Manager-TV
Ich hätte ja gar nicht gedacht daß ich das mal sagen würde aber ich hab mich tatsächlich mal grandios bei einer Reality-Show amüsiert. Eigentlich nur per Zufall reingezappt bin ich dann so eben bei “Big Boss” auf RTL hängen geblieben. Hauptsächlich weil ich zuerst dachte einer der Kandidaten wäre einer meiner Kollegen. Dabei sah er ihm nur ein ganz klein wenig ähnlich.
Vom Verhalten her konnte ich ähnlichkeiten nicht nur mit einem meiner Kollegen entdecken. Auch in den Firmen bei denen ich bisher tätig war habe ich genügend Kandidaten kennen gelernt die auf die vorhandenen Schemas passen. Absolute Hardcore Vollblut Egozentriker.
Am besten hat mir ja der kleine 23-jährige Student und Finanzberater mit der Michel-Friedman-Gedächtnisfrisur und -brille gefallen. Schon allein sein Auftritt hat in mir bereits gedämpfte Aggressionen ausgelöst. Seine spätere Rechtfertigung nachdem seine Gruppe die Wochenaufgabe nur unbefriedigend lösen konnte hat diesen Eindruck dann auch noch verstärkt.
Aber der Reihe nach: Bei der Sendung treten insgesamt 12 Kandidaten, sechs Männlein und sechs Weiblein, gegeneinander an um an Ende einen Haufen Kohle zu gewinnen. Nicht um endlich mal schön in Urlaub zu fahren oder sich ein neues Auto zu kaufen sondern um damit eine Firma zu gründen und noch mehr Kohle zu machen. Dafür müssen sie kleine unternehmerische Aufgaben erfüllen, die sie von Rainer Calmund dem Big Boss gestellt bekommen. Bei der Wahl des Titels hat sich ein RTL-Redakteur sicher einen Ast gefreut als er drauf kam.
Die Kandidaten sind alle durch die Bank weg “High Potentials”, haben auf den besten Hochschulen studiert, den MBA sowieso waren schon mal Geschäftsführer und Gouverneuer in den Kolonien und haben auch den Buchhaltungskurs an der Volkshochschule belegt oder mit bloßen Händen Gold in Sachsen-Anhalt geschürft. Kurzum: Man kann eigentlich nicht an der Kompetenz dieser Knallchargen Jungmanager zweifeln.
Die erste Aufgabe war es in Frankfurt Würstchen zu verkaufen. Nicht ganz die Aufgabe die man sich so vorgestellt hatte. Es wurden zwei Teams gebildet Herren und Damen. Am Anfang hab ich nicht ganz aufgepasst und so nicht mitbekommen wie die Jungs den Mädels den besseren Verkaufswagen weggeschnappt haben. Der Verkauf lief relativ unspektakulär, die Mädels hatten die grandiose Idee zu jedem verkauften Würstchen ein Küsschen für die Herren dazu zu geben.
Ergebnis: Die Mädels haben ein wenig Gewinn gemacht und die Jungs sind aus der Geschichte mit 8,50€ Verlust heraus gegangen. Klasse fand ich die Analyse danach: “Wir sind eigentlich tolle Verkäufer, nur der Zeitrahmen war für uns zu knapp.” Jawoll! So spricht der Manager von heute. Bloß keine Fehler eingestehen, schon gar nicht vor sich selbst.
Am Ende durften die Jungs sich dann vor Calmund rechtfertigen und einer mußte gehen. Da gab es dann alles vom Mobben bis hin zum klassischen Schleimer. Ich war am Ende dann froh daß nicht der kriecherische Anwalt rausgeschmissen wurde. Der hätte sich dann vermutlich wieder seinem üblichen Tagesgeschäft wieder zuwenden müssen. Das Web nach Marken- oder Urheberrechtsverletzungen zu durchforsten.
Ich fand die Sendung jedenfalls echt Klasse und werde sie nächste Woche wieder ansehen. Ich will doch noch sehen wie einer dieser Flachzocker in Tränen ausbricht.




