Archive for February, 2006

Ende der Übertragung

Ich habe diese Woche die eine oder andere Mail bekommen, mit dem Hinweis, daß meine letzten Einträge nicht sonderlich berauschend ware.n, tatsächlich weist man mich daauf hin, wie selbstmitleidig die Texte der jüngeren Zeit ware. Ein Leser, der Herr J. fühlte sich sogar bemüßigt mir persönlich mitzuteilen, daß dies der Grund dafür wäre daß er Screwtape’s abbestellt. Seien Sie mein Gast vereehrter J.

Das Schicksal scheint in jüngster Zeit tatsählich zu versuchen die Grenzen meiner emotionalen Belastbarkeit auszuloten. Da ist zum Beispiel mein kaum existentes Privatleben, daß gerade mal wieder vollends den Bach runter geht (und ja, wie jedes Desaster in meinem Privatleben hängt es auch dieses mal mit einer Frau zusammen), beruflich habe ich die negative Aufmerksamkeit von so ziemlich jedem Vorgesetzten auf mich gezogen, den ich über mir habe. Damit dürfte meine Karriere, die ich eigentlich nie angestrebt habe und nie wollte, so ziemlich hinüber sein. Schlimmer noch, wird diese Aufmerksamkeit vermutlich zur Folge haben, daß ich nur noch die Assignments bekomme, die man nur als Strafe betrachten kann. Prozessoptimierung in Ost-Sibirien? Da schicken wir Mike hin.

Ich bin darüber hinaus gerade dabei etwas aufzugeben, was mir ziemlich viel bedeutet hat (und ich meine nicht den Alkohol), was ich nicht gerne mache, wozu ich mich aber durch die derzeitigen Umstände leider gezwungen sehe. Bis hierhin wäre ich noch bei Ihnen, wenn es um das Thema wehleidiges Gejammer geht.

Doch wie bereits erwähnt scheint das Schicksal gerade zu prüfen, wieviel es noch drauf packen kann, bevor der Esel endgültig zusammenbricht. Vergangene Woche bekam ich einen Anruf von der Sorte, den man eigentlich nicht bekommen möchte. Ich hatte nie ein besonders intensives Verhältnis zu meiner Verwandschaft, ich war nie ein Familientyp, bin selten auf Feiern gegangen.

Aber einen mochte ich dennoch besonders, den Bruder meiner Mutter. Vielleicht lag es daran, daß er weiter weg wohnte und ich ihn als Kind nur 1-2 mal im Jahr gesehen habe, aber man, was haben diese Besuche bedeutet. Mein Onkel war immer gut drauf, riss Witze und wusste Geschichten zu erzählen. Er fuhr als einziger regelmäßig in Urlaub, immer weit in den Süden, auf so ferne Inseln wie Fuerteventura. Das mag aus heutiger Sicht lächerlich erscheinen, aber als Kind klang das für mich, als wäre es in Zentral-Afrika. Ich hätte mir nie träumen lassen, daß ich jemals selbst die Möglichkeit hätte an einen solchen Ort zu kommen.

Mein Onkel hatte auch eine Kamera, keine Videokamera sondern eine richtige. Bei seinen Besuchen brachte er stets einen Projektor mit und wir sahen die Filme seiner Urlaube an. Ich war so beeindruckt, wie man es als Fünfjähriger, der nichts als den Schwarzwald kennt, nur sein kann.

Vor einigen Jahren dann, als ich wieder einmal eine schwierige Phase durchmachen mußte und ich nicht wusste wohin ließ er mich bei sich wohnen. Er hat nicht dafür verlangt, ich musste mir keine Belehrungen anhören, ich habe nichts von der unausgesprochenen, unterschwelligen Forderung nach Dankbarkeit zu hören bekommen, die ich sonst kennen gelernt habe wenn mir Hilfe angeboten wurde. Aber ich war ihm dankbar.

In den letzten Jahren hatte ich nur spärlichen Kontakt mit ihm. Da war der Job, der mich ständig auf Trab hielt, meine Immobilität und die Tatsache, daß er doch ziemlich in der Provinz wohnt. Irgendeine Ausrede fand sich immer und ganz ehrlich, ich bin ein König darin für mich Entschuldigungen zu finden. Ich nahm mir ständig vor ihn wieder zu besuchen, habe es aber nie in die Tat umgesetzt.

