Archive for June, 2005

Dinge die ich gerne wissen möchte

Warum sitzen Leute, die bei der ersten Herbstkühle die Heizung bis zum Anschlag aufdrehen, im Sommer in klimaanlagenmäßig auf 17 Grad heruntergekühlten Räumen?

Warum geben Leute 60 Euro für ein Bahnticket aus, sind dann aber zu geizig 1,50 Euro für eine Sitzplatzreservierung zu inverstieren und beschweren sich dann darüber, daß sie während der Strecke Köln-Frankfurt stehen müsen?

Warum versteht man Ozzy Osbourne bei seinen Liedern klar und deutlich, wenn er aber spricht bringt er nur eine Reihe gutturaler Laute heraus die nur seine Frau verstehen kann?

Welche Haarfarbe haben die Schlümpfe?

Wenn ich mir Oropax in die Ohren stecke und mich zur Gänze hinter einer großformatigen Zeitung verstecke, sind das immer noch nicht Zeichen genug dafür, daß ich während der folgenden 2 Stunden Zugfahrt keinen Smalltalk mit unbekannten Mitreisenden betreiben möchte?

Wie kann man ein derartiges Ego, Unfehlbarkeitsgefühl und Weltbild entwickeln wie es Josef Ackermann, Kai Diekmann, Dieter Bohlen oder Michel Friedmann haben?

Gehen die Verantwortlichen von Waschmittelwerbung eigentlich ernsthaft davon aus daß ihre Spots tatsächlich noch jemanden ansprechen und zum Kauf ihrer Produkte animieren würde?

Kommt das nur mir so vor oder werden die Darsteller eben dieser Spots tatsächlich alle aus der Laienschauspielgruppe Hinterholztupfingen gecastet?

Wo bekommt man in Darmstadt ein ordentliches Steak serviert?

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Jonathan Strange & Mr. Norrell

Im Jahre 1806 empfing die Gemeinschaft der Magier von York ein neues Mitglied, einen Gentleman mit Namen John Segundus. Die Mitglieder der Gemeinschaft waren keine praktizierenden Magier, Gott bewahre, das wäre ja viel zu unberechenbar gewesen. Wer hätte nach all den Jahren, in denen die Magie aus England verschwunden war, sagen können was die Englische Magie anrichten würde, wäre sei denn wieder freigesetzt worden.

Die Gemeinschaft gefiel sich darin, eine Gemeinschaft von “theoretischen”Magiern zu sein, die sich ganz dem Studium alter Bücher verschrieben hatte. Mr. Segundus fand dies sehr befremdlich, ging ihm die Magie doch über alles und reine Theorie schien ihm nicht die ganze Kunst darstellen zu können.

Gegen den Widerspruch einiger Mitglieder der Gemeinschaft machte er sich auf die Suche nach einem praktizierenden Magier und fand ihn auch alsbald in Gestalt von Mr. Norrell.

Mr. Norrell hatte sein ganzes Leben dem Studium der Magie verschrieben, er besaß eine magische Bibliothek, wie sie ihresgleichen in ganz England, ja vermutlich sogar in der ganzen Welt nicht mehr zu finden war. Die Magie war ihm eine derart ernste Sache, daß er nur Verachtung und Abscheu für theoretische Magier und sämtliche Leute empfinden konnte, welche die Magie nicht mit der Ernsthaftigkeit seiner Maßstäbe (und die waren sehr hoch) studierten. Der Beweis seiner Kunst als praktizierender Magier führte in der Folge zur Auflösung der Gemeinschaft der Magier von York.

Aber Mr. Norrell wollte mehr. Er wollte die Magie nach England zurückbringen und als ihr neues leuchtendes Vorbild gelten. Doch Mr. Norrell hatte nicht nur sehr hohe Maßstäbe an das Studium der Magie er war auch sehr eigensinnig und starrköpfig. Seine ersten Versuche die Magie in der Londoner Gesellschaft nahezubringen scheiterten kläglich. Entweder man nahm ihn nicht ernst, lud ihn auf Partys als Attraktion ein (der einzige praktizierende Magier Englands) wo er sich wenig zurecht fand oder man strafte ihn mit gänzlicher Nichtbeachtung.

Das änderte sich schlagartig als er die verstorbene Verlobte des einflußreichen Politikers Sir Walter Pole mittels Magie ins Leben zurück rief. Mr. Norrell fand augenblicklich die Aufmerksamkeit der Politik und vor allem der Armee, die sich in gewissen Differenzen mit Frankreich und dessen Oberhaupt Napoleon befand. Allein die praktische Anwendung der Magie bereitete Mr. Norrell einige Schwierigkeiten, da dies doch oftmals erforderte, daß er seine Bibliothek verlassen mußte.

