Archive for July, 2006

Until I’m Fine

Cracked this morning worst and weak
Tears roll down from inside my cheek
Strange timing Oppurtunity knocks
Sun comes up, paradox

Don’t ask me if I’m hungry
I’m not sick
Somethings tearing me up
Brick by brick

And I feel guilty as I sigh
I’m feeling guilty
Why do I?

Take your hands out of mine
Take a rope and tie these thoughts of mine down
Until I’m fine

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Mein Onkel

Zunächst meinen herzlichen Dank an all diejenigen, die mir zu meiner Rückkehr geschrieben haben.

Ich habe nicht alles erzählt was mir in den letzten Wochen und Monaten passiert ist und was ich erlebt habe. Einiges davon ist so persönlich, daß ich es nicht einmal hier erzählen mag.

Eine Sache muß ich aber dennoch erzählen, ich denke ich bin es dem einen oder der anderen schuldig, der/die mir zu Beginn meiner Pause eine sehr persönliche Mail geschrieben haben.

Mein Onkel hatte im Februar diesen Jahres einen Unfall. Auf dem Weg zur Arbeit wurde er von einem LKW erfasst, der auf glatter Fahrbahn ins Schleudern kam, und überfahren. Der Fahrer hat sich anschließend aus dem Staub gemacht.

Mein Onkel war zu Fuß unterwegs , er hatte Zeit seines Lebens nie einen Führerschein. Vermutlich habe ich meine Abneigung gegen das Führen von Kraftfahrzeugen aus dieser Ecke der Familie geerbt.

Nicht daß er zu dumm gewesen wäre die Prüfung zu bestehen, er hat es einfach nicht als notwendig angesehen eine Führerschein zu besitzen. Seine Frau besaß ja einen und ohne die ging er sowieso fast nirgends hin.

Außer zur Arbeit, wie an diesem Morgen Anfang Februar. Er war beinahe schon beim Bahnhof als es passierte. Ein paar Minuten früher oder später und der LKW wäre in der Kurve einfach so über den Bürgersteig geschlittert. Wieder so ein Was-wäre-wenn-Ereignis. Es ist müßig darüber nachzudenken, aber es geht einem dennoch nicht aus dem Kopf.

Knapp sechs Wochen lag er in einem künstlichen Koma. Keiner konnte sagen ob er wieder aufwacht und wie er dann sein wird. Er hatte mehrere gebrochene Knochen, innere Blutungen und schwere Kopfverletzungen. Ich habe täglich auf den Anruf gewartet, der mir mitteilt, daß es zu Ende ist. Es war das gleiche unerträgliche Warten wie damals bei meiner Mutter und wie damals habe ich mit dem gleichen Ergebnis gerechnet.

Es kam anders. Kurz bevor ich zu meiner Reise aufbrach kam der Anruf, daß er wieder aufgeweckt werden konnte. Ich kann nicht beschreiben wie groß das Gewicht war, das mit diesem Anruf von mir abfiel.

Nach meiner Rückkehr habe ich ihn dann endlich besucht, da war er bereits wieder knapp zwei Wochen zu Hause. Ihn zu sehen war schlimm aber nicht so schlimm wie ich erwartet hatte.

Mein Onkel war immer sehr schlank aber nun war er eigentlich nur noch ein lebendes Gerippe, das sich auf seine Krücken stützte. Filme sind ja nie besonders realistisch wie unrealistisch es aber ist, daß jemand über Jahre im Koma liegt, danach aufsteht, und unter akrobatischen Höchstleistungen aus dem Krankenhaus türmt hat mir das Bild meines Onkels klar gemacht.

An einem Fuß mußten ihm sämtliche Zehen abgenommen werden, mit gespieltem Stolz erklärte er, daß er dafür nicht einmal einen Berg besteigen mußte. Er ist schwer zu verstehen, wenn er spricht. Er muß teilweise wieder sprechen lernen, zwei mal die Woche geht er nun zu einem Logopäden. Ansonsten die übliche Reha, Muskelaufbau, Krankengymnastik das gesamte Programm eben.

Neben diesen ganzen physischen Schäden hat auch sein Erinnerungsvermögen gelitten. An den Unfall selbst kann er sich überhaupt nicht erinnern, was den Prozess gegen den LKW-Fahrer sehr schwierig macht.

Sein Kurzzeitgedächtnis bereitet ihm ebenfalls Probleme. Er kann mir Dinge erzählen, die passiert sind als ich ihn als Kind besucht habe. Doch wenn man ihn auf etwas anspricht, was man kurz zuvor besprochen hatte, kann es vorkommen daß er sich nicht erinnert. Ein wenig wie in dem Film “Memento” nur ohne Tattoos. Die Ärzte meinen zwar, daß sich das mit einer Therapie wieder beheben ließe, das macht es aber nicht weniger unheimlich.