Anfang des Jahres wollte ich ihn anrufen, es war so eine Art Tradition, immer an Neujahr anzurufen und viel Glück zu wünschen. Aus irgend einem Grund habe ich es nicht gemacht und ich habe sicher wieder eine gute Entschuldigung dafür gefunden. Aber ich nahm mir vor ihn dieses Jahr ganz sicher und ganz bestimmt zu besuchen.

Letzte Woche kam dann eben dieser besagte Anruf. Mein Onkel hatte einen Unfall. Seit zwei Wochen liegt er nun schon im Koma. Wenn er über lebt (wenn!) dann wird er bleibende Schäden zurückbehalten. Er wird vielleicht nie mehr laufen können. Ich habe daraufhin bei seiner Frau angerufen, meine Hilfe angeboten, was ziemlich dumm war. Er liegt im Koma, was um alles in der Welt sollte ich tun können um zu helfen. Ich würde gerne hinfahren, habe aber die Befürchtung, ich wäre nur im Weg. Und was mich beinahe in den Wahnsin treibt, ist der Gedanke vielleicht nie mehr mit ihm sprechen zu können.

Dies kam nun auf meine kleinen alltäglichen Dramen, die schon belastend genug waren, noch oben drauf. Alles in allem denke ich, daß ich durchaus zu Recht ein wenig angespannt bin. Um ganz ehrlich zu sein, ich bin am Rande der Verzweiflung. Aber man darf sich nichts anmerken lassen, unter der Woche muß ich die glatte Oberfläche eines top-professionellen Consultants zeigen. Keine privaten Dramen durchscheinen lassen, vor allem lass Dich niemals privat mit dem Kunden ein. Halte alles immer auf einem professionellen Niveau.

Ich habe kaum Kontakte zu meiner Familie, ich habe nicht viele Freunde und mit den wenigen, die ich habe, kann ich über diese Dinge nicht wirklich sprechen. So bleibe ich alleine damit in der Dunkelheit in der Nacht und das Einzige was ich getan habe um einen Teil des Drucks abzugeben war zu schreiben und es hier zu veröffentlichen.

Bis jetzt. Die freundliche Ankündigung von Herrn J. war für mich der Anstoß eine Schritt zu gehen, denn ich in Gedanken schon lange mit mir rumtrage. Dies wird für eine Weile mein letzter Text auf Screwtape’s sein. Dabei ist es nicht die Tatsache, daß sich einige Leser an den wehleidigen Texten stören könnten, denen kann ich nur ein beherztes “Screw you” zurufen. Ich habe niemanden dazu aufgefordert hier mitzulesen, ich habe es vor kurzem gesagt und wiederhole es jetzt noch einmal: In erster Linie habe ich hier immer für mich geschrieben, nicht um den Journalismus zu revolutionieren und nicht um bestimmten Menschen zu gefallen.

Ich wollte aber auch immer etwas wirklich Gutes schreiben, einen Text, der es vielleicht wert ist, daß er aufgehoben wird und wegen dem man sich vielleich eines Tages an mich erinnern wird. Mancher mag darin vielleicht ein arrogantes Ziel sehen, aber es war immerhin ein Ziel, daß ich hatte. Was mehr ist als machen Menschen von sich behaupten können.

Ich werde also innerhalb kurzer Zeit eine weitere Sache aufgeben, die mir viel bedeutet hat. Ich habe in den letzten zwei Jahr sehr gerne geschrieben, es hat in mir etwas geweckt, daß ich bereits verloren geglaubt hatte. Ich sehe mich aber derzeit nicht in der Lage dies weiter zu machen, also werde ich eine Pause einlegen. Ganz aufgeben kann ich es nicht, dazu bin ich demBlog-Virus doch zu sehr verfallen und ich habe auch genügend positive Erfahrungen mit Lesern gemacht.

Wei lange die Pause sein wird kann ich jetzt noch nicht sagen, vielleicht ein Wochen, vielleicht ein paar Monate, wer weiss? Das war es jetzt erst mal. Der letzte Satz.

Ende. (To be continued)

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St. Valentine’s Day massacre

Heute steht mir der Sinn danach ein paar turtelnde Täubchen zu ermorden, Blumen zu zetrampeln und die ganze Welt anzubrüllen. Seit einiger Zeit scheint die ganze Welt wahnsinnig geworden zu sein, unermüdlich werde ich seit zwei Wochen mit Werbemails und Flugblättern bombardiert, ich möge doch den Valentinstag nicht vergessen. Wie könnte ich? Ich meine ich gebe mir alle Mühe, aber Sie, wenig geschätzte Konsumindustrie, geben sich unermüdlich der Aufgabe hin bei mir nicht den Keim eines Vergessens aufkommen zu lassen.