Darüber hinaus gewann er durch seine Eitelkeit und seine hohen Ansprüche in der praktischen Magie nicht sonderlich viel Sympathie. Er sorgte dafür daß jedem, der nach seiner Meinung das Studium der Magie nicht mit der angebrachten Ernsthaftigkeit betrieb (und dies betraf nach seiner Meinung nahezu jeden auf englischem Boden, der Umgang mit der Magie verboten wurde. Eine große Enttäuschung machte sich unter den Politikern und Generälen breit. In Mr. Norrell fand man niemanden, der für den Einsatz als “Kriegsmagier” geeignet gewesen wäre und seine Eifersucht sorgte dafür, daß auch niemand nachkommen würde, der geeignet wäre.

Da taucht Jonathan Strange in London auf. Mr. Strange war die meiste Zeit seines Lebens ein Taugenichts, der niemals die Geduld besaß irgend etwas zu Ende zu bringen. Aus einer Laune heraus begann er mit dem Studium der Magie und erwies sich als sagenhaftes Talent. Tatsächlich war er derart begabt, daß Mr. Norell ihn voller Begeisterung als seinen Schüler annahm. England war endlich mit zwei Magiern gesegnet.

Doch die Freude war nur von kurzer Dauer, auch Jonathan Strange betrieb nach Ansicht von Mr. Norrell das Studium der Magie nicht mit dem notwendigen Respekt. Daß er dabei die schwierigsten Sprüche quasi auf Anhieb verstand, während Mr. Norrell für die gleichen Sprüche jahrelange Übung benötigte machte die Sache nicht einfacher. Es entstand eine Feindschaft wie zwischen Salieri und Mozart.

Doch unbemerkt von ganz England haben sich die Grenzen zum Feenreich verschoben. Wege, die lange vergessen waren wurden wieder beschritten, ein mächtiger Feind aus dem Feenreich entführt die Frau von Jonathan Strange und lässt diesen glauben sie wäre gestorben. Und es gibt Anzeichen dafür, daß der alte König aus dem Norden zurück kehrt, der als der größte englsiche Magier aller Zeiten galt. Die Magie ist nach England zurückgekehrt und nun ist das gesamte englische Reich in Gefahr.

“Jonathan Strange & Mr. Norrell”
ist der phantasievollste Fantasy-Roman, den ich seit Jahren gelesen habe. Anders als die vielen Kopien von “Der Herr der Ringe” oder den “Harry Potter” Hollywood-Vorlagen von Frau Rowling schafft es Susanna Clarke nciht nur über Magie zu schreiben sondern auch noch eine magische Geschichte zu erzählen.

Dabei wendet sie den einfachsten aller Tricks an: Sie legt die Geschichte nicht im fiktiven Mittelerde oder im verborgenen Hoghwarts an sondern mitten im vergangenen aber wirklichen England. Dadurch wird die Geschichte authentisch und greifbar, was durch die Auftritte historischer Persönlichkeiten wie etwa dem Duke of Wellington, Sir Walter Scott und Lord Byron noch intensiviert wird. Dadurch wird das Buch zur faktischen Historie, etwa wenn erklärt wird wie die englischen Truppen Napoleon nur durch die Unterstützung des Magiers Jonathan Strange geschlagen werden konnten.

Neben den historisch verbürgten Charakteren treten eine ganze Reihe herborragend gezeichneter Charaktere in Erscheinung wie etwa Norrells Diener Childermass, der mehr als nur ein einfacher Diener ist und die Geschichte entscheidend mitgestaltet. Mir am liebsten war der “Gentleman with the thistle-down hair”, ein recht exzentrischer Bewohner des Feenreichs und innerhalb der Geschichte so etwas wie der Oberschurke, wenngleich keine seiner Handlungen von offensichtlicher Bosheit geleitet ist.

Durch mehrere Fußnoten wird dem Leser die Geschichte der englischen Magie nahe gebracht, was teilweise der einzige Wermutstropfen in dem gesamten Werk ist. Die teilweise sehr langen Anmerkungen machen es gelegentlich schwer sich auf die eigentliche Geschichte zu konzentrieren, auch wenn sie durchweg hübsch geschrieben und stimmig sind.

Inhaltlich wie sprachlich ist es Susannah Clarke ausgezeichnet gelungen Ernsthaftigkeit und besten englischen Humor zu verbinden und dabei eine wunderbare arrogant-aristokrtische Distanziertheit zu schaffen.

“The Emperor Napoleon Buonaparte had been banished to the island of Elba. However His Imperial Majesty had some doubts wether a quiet island life would suit him – he was, after all, accustomed to governing a large proportion of the known world. And so before he left France he told several people that when violets bloomed again in spring he would return. This promise he kept.”

