Rückblick
Also dann. Das Jahr 2004 ist in ein paar Stunden schon wieder vorbei und ich kann leider nicht sagen, daß es besonders nett zu mir war. Und ich erwarte nicht gerade, daß sich das auf den letzten Metern bis zum Ziel nochmal ändert. Dazu liegt es bereits zu weit hinten.
Andererseits will ich mich nicht all zu sehr beklagen. Schaue ich in das Gebiet des indischen Ozeans, dann geht es mir, dann geht es auch dem letzten Hartz-IV Empfänger immer noch verdammt gut. Und jedes Klagen über das, was mir dieses Jahr so widerfahren ist, würde nur zynisch klingen.
Blicken wir mal zurück, was 2004 so alles gebracht hat. Ich habe ernsthaft mit meinem eigenen Blog begonnen. Eigentlich habe ich wieder damit angefangen, denn meine ersten Versuche liegen schon lange zurück. Den ersten Entwurf zu so etwas wie einem Blog hatte ich bereits 1999 gemacht, damals alles noch mit rein statischen Seiten. Es sollte eine Art Tagebuch werden, das als eine Art Flickenteppich aus Texten, Bildern, Audio- und Video-Files zusammengestückelt wurde.
AngestiftetInspiriert wurde ich damals von einer meiner besten Freundinen, die etwas ähnliches mit begrenzter Dauer schon einmal offline als Kunstprojekt gemacht hatte. Die Idee ist also leider nicht meiner eigenen Kreativität entsprungen.
Gescheitert ist es dann letztendlich an einer Mischung aus mangelnder Selbstdisziplin und überzogenem Anspruch. Genau wie die beiden weiteren Versuche die ich danach unternommen habe, unter anderem bei Diaryland wo ich es immerhin 3 ganze Monate ausgehalten habe.
Anfang 2004 also der Neustart und seit Mai dann auch unter eigener Domain. Und obwohl ich so konstant dabei bin wie ich es selbst nie erwartet hätte bin ich jeden Tag kurz davor wieder alles abzureißen.
Was geschah sonst noch so? Klaus Esser und Josef Ackermann mußten einsehen, daß ihre Wahrnehmung davon, was eine angemessene Entschädigung ist nicht ganz von der Öffentlichkeit geteilt wird. Wir alle mußten einsehen, daß die Grenzen unseres Sozialsystems ausgereizt sind und wir etwas ändern müssen. Einige Leute, z.B. der Herr Rogowski und seine Freunde aus dem Golfclub daß die Änderungen nicht ganz einseitig verlaufen dürfen. Aber sie lernen es vielleicht auch noch.
Wir haben festgestellt, daß die Differenzen zwischen Amerika und Europa größer sind als wir bisher geglaubt haben. Bush wurde im Amt bestätigt. Andererseits lernt er vielleicht auch noch, daß Amerika nicht ohne den Rest der Welt auskommt. Und daß dieselbe keine Scheibe ist. Und wir lernen hoffentlich noch, daß Bush nicht Amerika ist.
Die Union hat 2004 den Patriotismus wieder entdeckt und gleich pauschal für sich beansprucht. Wer’s findet darf’s behalten haben sie sich gedacht. Leider waren sie damit beim Wahlvolk nicht so erfolgreich wie erhofft. Bleibt zu hoffen, daß sie sich für die anstehenden Wahlkämpfe wieder Sachthemen zuwenden. Ich kann das Wort schon nicht mehr hören.
Viacom hat Viva gekauft und angefangen abzumanagen. Dummerweise haben die es vorher gemerkt und fanden das nicht so toll. MTV wird auch grundbereinigt. Der lästige Musik-Anteil wird entfernt, bis auf die tägliche Klingelton Top-10 – “Viacom – we take the M out of TV”. Fiel mir gerade ein der Slogan. Fühlen Sie sich frei ihn zu benutzen. Jamba kann auch gerne zugreifen.
Die Frau Zypries und mit ihr die gesamte Regierung hat dieses Jahr in Sachen Software-Patente bewiesen daß ihr die Meinung des Bundestages egal ist, wenn sie nur entsprechende Lobbyisten auf ihrer Seite hat. Sie selbst hat auch bewiesen, daß man nicht unbedingt was von einem Amt verstehen muß um es zu bekommen. Polen wiederum hat bewiesen, daß man sich den Platz in der EU durchaus verdient hat. Die Regierung und die Öffentlichkeit wird hoffentlich noch lernen, daß die Software-Industrie die Automobil-Industrie von morgen ist. (Opel, General Motors…klingelts?)
Wir alle haben durch die Katastrophe im indischen Ozean vielleicht gelernt dankbarer zu sein, mit dem was wir haben. Und hoffentlich auch, daß wir uns um andere auch ohne solche Katastrophen kümmern sollten.
Ich selbst habe mich um Veränderung in meinem eigenen Leben bemüht wie nie zu vor. Sowohl im privaten als auch im beruflichen. Wobei meine Prioritäten eindeutig auf dem ersten liegen.
Es ist mir klar, daß ich so wie im Augenblick nicht mehr lange weitermachen kann. Allein, je mehr ich mich bemüht habe, desto weniger schien dies honoriert zu werden. Ich will mich nicht beklagen, ich will positiv denken und mich in Zukunft mehr und mehr bemühen. Aber je länger es dauert, desto schwieriger wird es sich zu bemühen. Und die Hoffnung aufrecht zu erhalten.
Aber genug von dem Unsinn. In diesem Sinne wünsche ich allen da draußen ein erfolgreiches 2005 und bringe meine Gefühle über das vergangene Jahr mit einem Dialog aus dem Film “Jeremiah Johnson” zum Abschluß:
Bear Claw Chris Lapp: You’ve come far pilgrim.
Jeremiah Johnson: Feels like far.
Bear Claw Chris Lapp: Were it worth the trouble?
Jeremiah Johnson: Ah, what trouble?