Bei all dieser Veränderung in seinem Erscheinungsbild fand ich es aber um so erstaunlicher, daß sich seine Augen nicht verändert haben. Sie wirkten müde, aber immer noch so jungenhaft, wie ich sie aus meiner Kindheit kannte. Sie passen irgendwie nicht zu dem abgemagerten Mann mit den Krücken.

Als ich im Februar zum ersten mal von seinem Unfall geschrieben hatte, erhielt ich einige Mails, in denen man mir vorwarf ich hätte mir die Geschichte ausgedacht, ich würde sie erzählen um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich kann hier nicht beweisen, daß sie wahr ist und ich habe auch keine Lust dazu. Ich kann nur erklären daß dies alles tatsächlich passiert ist und daß es viel zu makaber ist sich so etwas auszudenken.

Mit allem was meinem Onkel passiert ist scheinen andere Dinge an Bedeutung zu verlieren, was andere davon halten ist mir egal.

Meine eigene Krankheit, bei der ich immer noch Schwierigkeiten habe sie als eine solche zu akzeptieren, scheint mir im Vergleich dazu wie ein verstauchter Knöchel und wenn ich darüber nachdenke bekomme ich ein schlechtes Gewissen.

Ich kann nicht behaupten besonders gläubig zu sein, tatsächlich habe ich andere Leute, die über einen festen Glauben verfügen immer beneidet. Ich weiß nicht ob es einen Gott gibt, ich wünsche es mir, aber ich kann leider nicht wirklich aus Überzeugung glauben.

Aber als ich meinen Onkel wieder gesehen habe war ich davon überzeugt, daß es Wunder geben kann.

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Eine Woche, zwei Wochen, vielleicht einen Monat. So hatte ich mir das eigentlich vorgestellt. Es dauerte länger, viel länger.

Ich habe mich ein wenig zurückgezogen, habe einen Ozean über- und eine Wüste durchquert und das nicht symbolisch, sondern im wörtlichen Sinne. Obwohl ich gestehen muß, daß ich dazu Flugzeug und Auto missbraucht habe. Dramatischer wäre es natürlich mit selbstgebautem Floß und zu Fuß gewesen, aber heute nimmt man halt, was man so kriegen kann. Außerdem blieben mir dazu nur knappe zwei Wochen.

In der Wüste kam mir der Gedanke, vielleicht da zu bleiben. Es ist friedlich dort und ruhig. Ich könnte eine kleine Hütte zu bauen, aus Autowracks, die am Straßenrand von ihren Besitzern zurück gelassen wurden. Ich wäre alleine, auf niemanden angewiesen, von niemandem abhängig. Niemand da, den ich verletzen könnte. Niemand da, der mich verletzt. Ich bin weiter gefahren auf der Straße, die sich wie ein sauberer, glatter Schnitt durch die trockene Haut der Wüste zog.

Ich habe einen großen Schritt gemacht, als ich aus der Wüste zurück kam, den größten in mehr als 15 Jahren. Ich habe Hilfe angenommen. Es kann sehr schwer sein Hilfe anzunehmen. Ich mag das Gefühl nicht, von jemandem abhängig zu sein. Vielleicht hätte ich in der Wüste bleiben sollen?

Nun bin ich wieder hier und ich werde wieder schreiben. Einige Zeit nachdem ich meine Pause begann erhielt ich eine E-Mail von einer Leserin, die der Hoffnung Ausdruck gab, ich würde die Auszeit nutzen um endlich etwas “Richtiges” zu schreiben. Ich muß gestehen, daß ich nie den Eindruck hatte hier etwas falsches zu schreiben.

Natürlich arbeite ich wieder jeder halbwegs ambitionierte Blogger an meinem ersten Roman und daß schon seit mehr als 10 Jahren. Doch das hier, das Schreiben auf einer Webseite, das bin wirklich ich. Man hat mir geschrieben, dies hier wirke künstlich und konstruiert. Da kann ich nichts machen.

Natürlich drücke ich mich beim Schreiben anders aus als beim Sprechen. Ich kann einen Satz nochmals korrigieren, nachdem er geschrieben ist, beim Sprechen kommt er einfach raus und ist draußen. Den kann man dann nicht mehr zurücknehmen. Dennoch bin und bleibe ich beim Schreiben immer noch ich und was hier steht sind meine Gedanken, auch wenn sie seltsam klingen.

Ich schreibe hier nicht um ein Publikum zu befriedigen, ich schreibe nicht um den Weltfrieden herbei zu führen, die Gesellschaft zu verändern und schon gar nicht um den Journalismus neu zu definieren. Natürlich ist jedes Feedback schön und freut mich. Aber ich fische hier nicht nach Komplimenten, ich erwarte von niemandem hier mitzulesen.

Ich schreibe, weil ich manchmal einfach nicht alles in mir behalten kann, weil es raus muß, weil ich sonst fürchte mein Kopf explodiert. Ich schreibe um nicht zu vergessen, ich schreibe weil ich manches nicht vergessen kann.

Ich schreibe wieder.

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