Archive for December, 2005

Schhhh….

Und plötzlich ist es dann wieder soweit: Ganz unerwartet ist Weihnachten da. Wo um alles in der Welt kam das nun so schnell wieder her? War den überhaupt schon Advent?

Es ist still geworden, draußen und drinnen auch. All der Lärm und all die Hektik fällt endlich von einem ab. Ich habe eingekauft heute früh. Fleisch, Kartoffeln und Rosenkohl. Eier, Lachs, Brot und Senf. Rotwein und eine gute Flasche Single Malt. Beim Bäcker gab es noch ein schönes Früchtebrot, süß und saftig.

Jetzt noch die letzten Weihnachtsmails schreiben, Frohes Fest und Happy Holidays. Ein Anruf in der alten Heimat noch, um das schlechte Gewissen zu beruhigen, daß man wieder nicht runter gefahren ist. Zumindest der Oma wegen.

Nebn mir steht eine dampfende Kanne Tee, auf dem Tisch liegt ein Stapel Bücher und ein paar Comics, die gelesen werden wollen. Ich knabbere ein wenig an dem Früchtebrot und fühle mich leicht melancholisch, hat er mich doch wieder erwischt, der Gesit der diesjährigen Weihnacht. Aber ich bin’s zufrieden.

Ihnen allen da draußen einen frohen Weihnachtsabend. Lauschen Sie einmal der Stille.

Und den Menschen ein Wohlgefallen.

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Schott’s Almanac 2006

Als besonderen Service bieten wir Ihnen heute einen Last-Minute Geschenktipp für Weihnachten. “Schott’s Almanac 2006″ ist ein Buch, das man immer und nahezu jedem schenken kann.

Vielleicht istdem einen oder anderen bereits “Schott’s Original Miscellany” ein Begriff sein, dann werden Sie schon wissen, was Sie bei dem Almanach erwartet.

Die Bücher von Ben Schott sind im Allgemeinen eine Anhäufung von Trivial-Wissen, das eigentlich kein Mensch braucht, mit dem man aber auf Partys oder sonstigen gesellschaftlichen Anlässen gut und gerne die anwesenden Gäste beeindurcken kann.

Wussten Sie welche Weltkulturerbe-Stätten auser dem Kölner Dom von der Unesco noch als bedroht angesehen werden? Unter welchem Nom de Plume (Pseudonym) der Schriftsteller Samuel Clemens einen Klassiker der Weltliteratur geschrieben hat? Wer gerade beim National Orchestra of Wales Dirigent ist? Daß der größte Wald der Welt in Russland zu finden ist ?

Das und nch vieles mehr können Sie alles in “Schott’s Almanac 2006″ finden. Natürlich lässt sich das alles auch mit Google oder Wikipedia herausfinden, aber das macht bedeutend weniger Spass. Haben Sie schon einmal versucht Google einfach in der Mitte aufzuschlagen und zu lesen, welcher interessante Artikel Ihnen da angeboten wird? Wie bequem mag es wohl sein am ersten Weihnachtstag im Bademantel mit einer Kanne Tee und Keksen Wikipedia durchzublättern.

Als Kind habe ich mich oft stundenlang mit Lexika beschäftigt. Ohne nach etwas bestimmtem zu suchen habe ich einen Band aus dem Regal genommen, irgendwo aufgeschlagen und einfach einen Artikel gelesen. Für alle, die das auch gerne gemacht haben, den Brockhaus aber mittlerweile schon auswendig kennen, empfiehlt sich “Schott’s Almanac 2006″.

Alle anderen können es auch bleiben lassen.

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Hogfather

Wenn ich meinen Statistiken glauben darf, dann besteht derzeit ein immenser Bedarf nach Weihnachtsgeschichten. Anders sind gut 600 Verweise die mir Google in den letzten drei Wochen bescherte nur schwer zu erklären.

Und ganz im Dienste des Volks komme ich diesem Bedürfnis natürlich nach. Ladies and Gentleman, may I present you “Hogfather” by Terry Pratchett.

Jedes Jahr im Winter kommt in einer bestimmten Nacht der Hogfather auf seinem Schlitten, der von vier Schweinen gezogen wird, um den braven Kinder der Scheibenwelt Geschenke zu bringen. Der Hogfather ist ein dickicher Kerl im roten Mantel mit einem weißen Bart und riesige Hauern im Unterkiefer.