Ist irgendwie das gleiche wie mit Halloween: Eine Importierte Amerika-Tradition bei der man uns irgendwie weiss machen will, man hätte mit der Tradition schon immer gelebt.

Was mich am Valentinstag besonders auf die Palme treibt, ist die Tatsache, daß mir als Single nahe gelegt wird, was für ein erbärmlicher Versager ich doch bin, daß ich keine habe, der ich Blumen schenken kann. Ich muß ganz ehrlich sagen, ich bin derzeit extrem empfindlich was dieses Thema anbelangt, denn ich fühle mich derzeit elendig einsam, nicht nur wegen dem Valentinstag. Zum ersten Mal seit langer Zeit wieder bin ich mit meinem Single-Status nicht sonderlich glücklich.

Mir fehlt jemand, der ich Sonntag beim Frühstück aus der Zeitung vorlesen kann, die da ist, wenn ich nachts um drei aus einem Alptraum hochschrecke, der ich noch beim Schlafen zu sehen kann wenn ich um fünf Uhr morgens bereits wieder wach bin. Eine, die mir sagt, das reicht jetzt mit dem Rotwein/Brandy/Whisky.

Ich weiß, da liegt viel an mir, ich bin nicht unbedingt der Typ, der in einer Beziehung der umgänglichste Typ ist. Ich weigere mich aber die alleinige Schuld für das Scheitern meiner zwischenmenschlichen Kontakte auf meine Schultern zu nehmen. Daher zur Feier des Tages das gesammelte amouröse Versagen des Mike S. der vergangenen Jahre.

I.
I. war so ungefähr die letzte richtige Beziehung die ich hatte (Insider an eine alten Freund: Hi Chris, ich weiß was Du von ihr gehalten hast, aber ich habe sie geliebt. Wirklich.)

I. ist dann irgendwann in eine andere Stadt gezogen, Praktikum und so. Aber das hält ja zwei Liebende bekanntlich nicht auf oder? Da sich I. kein Auto leisten konnte und ich als Student in Saus und Braus lebte habe ich es auf mich genommen jeden Freitag zu ihr zu fahren, gute 200km. Parallel dazu hatte ich versucht meine Diplomarbeit zu schreiben, mein Studium zu Ende zu bringen, einen Nebenjob zu erfüllen und mich um etwas zu kümmern, das ich jetzt hier lieber nicht aufführen möchte, da es dann doch zu privat ist.

Das Ende war, daß I. irgendwann keinen Bock mehr hatte, daß ich ständig schlecht drauf und abgehetzt war und sie irgendwann meinte, sie müsse sich selbst neu orientieren. Das war es, danke für den Fisch, ein gutes Leben noch, Lass uns Freunde bleiben und ruf mich bloß nicht an. Das war zwei Wochen bevor ich meine Diplomarbeit präsentieren sollte, die zu dieser Zeit noch in einer, nennen wir es Rohafassung war.

Ich habe mich zwei Wochen lang mit allem was greifbar war dermaßen zugeknallt, daß ich eines Nachts in das Zimmer meines WG-Mitbewohners marschiert bin und dessen Palme entwurzelt habe. Der hat mich dann auch wieder ein wenig auf die Spur gebracht, in gewisser Weise verdanke ich ihm mein Diplom.

I. war dann auch der Grund für mich nach Köln zu ziehen. Genauer gesagt aus der alten Heimat wegzuziehen, daß es dann Köln wurde war tatsächlich nur Zufall. Nachdem ich erkannt habe daß es da nichts mehr zu machen gibt habe ich das getan, was ich am besten kann: Ich bin weg gelaufen.

C.
C. habe ich knapp zwei Jahre nach I. kennen gelernt. Ich befand mich gerade wieder in einer knapp desaströsen Phase meines Lebens: Der Job, den ich in Köln hatte, hatte sich gerade in Luft aufgelöst, die alleinerziehende Mutter, bei der ich gerade zur Untermiete wohnte, wollte mich raushaben, kurzum, ich hatte die besten Vorraussetzungen um eine neue Beziehung zu beginnen.

