir aber mittlerweile ein wenig den Spaß verdirbt ist die unschöne Aufmachung der Bücher heutzutage. Die Verlage produzieren nur noch billig, viele ältere Titel sind nur noch als Taschenbuch erhältlich. Wohin das führt konnte ich während meines Urlaubs in England sehen. Dort erscheinen viele Bücher gleich nur noch als Taschenbücher, gemacht für den schnellen Konsum. Ich vermisse richtig schöne Bücher: in Leder oder Leinen gebunden, feines Papier, mit Goldschnitt. Mir ist natürlich klar, daß dies keine Bücher für den Massenmarkt sind, aber gibt es wirklich überhaupt keinen Markt dafür? Ich meine Taschenbücher sind sowas von unsexy, die mag man sich eigentlich gar nicht ins Regal stellen. Das Papier ist meistens billig, es fehlt das komplette haptische Erlebnis und von der Gestaltung des Einbandes will ich gar nicht erst anfangen.

In diesem Zusammnehang soll hier der Verlag Bloomsbury erwähnt werden, der sich ab und zu durch die besonders schöne Gestaltung seiner Bücher hervortut. Zum Beispiel mit der der gebundenen Ausgabe von “Jonathan Strange & Mr. Norrel” die in zwei verschiedenen Aufmachungen erhältlich ist. Einmal mit schwarzem und einmal mit weißem Cover. Die Gestaltung ist schlicht aber mit einem gut gewähltem, der Geschichte angemessenem Lettering.

Ich bin mittlerweile bereits so weit daß ich bestimmte Bücher, die mir besonders am Herzen liegen, nochmal neu binden lassen. Die Buchbinder halten mich für verrückt, viele der Bücher die ich binden lasse haben kaum die Hälfte von dem gekostet was ich für das Binden bezahlen musste. Aber sie sehen dann wenigstens wieder nach einem ordentlichen Buch aus.

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