Doch in diesem Jahr kommt alles irgendwie anders. Die Gilde der Meuchelmörder hat einen Auftrag angenommen den Hogfather zu ermorden und schickt ihren pschopathischsten Killer, Mr. Teatime, los um den Auftrag auszuführen. Aber Mr. Teatime hat genau wie der Rest der Scheibenwelt das Problem, daß der Hogfather offensichtlich gar nicht erscheint in diesem Jahr.

Drastische Zeiten zwingen drastische Personen zu drastischen Maßnahmen. So ist es Tod selbst, der einspringt um den Hogfather zu vertreten. Zum Bedauern einiger Kaufhaus-Besitzer erfüllt Tod die Wünsche der Kinder kostenlos und zum Bedauern einiger Eltern nimmt Tod die Wünsche der Kinder wörtlich:

The mother took a deep breath.
“You can’t give her that!” she screamed. “It’s not safe!”
IT’S A SWORD, said the Hogfather. THEY’RE NOT MEANT TO BE SAFE.
“She’s a child!” shouted Crumley.
IT’S EDUCATIONAL.
“What if she cuts herself?”
THAT WILL BE AN IMPORTANT LESSON.

Es wird schnell klar, daß Tod nicht unbedingt die beste Vertretung für den Hogfather ist und so macht sich eine Nanny namens Susan, die nebenbei auch noch die Enkelin von Tod ist und den Monstern unterm Bett ihrer Schützlinge gerne mal mit dem Schürhaken zu Leibe rückt, auf um den echten Hogfather zu finden. Begleitet wird sie dabei von dem Gott Bill (eigentlich ein Oh-Gott, Bill ist der Oh-Gott der hangovers), der im weiteren Verlauf noch eine gewichtige Rolle spielen wird.

Denn schnell stellt sich heraus, daß nicht nur das Verschwinden des Hogfathers das Problem ist. Vielmehr steht die Existenz der ganzen Scheibenwelt auf dem Spiel und eine Zahnfee ist offensichtlich darin verwickelt.

Es gibt Leute die Terry Pratchett gegenüber gewisse Vorbehalte haben, mich selbst erschreckt die Geschwindigkeit, mit der er seine Scheibenwelt-Romane raushaut auch manchmal. Aber wer den Mann mal persönlich kennen lernen durfte (mir wurde diese Ehre 2001 im Rahmen einer Lesung teil), der weiß, daß er einen echten urpsürnglichen Sinn für den typisch britischen Humor hat. “Hogfather” ist aber mit Sicherheit ein Buch, für das sich auch die hartgesottensten Fantasy-Verächter begeistern könnten, wenn sie es einfach nur als Parodie wahrnehmen wollen.

Denn neben dem üblichen Ensemble der Scheibenwelt versammelt Pratchett hier auch einige der größten Mythen rund um das Weihnachtsfest, wie wir es kennen, und führt sie auf erheiternde Weise in die Absurdität. “Hogfather” ist ein Buch wie es Charles Dickens geschrieben hätte, wenn er Mitglied bei Monty Python gewesen wäre.

Es sei Ihnen als humorvolle Alternative unter dem Weihnachtsbaum wärmstens empfohlen. Happy Hogswatch!

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Im Fitness-Studio

Man tut ja sonst nichts für den eigenen Körper habe ich mir gesagt und es schadet ja nichts, ist ja nur einmal die Woche. Und überhaupt: Wenn man außer Atem gerät, beim Versuch eine Kiste Wasser in den zweiten Stock zu tragen, dann wird es Zeit etwas zu tun.

Das Publikum in derlei Einrichtungen ist ja ein ziemlich lustiges Völkchen, daß muß man schon mal sagen. Was mich am meisten nervt ist ist ja, daß man gleich von allen und jedem geduzt wird. Und diese elende Lockerheit.

Ein recht jugendlicher Trainer meint freundschaftlich daß nach ein paar Wochen Aufbau-Training können “wir” (wieso wir?) zum Body-Building übergehen, dann würd ich bald auch wieder besser aussehen.