Eigentlich habe ich nur jemanden gesucht, der mit mir auf ein Konzert in Oberhausen geht und sich an den Spritkosten beteiligte, völlig unscheinbar. Auf meine Anzeige in einem Forum hat sich dann C. gemeldet und wir haben festgestellt, daß wir mehr gemeinsam hatten, als nur ein gemeinsames Interesse an einer Künstlerin (noch mehr hat uns allerdings getrennt, das sollte ich aber erst später erfahren).

Wir haben uns dann mal so getroffen und nach unserem ersten gemeinsamen Kino-Besuch hat sich C. so sehr gefreut, daß sie erstmal eine Packung Schlaftabletten geschlcukt hat und für zwei Wochen in eine geschlossene Psychatrie kam. Danach war sie noch eine Weile dort, ich habe versucht ihr beizustehen, ihr irgendwie zu helfen. Aber ich konnte mir selbst kaum helfen, wie sollte ich da für sie da sein und vielleicht sogar Verantwortung für sie übernehmen können.

Zu Erkennen, daß es mit C. nicht funktionieren kann, war so mit eine der schwerste Erfahrungen, die ich jemals machen mußte.

HabIchVergessen
Es ist mir ziemlich peinlich, aber den Namen, der junge Dame, von der ich nun berichten werde habe ich leider vergessen. Also werde ich sie nur als HabIchVergessen bezeichnen.

HabIchVergessen war wieder so ein Fall, wo man eigentlich mit sich und der Welt im Großen und Ganzen im Reinen ist. Man ist nicht wirklich glücklich, nicht wirklich unglücklich.

Dann sitzt man plötzlich an einem Sommer-Sonntag im Stadtgarten und denkt sich nichts wirklich Böses. Man kaut ein wenig Obst, liegt im Gras und liest Zeitung. Und plötzlich steht HabIchVergessen neben einem und will wissen, ob sie sich dazu setzen kann.

Sicher, sage ich, der Stadtgarten gehört ja allen irgendwie (beschissener Start, ich weiss, ich bin so etwas waber nicht gewohnt) und bin ein wenig irritiert, den bisher hatte mich noch nie eine Frau angesprochen. Bisher mußte ich immer die ganze Arbeit machen, um mir dann doch nur eine Korb zu holen.

HabIchVergessen studierte noch, Sozialpädagogik (keine gehässigen Kommentare) und war im weitest gehend sehr empfindsam. Dazu war sie noch sehr spontan, so rief sie mich gelegentlich an, ob man nicht heute Abend was unternehmen wollte, in einer Stunde oder so.

Nun habe ich ja schon gelegentlich angedeutet, daß mein Job es mit sich bringt, daß ich häufiger unterwegs bin. Eigentlich bin ich von Montag bis Freitag unterwegs, so daß mich die Anrufe von HabIchVergessen immer dann erreichten, wenn ich gerade Minimum 200 km entfernt war. Was die Möglichkeiten einer gemeinsamen Unternehmung eher einschränkte.

Doch hatte HabIchVergessen Verständnis? Nein, statt dessen unterstellte sie mir Interessenlosigkeit und Betrügereien, und das alles in den ersten vier Wochen nach der Begegnung im Stadtpark. Ich musste erkennen, daß hier keine verständnisvolle Zukunft auf mich wartete und zum ersten mal habe ich meinen Job nicht nur nicht gemocht sondern richtig gehend gehasst.

K.
K. war die bisher letzte Episode (mein derzeitiges Desaster nicht mitgezählt) der bisherigen Dramen. K. habe ich in einer ähnlich Verzweiflung kennen gelernt, wie sie mich jetzt gerade wieder überkommt. Ich hatte zum ersten und bisher einzigen Mal in meinem Leben einen Kontaktversuch über ein Dating-Portal unternommen und K. war eine von drei Antworten.

Die anderen beiden hatten sich recht schnell erledigt, mit K. war ich dann einmal im Museum Ludwig, dann waren wir Essen, dann waren wir immer häufiger miteinander aus. Schließlich planten wir bereits einen gemeinsamen Urlaub, nichts Besonderes, lediglich einen Kurztrip.

Vorher hatte sie noch Geburtstag und sie hatte sich eine Sachertorte gewünscht. Nun ist es so, daß ich einer Beziehung alles mache, um die Dame des Herzens glücklich zu machen. Wirklich alles. Und so bin ich am Tag der Feier durch mindestens 150 Konditoreien in Köln gezogen (gefühlte Anzahl) um eine Sachertorte zu bekommen. Vergeblich. Ich weiß, ich hätte eine vorbestellen können, das nützt mir aber nichts, wenn Sie mir das erst hinterher sagen.