Verstehen Sie was ich meine? Jedem, der der englischen Sprache und Kultur verfallen ist wie ich, muß doch das Herz übergehen bei solchen Wortkonstruktionen. “Jonathan Strange & Mr. Norrell” ist ein historischer Fanatsy-Roman der von Jane Austen hätte geschrieben werden können. Wer so etwas mag, wird hier einen wahren literarischen Schatz finden.

Wer bei jeder Geschichte, die praktizierende Magier enthält laut “Skandal! Eskapismus!” schreit soll sich seine Heiner-Müller-Gedächtnis-Brille anziehen zur Verleihung des Bachmann-Preises gehen und mich in Ruhe lassen.

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Beitrag zum Schillerjahr

Schillerlocken
Schillerlocken mit Olivenbrot

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Sommerkonzert

Innerhalb weniger Wochen gehe ich nun schon auf das zweite Konzert populärer Musik, diesmal von vier jungen Briten. Wüsste man es nicht besser könnte man sagen es hat sich etwas grundlegendes im Verhalten des Mike geändert.

Diesmal durfte ich die geschätzte Frau Emily zu Coldplay begleiten. Wir kamen etwas später, so daß wir die erste Vorgruppe, die aufstrebende deutsche Nachwuchsband Kettcar nicht mehr sehen und schon gar nicht hören konnten. Eigentlich war das ja fast schon geplant, weil die Frau Emily die nicht so mag. Ich hab’ ja eigentlich nix gegen die, aber mit hübschen Frauen soll man nicht diskutieren. Außerdem hab ich keinen sonderlich ausgeprägten Musikgeschmack, da ist es besser ich verlasse mich mal besser auf jemanden der sich auskennt.

Gehört und gesehen haben wir dann vor der eigentlichen Haupt-Attraktion noch einen anderen Musiker, nämlich Mr. Ashcroft der auch aufspielte. Mr. Ashcroft dürfte dem Publikum durch Titel wie “Bittersweet Symphony” und “The Drugs don’t work” bekannt sein. Letzteres schien er übrigens lügen strafen zu wollen, wenn man durch sein motorisches Auftreten auf die Einnahme irgendwelcher Substanzen schließen mag.

Dann kamen endlich die vier jungen Briten und ich komme zu meiner Konzertkritik.

Größtenteils ganz gut.

Was haben Sie erwartet? Ich hatte doch schon gesagt, daß ich keinen besonders ausgeprägten Musikgeschmack habe. Ich kann ja noch einige Details nennen. Der Mann von Gwyneth Paltrow hat ja eine Stimme, die langfristig etwas schwer zu ertragen ist. Außerdem hat er ein paar mal nicht ganz so gelungen versucht sich dem deutschen Publikum anzubiedern in dem er die üblichen Phrasen auf deutsch ins Publikum warf, wie etwa “Wie geht’s?”.

Vermutlich lernt man so etwas auf der britischen Pop-Star-Schule. Da sagen sie einem dann daß man auf den Konzerten immer “Wie geht’s” in der jeweiligen Landessprache ins Publikum rufen soll, da fahren die voll drauf ab. Wahrscheinlich gibt es spezielle Pop-Star-Wörterbücher in denen man “Wie geht’s” in 300 Landessprachen nachschlagen kann, falls man mal eine Welt-Tournee machen möchte.

Später hat er dann noch “Wo geht es zum Bahnhof” auf die Melodie von “The Scientist” gesungen, das hat ein wenig an Monty Python erinnert war aber nicht ganz so lustig. Das waren übrigens auch die besseren Stücke, also nicht die in denen der Mann von Gwyneth Paltrow auf deutsch unsinnige Dinge sang, sondern die Stücke von den beiden älteren Platten. Denn ehrlich gesagt finde ich das neue Album ein wenig enttäuschend.

Enttäuschend war auch die Dauer des Gastspiels. Nach nur einer Stunde und knappen 15 Minuten hieß es dann auch schon schönen Dank und gute Nacht. Man ließ sich noch einmal zu einer launigen aber unmotivierten Zugabe hinreisen, das war es dann aber auch schon.

Zusammenfassend bleibt aber dennoch das Urteil “Größtenteils ganz gut” bestehen. Ich war dann jedenfalls doch noch ganz froh das 50-Euro-Ticket am Tag zuvor aus einer depressiven Verstimmung heraus doch nicht weggeworfen zu haben. Und ich habe wieder einmal eine Menge gelernt.

Nämlich daß es auch auf Open-Air Konzerten sehr laut zugehen kann. Beim nächsten Konzert muß ich unbedingt Oropax mitnehmen.

An die anderen Menschen gewöhne ich mich langsam, nur am Bierstand habe ich noch etwas versagt, rein darwinistisch betrachtet.

Und wenn man mich nur mit einem Schweizer Taschenmesser bewaffnet auf einem Parkplatz aussetzen würde, dann würde ich vermutlich jämmerlich verhungern.

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