So jetzt ist es soweit: Screwtape’s wird zwei Jahre alt. Heute genau vor zwei Jahren wurde mit einer Referenz an das Singspiel “The Pirates of Penzance” der erste Eintrag für Screwtape’s geschrieben. Eigentlich war das nur ein Test.
Ne, stimmt eigentlich nicht. Wenn man es genau nimmt habe ich meine ersten Versuche mit dem was heute Screwtape’s wurde bereits vor knapp 6 Jahren gemacht, allerdings wenig zielgerichtet (haha, als ob sich das heute geändert hätte). Das Ganze hielt dann gute zwei Monate bevor mich die Motivation wieder verließ. Ich bin im Grunde nämlich ein extrem fauler Sack.
Auf die Idee hatte mich damals Joana gebracht, die schon so etwas ähnliches gemacht hatte, nur ohne Internet halt. Auf Papier mit Zeichnungen, Photos und so. Von Joana hab’ ich jetzt seit zwei Jahren nichts mehr gehört. Wie kommt das eigentlich, daß man einen Menschen, der einem so viel bedeutet plötzlich komplett aus den Augen verliert?
Jedenfalls wurde der nächste Versuch dann irgendwann im frühen Herbst 2003 gestartet, damals noch bei einem größeren Blog-Anbieter. Ziel war es zunächst einfach wieder zu schreiben. Und zwar mal wieder etwas wonach mir der Sinn stand, etwas wo ich mein Herzblut reingesteckt und vielleicht auch mit vergossen habe.
Doch ziemlich schnell wurde mir der eigene Anspruch zu viel und ich dachte mir, pfeif auf die Qualität und schreib was dir in den Sinn kommt. So ist dann das daraus geworden, was Sie heute vor sich haben.
Aus dem Experiment bei blogger.de hatte ich teilweise die bittere Erfahrung gemacht, daß nicht alles was man so schreibt, bei jedem auch gut ankommt. Teilweise nahmen die verbalen Abneigungsbekundungen von einigen der frühen Leser recht extreme Formen an, die ich hier gar nicht mehr wiederholen möchte. Lassen Sie mich nur so viel sagen: Einigen der Kommentatoren würde ich gerne nahe legen einen Sexual-Therapeuten aufzusuchen.
Aus diesem Grund habe ich auch gute 7-8 Monate darauf verzichtet bei Kommentaren in anderen Blogs meine URL anzugeben. Ich kann mit Kritik ehrlich gestanden manchmal schlecht umgehen. Überhaupt nicht gelesen zu werden ist aber dann auch nicht mehr so toll und irgendwann hab’ ich die URL dann doch mal irgendwo eingetragen. Ich weiß nicht mehr genau wo, ich glaube aber fast, es war in einem Kommentar bei der Frau Gröner oder so.
Auf die Domain screwtapes.de bin ich dann auch erst nach 4 Monaten umgezogen. Irgendwie schien mir eine eigene Domain notwendig zu sein. Damit ist dann auch der endgültige Titel entstanden. Die wirklich guten Domain-Namen waren schon vergeben und mir fiel nicht wirklich was ein. Das erste Buch das mir dann in die Hände fiel waren die “Screwtape Letters” von C.S.Lewis und damit war dann auch der Name gefunden. Absolut unspekatulär.
Ein eigenes Erscheinungsbild mußte natürlich auch noch her, was Originelles aber schlicht sollte es sein. Geklaut habe ich dann das grundsätzliche Layout bei McSweeney’s habe ich mich dann zum jetzigen Layout inspierieren lassen. Das Bild oben im Kopf stammt übrigens aus einem meiner ältesten Bücher, ein italienischer Katalog aus dem Jahr 1764. Da hatte ich das gute Gefühl, daß niemand mehr Urheberrechte daran hat. Das ist ja heute auch schon ein wirkliches Problem.
Inhaltlich wollte ich zunächst hauptsächlich ein paar selbst geschriebene Kurzgeschichten präsentieren. Wenn Sie mal die Archive durchklicken, werden Sie feststellen, daß es keine einzige bisher hierher geschafft hat. Stattdessen benutze ich diese Plattform ausgerechnet als Ventil, wenn gar nichts mehr geht. Wenn die Verzweiflung mit langen schwarzen Haaren in der Ecke steht, mich anfunkelt und brüllt: Du bist nichts wert, Du bistnur Abfall. Wenn mir die Einsamkeit die Schnapsflasche reicht. Wenn die alltägliche Absurdität auf einem Bein um mich herumhüpft.
Außerdem nutze ich es, um meinen persönlichen Kultur-Imperealismus zu betreiben, um der Welt die Dinge anzupreisen, die ich mag. Comcis, Bücher, Filme.
Womit ich dann auch bei einem Ausblick für die Zukunft wäre. Mehr als einmal habe ich in den vergangenen zwei Jahren darüber nachgedacht das hier alles abzubrechen. Manchmal, wenn die Schwarzhaarige zu laut oder zu leise wurde, habe ich mich gefragt, wozu das Ganze. Wenn mich wieder einmal eine besonders konstruktive Kritik von einem weniger geneigten Leser erreichte, dachet ich mir, das muß ich mir nicht antun.
Dann gibt es aber auch wieder die Mails, die einem wieder zeigen wozu es sich lohnt. Ein paar mal gab es schon ein Päckchen von Amazon, das war dann besonders nett, obwohl ich ein wenig ein schlechtes Gewissen habe, weil ich mich bei den Leuten nach meinem Gefühl nihct angemessen bedankt habe. Wenn man feststellt, daß man verlinkt wurde, daß man zitiert wurde. Seltsamerweise kamen gerade die Texte gut an, die mir nicht sonders wichtig waren, die Dinge in die ich tatsächlich oben zitiertes Herzblut investiert hatte wurden hingegen kaum beachtet.
Mein größtes Highlight in den vergangenen zwei Jahren war es, als bei Blogread einer meiner Texte vorgelesen wurde. Einen eigenen Text vorgelesen zu bekommen ist schon ein seltsames Gefühl. Das Dämlichste was ich vermutlich in der ganzen Zeit gemacht habe, war mein Bild an meinem letzten Geburtstag zu veröffentlichen. Hat es doch dazu geführt, daß mich in der Kölner U-Bahn jemand wieder erkannt hat. Die Begegnung verlief für mich gelinde gesagt eher irritierend. Sollten Sie mich also auch mal erkennen, dann sprechen Sie mich lieber nicht an. Das Bild habe ich trotzdem drin gelassen, wenn man Blödsinn macht, dann soll man dazu stehen.
Es wird also noch ein Weilchen weiter gehen hier. Trotz der Beschwerden ich würde das ganz persönliche Google einiger Nutzer mit meinem Müll verstopfen. Ich schreibe nicht für euch, ich schreibe in erster Linie für mich selbst. Klingt abgedroschen, ist aber so. Ich will auch niemanden nachäffen oder kopieren. Ich will hier gelegentlich einfach nur der sein, der ich sonst nicht sein kann.
Es wird hier hoffentlich bald einige optische und funktionale Veränderungen geben. Das lange angekündigte Gästebuch kommt vermutlich bald, an einem anderen Layout bastele ich auch gerade ein wenig. Was die Zeit halt so hergibt.
Inhaltlich bleibt alles beim alten und wird doch wieder komplett anders werden. Ich will noch einiges ausprobieren, bin noch auf einiges neugierig.
It’s over now, I’m cold, alone
I’m just a person on my own
Nothing means a thing to me
Nothing means a thing to me….