Ich bin dann also ohne Torte nur mit Buch, Wein und Blumen auf der Feier aufgetaucht. Es war ein Samstag, nachdem ich bereits eine freudvolle Woche in einem billigen Hotel verbracht hatte.

Und auf dieser Feier hielt sie sich verdächtig dicht bei einem Typen auf, hielt Händchen mit ihm und war auch sonst sehr vertraut mit ihm. Irgendwann war mir das Ganze dann zu blöde, ich habe mich unter dem Vorwand von Kopfschmerzen verabschiedet.

An der Tür holte sie mich dann ein und wollte mir noch erklären wie es dazu kam: Sein Name wäre F. und sie hätte ihn vor ein zwei Wochen erst kennen gelernt und es hätte sich einfach so ergeben und ich wäre ja nie da gewesen (der Job! der Job!) und es täte ihr leid und ich solle nicht böse sein und sie wolle, daß wir Freunde bleiben und so weiter und so weiter. Sie brechen Dir das Herz und im Anschluß möchten sie daß du ihnen noch Absolution erteilst, damit sie sich weiterhin als gute Menschen fühlen können.

Und was mache ich? Sage ich sie soll sich zum Teufel scheren, ich hoffe, daß ihr F. das Leben zur Hölle macht? Nein, ich sage einfach nur: Ist schon Ordnung, mach Dir keine Gedanken. Und ich mache das, was ich am besten kann. Ich laufe davon. (Kleine Genugtuung: F. hat sie nach drei Monaten sitzen gelassen).

Falls es nun noch jemanden interessieren mag, in der Aufführung fehlen lediglich zwei weitere Kandidatinen um die Liste meines Scheiterns zu komplettieren. Die waren aber bei weitem weniger spektakuläre, so daß ich auf deren Erwähnung verzichten kann. Eine besondere Erwähung findet vielleicht noch S. Sie war meine große Liebe im Kindergarten. S. hat Sandkuchen gebacken und ich hab sie gegessen, was auf großes Unversändnis unserer Umwelt stieß.

Eines Tages zogen die Eltern von S. einfach weg udn das war es dann. Keine Nachricht mehr, kein Anruf, kein Brief. Dabei war es nach meiner Ansicht unerheblich daß sie damals nicht schreiben und ich nicht lesen konnte.

Sie mögen es mir also verzeihen, wenn ich für den Tag, an dem uns Blumen- und Schokoladehändler und mittlerweile sogar mein Optiker nahe legen die Liebe zu feiern, nichts als Zynismus und Verachtung übrig habe.

Nun mag da eine Stimme aus der dritten Reihe ertönen, die da ruft, Herr Screwtape, sie haben sich doch sicher auch mal äußerst unsensibel verhalten. Und da haben sie Recht junger Freund. Jedesmal wenn mir jemand wirklich etwas bedeutet, dann versaue ich es, aber nicht nur ein bischen.

Nein, ich haue voll rein. Big Time, Full Strike, das ganz große Versagen. Aber ich hätte nie zu einer die mir eine Freude machen wollte gesagt, ich würde keine “ermordeten” Blumen mögen und sie mit einem Strauß Rosen im Regen stehen lassen. Denn das sind die Dinge, die auf ewig Narben hinterlassen.

Deshalb sitze ich am Abend vor Valentin in einem schäbigen Hotel, trinke billigen Rotwein aus der Flasche um besser einschlafen zu können und hacke meinen Frust in das Notebook hinein, während die, die mir wirklich etwas bedeuten und bedeutet haben sonstwo sind. Sie erwarten morgen Blumen, sind verheiratet und haben Kinder. Manche kümmert es nicht, andere haben eine Therapie hinter sich und sind froh ihr Leben meistern zu können. Mehr als ich von mir behaupten kann.

Und ich, ich bin immer noch allein. Viele meiner männlichen Bekannten geben mir “hilfreiche” Tipps: Jetzt ist doch bald Karneval, nutz das doch aus (*sigh*), Versuch doch mal was über Dein Blog. Darauf hätte ich mal kommen sollen, als mich die “Zeit” noch verlinkt hat und ich noch 600 Visits pro Tag hatte. Also gut:

Chronischer Hypochonder (31) sucht freundliche und geduldige Sie (gerne Ärztin), zwecks gemeinsamer Freizeitgestaltung. Genügend Neurosen für zwei vorhanden, interessierte Zuschriften bitte unter www.screwtapes.de hinterlassen.