Ich frage was denn mit meinem Aussehen nicht stimmen würde, ich wäre ja ganz zufrieden damit. Und 70 kg bei 1,72m deuten ja nicht gerade auf Übergewicht hin oder? Ja schon meint er, aber man wolle ja immer besser ausshen oder? Den Bizeps und so?

Nein, nein, sage ich, aus dem Alter bin raus. der jugendliche Trainer hat mir seither keine Tips mehr gegeben.

Wie gesagt, das Publikum…der Name der Einrichtung – Killer Sports – hätte mich ja warnen müssen. Mal im Ernst: Ein sehr knappes Top bei Frauen mit dem Playboy Bunny darauf wirkt bei den meisten Frauen genau so wie bei Männern das Muskelshirt mit der Aufschrift “Pumping Iron”. Unterirdisch.

Andererseits muß man dem Marketing Hochachtung zollen: Die Plakate, auf denen die Firma Pfizer in der Umkleidekabine und in der Dusche (!) Werbung für ihre kleinen blauen Pillen machen darf, nenn ich mla wirklich zielgruppengerecht platziert.

Und der Texter, der den Spruch “Ich will, ich kann – Mit Leib und Seele Mann!” getextet hat, der stammt vermutlich auch aus einem anderen Zeitalter. Wer so etwas textet, der textet auch “Mutti spült mit Pril am liebsten!” Schön wenn es noch Agenturen gibt, die am alten Rollenverständnis festhalten. Das hat man ja heute auch nicht mehr so oft.

Jedenfalls war ich dann da und machte Woche für Woche fleißig meine Übungen. Bis ich dann gestern Abend einen fatalen Fehler an Station Nr.6 meines Trainigsplanes (Fachterminus Brust drücken) machte.

Frohen Mutes stellte ich das Gewicht auf Stufe 6 (das sind nicht sechs Kilo sondern viel mehr!) und begann die Übung. 3x 15 Wiederholungen laut Trainingsplan. Das schaffe ich mittlerweile locker.

Ich beginne und komme bei der ersten Wiederholung bis zur Hälfte. Oh Gott!

Gut ich gebe zu ich war zwei Wochen nicht da, aber kann man in zwei Wochen so abbauen? Ich starte erneut und komme diesmal nichtmal zum viertel einer Wiederholung. Bevor ich die Gewichte wieder fallen lasse sehe ich mir gegenüber zwei junge Damen die mich angrinsen. Eine trägt ein Top, darauf ist ein Playboy Bunny abgebildet.

Jetzt nur nicht nachlassen, nur keine Schwäche zeigen. Ich grinse zurück aber ich fürchte es wirkt als ob ich eine Grimasse schneide. Die Gewichte machen sich über die Schwerkraft bemerkbar. Ach grausames Schicksal!

Ich kämpfe, ich stemme mich entgegen, mit übermenschlicher Kraft schaffe ich es die Gewichte ganz nach unten zu drücken. Mensch gegen Maschine, ich bin Sieger, ich habe gesiegt. Die Damen scheinen das aus einem anderen Blickwinkel zu beurteilen.

Die Schmerzen ignorierend mache ich noch 9 weitere Wiederholungen. Oder achteinhalb. Vielleicht auch nur siebendreiviertel, kommt vermutlich darauf an, wie man zählt.

Als ich meinen rechten Arm nicht mehr spüre beschließe ich, daß ich der Maschine genug gezeigt habe wo es lang geht. Betont lässig stehe ich auf und schüttle beide Arme. Ich beschließe mich dezent zurück zu ziehen, man will ja kein großes Aufhebens machen. Nur noch schnell die abgearbeitet Übung in den Trainigsplan eintragen.

Dabei fällt mir auf, daß ich die Übung eigentlich nur mit einem Drittel der Gewichte, also Stufe zwei hätte machen sollen. Aha, sage ich mir, daß erklärt so einiges. Unter Dusche bekomme ich dann langsam wieder Gefühl in die Arme, heute beim Frühstück konnte ich bereits wieder selbständig meine Tasse halten.

Screwtape’s warnt: Senilität und Selbstüberschätzung in öffentlichen Körper-Ertüchtigungs Einrichtungen kann zu ernsthaften Schäden führen. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie am besten jemanden, der sich damit auskennt oder lassen es besser gleich bleiben.

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