Man tut ja sonst nichts für den eigenen Körper habe ich mir gesagt und es schadet ja nichts, ist ja nur einmal die Woche. Und überhaupt: Wenn man außer Atem gerät, beim Versuch eine Kiste Wasser in den zweiten Stock zu tragen, dann wird es Zeit etwas zu tun.
Das Publikum in derlei Einrichtungen ist ja ein ziemlich lustiges Völkchen, daß muß man schon mal sagen. Was mich am meisten nervt ist ist ja, daß man gleich von allen und jedem geduzt wird. Und diese elende Lockerheit.
Ein recht jugendlicher Trainer meint freundschaftlich daß nach ein paar Wochen Aufbau-Training können “wir” (wieso wir?) zum Body-Building übergehen, dann würd ich bald auch wieder besser aussehen.
Ich frage was denn mit meinem Aussehen nicht stimmen würde, ich wäre ja ganz zufrieden damit. Und 70 kg bei 1,72m deuten ja nicht gerade auf Übergewicht hin oder? Ja schon meint er, aber man wolle ja immer besser ausshen oder? Den Bizeps und so?
Nein, nein, sage ich, aus dem Alter bin raus. der jugendliche Trainer hat mir seither keine Tips mehr gegeben.
Wie gesagt, das Publikum…der Name der Einrichtung – Killer Sports – hätte mich ja warnen müssen. Mal im Ernst: Ein sehr knappes Top bei Frauen mit dem Playboy Bunny darauf wirkt bei den meisten Frauen genau so wie bei Männern das Muskelshirt mit der Aufschrift “Pumping Iron”. Unterirdisch.
Andererseits muß man dem Marketing Hochachtung zollen: Die Plakate, auf denen die Firma Pfizer in der Umkleidekabine und in der Dusche (!) Werbung für ihre kleinen blauen Pillen machen darf, nenn ich mla wirklich zielgruppengerecht platziert.
Und der Texter, der den Spruch “Ich will, ich kann – Mit Leib und Seele Mann!” getextet hat, der stammt vermutlich auch aus einem anderen Zeitalter. Wer so etwas textet, der textet auch “Mutti spült mit Pril am liebsten!” Schön wenn es noch Agenturen gibt, die am alten Rollenverständnis festhalten. Das hat man ja heute auch nicht mehr so oft.
Jedenfalls war ich dann da und machte Woche für Woche fleißig meine Übungen. Bis ich dann gestern Abend einen fatalen Fehler an Station Nr.6 meines Trainigsplanes (Fachterminus Brust drücken) machte.
Frohen Mutes stellte ich das Gewicht auf Stufe 6 (das sind nicht sechs Kilo sondern viel mehr!) und begann die Übung. 3x 15 Wiederholungen laut Trainingsplan. Das schaffe ich mittlerweile locker.
Ich beginne und komme bei der ersten Wiederholung bis zur Hälfte. Oh Gott!
Gut ich gebe zu ich war zwei Wochen nicht da, aber kann man in zwei Wochen so abbauen? Ich starte erneut und komme diesmal nichtmal zum viertel einer Wiederholung. Bevor ich die Gewichte wieder fallen lasse sehe ich mir gegenüber zwei junge Damen die mich angrinsen. Eine trägt ein Top, darauf ist ein Playboy Bunny abgebildet.
Jetzt nur nicht nachlassen, nur keine Schwäche zeigen. Ich grinse zurück aber ich fürchte es wirkt als ob ich eine Grimasse schneide. Die Gewichte machen sich über die Schwerkraft bemerkbar. Ach grausames Schicksal!
Ich kämpfe, ich stemme mich entgegen, mit übermenschlicher Kraft schaffe ich es die Gewichte ganz nach unten zu drücken. Mensch gegen Maschine, ich bin Sieger, ich habe gesiegt. Die Damen scheinen das aus einem anderen Blickwinkel zu beurteilen.
Die Schmerzen ignorierend mache ich noch 9 weitere Wiederholungen. Oder achteinhalb. Vielleicht auch nur siebendreiviertel, kommt vermutlich darauf an, wie man zählt.
Als ich meinen rechten Arm nicht mehr spüre beschließe ich, daß ich der Maschine genug gezeigt habe wo es lang geht. Betont lässig stehe ich auf und schüttle beide Arme. Ich beschließe mich dezent zurück zu ziehen, man will ja kein großes Aufhebens machen. Nur noch schnell die abgearbeitet Übung in den Trainigsplan eintragen.
Dabei fällt mir auf, daß ich die Übung eigentlich nur mit einem Drittel der Gewichte, also Stufe zwei hätte machen sollen. Aha, sage ich mir, daß erklärt so einiges. Unter Dusche bekomme ich dann langsam wieder Gefühl in die Arme, heute beim Frühstück konnte ich bereits wieder selbständig meine Tasse halten.
Screwtape’s warnt: Senilität und Selbstüberschätzung in öffentlichen Körper-Ertüchtigungs Einrichtungen kann zu ernsthaften Schäden führen. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie am besten jemanden, der sich damit auskennt oder lassen es besser gleich bleiben.