Bis dann, Marie
Bevor ich mich darüber auslasse, wie ich am vergangenen Wochenende meine Oma in der alten Heimat zu ihrem Geburtstag besucht habe und dabei einmal mehr das Gefühl hatte, die alte Heimat, wie ich sie in Erinnerung habe, hat nie so richtig existiert, muss ich noch kurz was anderes loswerden.
Man kommt ja dieser Tage nicht mehr richtig zum Schreiben, es kann ja mittlerweile ein Papst sterben, ein anderer und mit ihm ganz Deutschland zum neuen gewählt werden, Jürgen “Übermensch” Rüttgers in den aktiven Wahlkampf einsteigen und in sämtliche Fettnäpfchen in greifbarer Nähe tapsen ohne daß man auch nur dazu kommen würde auch nur eine Zeile darüber zu schreiben.
Marie hört auf und das tut mir sehr leid. Ich habe sie recht gerne gelesen und ich bedauere vor allem, daß ich sie in der letzten Zeit nicht mehr so häufig gelesen habe und jetzt auch das ganze Archiv nicht mehr zur Verfügung steht. So habe ich vieles nicht mehr erfahren und werde es jetzt vermutlich auch gar nicht mehr zu lesen bekommen. Vieles von dem was sie geschrieben hatte war für mich sehr gut nachvollziehbar, ich konnte mich in sie hineinversetzen. Gerade in ihren emotionaleren Texten blieb mir mehr als einmal ein dicker Kloß im Halse stecken.
Um so bedauerlicher ist der Grund warum sie aufhört. Es war mit Sicherheit nicht schön, jemandem, der sich einem öffnet eine andere Identität vorzuspielen. Ich kann mich auch noch halbwegs in diesen Menschen versetzen, in das Gefühl der Enttäuschung und des Betrogen-Seins, das dieser dann gehabt haben muß. Genauso wie ich mich mit Marie mitfühlen kann und vielleicht auch ein wenig ihr Verhalten nachvollziehen kann. Man baut sich zu leicht einen Panzer in den man sich zurückzieht wie eine Schildkröte um nicht verletzt zu werden.
Die genauen Details kenne ich nicht und sie gehen mich auch nichts an. Daß man aber anttäuscht ist, weil sich eine Person nicht als das Bild erweist, daß man von ihr hat und dies dann als grenzenlose Ungerechtigkeit empfindet will mir nicht recht in den Kopf. Genauso könnte man sich beklagen, daß Chaplin nie ein echter Tramp war oder Hugh Grant im echten Leben mit Prostituierten rum gemacht hat.
Wie gesagt, ich werde Marie vermissen und ich bedauere es, daß auch ihr Archiv nicht mehr zur Verfügung steht. Ich hätte gerne das eine oder andere von ihr nochmal gelesen.
Bis dann Marie. Und viel Glück für Dich Anne.