Jetzt kann wenigstens niemand mehr sagen, ich hätte es nicht versucht.

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Danksagung

Über die letzten Wochen habe ich einige Mails erhalten und ich hab’ keiner einzigen geantwortet. Teils aus zeitlichem Mangel, teils weil mir derzeit der emotionale Halt für eine direkte Kommunikation mit individuellen Menschen.

Es waren Glückwünsche zum 2-Jährigen und ein wenig Lobhudelei (das ist nicht so abschätzig gemeint, wie es klingen mag. Ich kann derzeit Lobhudeln gebrauchen, immer her damit).

Normalerweise finde ich es extrem unhöflich nicht auf eine E-Mail zu antworten, eigentlich gebe ich mir Mühe das bei jedem zu machen, der mir schreibt und die Menge ist derzeit noch überschaubar. Diesmal geht’s trotzdem nicht.

Zum Teil sind einige Mails schon so alt, daß es mir peinlich wäre jetzt noch darauf zu antworten. Zum anderen ist da wie gesagt, meine derzeitige Verfassung, die leider nicht die allerbeste ist. Und durch das Nicht-Antworten hat sich soviel angesammelt, daß ich es einfach zeitlich nicht schaffe angemessen zu antworten.

Das neue Jahr war in seinem ersten Monat nicht sehr freundlich zu mir und wie es scheint macht es keine Anstalten dies in naher Zukunft zu ändern. Um ehrlich zu sein, ich habe Angst davor.

Erwarten Sie in naher Zukunft also nicht all zu viel von mir.

Daher zusammenfassend ein herzliches Dankeschön an alle, die mir in den letzten Wochen geschrieben haben, an die Stammleser und die neu hinzugekommenen.

Und ein individueller Hinweis an einen jungen Ossi (Selbstbeschreibung, nicht wertend gemeint): Vertrödeln Sie nicht die Zeit mit dem Blödsinn hier wenn Sie am nächsten Tag Schule haben. Sie haben die Zukunft noch vor sich, Sie können da alles draus machen.

Lied des Tages, für einen anderen Leser (und weil vergangene Woche die Johnny-Cash-Bio “Walk the Line” in Deutschland anlief):

Virgil Caine is the name, and I served on the Danville train,
‘Til Stoneman’s cavalry came and tore up the tracks again.
In the winter of ’65, We were hungry, just barely alive.
By May the tenth, Richmond had fell, it’s a time I remember, oh so well…

(wurde nur gecovered von Mr. Cash, ebenso wie die bekanntere Version von Joan Baez, das Original ist von jemand anderem. Fragen Sie Google)

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Idiot!

Heute hat mich am Bahnhof jemand angesprochen, auf Englisch. Schütteres, angegrautes Haar, Brille, alles in allem nicht gerade der Typ vor dem man nun schreiend davon laufen wollte oder dem man am gerne ein paar in die Fresse dreschen würde, wie zum Beispiel dem kleinen Neonazi der mich letzte Woche angesprochen hatte.

Ihm würde Geld fehlen für ein Ticket, er wolle Freunde besuchen, und 40 Euro hätte er aber es würden ihm noch fünf fehlen. Zum Beweis zeigt er mri die Scheine und ein paar britische 50-Pence Münzen.

Haha, alter Falter! Wer ist denn so dämlich auf so etwas rein zu fallen? Ich natürlich! Kein Problem, sage ich (also auf Englisch: No Problem) und öffnen meine Geldbörse um ihm flugs einen Fünf-Euro-Schein in die Hand zu drücken.

Im weg gehen freu ich mich ein wenig und denke mir, hoffentlich gibt mir auch mal jemand Fünf Euro wenn ich dann alleine und ohne Geld auf einem fremden Bahnhof stehe. Bis es mir kurz darauf durch den Kopf schießt: Du dämlicher Idiot! Der hat dich abgezockt!

Fünf Euro, das waren mal 10 Mark. Ich meine, ich nage jetzt nicht gerade ma Hungertuch, aber ich hab es eigentlich auch nicht so, daß ich 10 Mark einfach so verschenken kann.

“God bless you!” hat er mir zum Abschied noch hinterher gerufen. Das will ich aber auch hoffen!

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