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Archive for August, 2006

Schlechter Einfluß

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Superman Returns

Dieser Film ist ein ganz großes Ärgernis. Zugegeben, Superman war nach meiner Ansicht schon immer der eindimensionalste aller Superhelden und bietet als Charakter wenig Möglichkeiten zur Ambivalenz.

Der Inhalt ist kurz zusammengefasst: Lex Luthor ist böse und will die Weltherrschaft, Superman ist gut und will eigentlich nur die Liebe von Lois Lane. Am Ende bekommt keiner was er will, die Welt wird gerettet, es gibt nur so ein halbes Happy End, den mit einem richtigen würde man sich ja die Chance auf jedes Sequel verpatzen. Außerdem bekommen echte Helden nie ein volles Happy End, sonst wären sie nämlich keine. Meine Entschuldigung an alle, denen ich jetzt schon die gesamte Story verraten habe.

Aber muß man deshalb einen Film machen in dem über 2 1/2 Stunden nichts interesanteres passiert als das Superman ein abstürzendes Flugzeug auffängt? Muß man weil dies die einzig gute Szene des ganzen Films ist diese dann noch einmal in mehreren Varianten (Superman fängt einen herabstürzenden, riesigen Globus auf, Superman hebt eine künstliche Insel aus dem Meer) wiederholen?

Dazu hat man es geschafft die Hauptrolle mit einem Darsteller (Brandon Routh) zu besetzen, neben dem Bernd das Brot wie der junge Al Pacino wirkt. Richtig ärgerlich ist aber Kevin Spacey, von dem man ja eigentlich gewohnt ist, daß er ein großartiger Schauspieler ist. Hier läuft er mit einer Mimik durch die Kulissen, als ob er es nicht abwarten könnte, daß endlich Feierabend ist.

Enttäuschend auch Regie und Drehbuch von Bryan Singer, der mit den ersten beiden X-Men Verfilmungen eigentlcih bewiesen hatte, daß aus Comics durchaus unterhaltsame Filme machen kann. Aber Kopf hoch Mr. Singer. Wir haben Tim Burton seinen “Planet of the Apes” verziehen, wir drücken mal ein Auge zu und lassen Ihnen den “Superman Returns” durchgehen.

Es sollte Sie aber nachdenklich stimmen, daß man sich am Ende Ihres Films wünscht, Ang Lee hätte eine Fortsetzung zu “Hulk” gedreht.

Nachtrag: Wer aber dennoch unbedingt den Helden im blauen Strampler sehen will, der kann dies auch günstiger haben und sich die alten Superman Trickfilme von Max Fleischer kostenlos bei www.archive.org holen.

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Mein erstes Mal

Am vergangenen Freitag war es dann soweit, ich habe es getan. Zum ersten mal. Ich wurde freundlich gefragt und obwohl es mir unangenehm war und ich eigentlich überhaupt keine Lust hatte, habe ich mich dann doch dazu durchgerungen. Rückblickend war es nicht ganz so schlimm, wie ich ursprünglich befürchtet hatte.

Ich war Trauzeuge. Bei der Hochzeit meiner kleinen Schwester. Besondere Betonung auf “kleine” Schwester. Gut, man hat es kommen sehen. Über all die Jahre hinweg immer mit dem gleichen Typen zusammen, ich denke eine Hochzeit hat sich angekündigt bzw. war nicht mehr zu vermeiden.

Aber es passt ja auch. Unter all dem Zynismus der sich in mir innerlich aufgestaut hatte war im Kern dann doch nur Neid. Darauf daß sie etwas geschafft hat, was mir unmöglich, unerreichbar erscheint. Es kamen natürlich die üblichen Fragender Verwandschaft, wann es denn bei mir jetzt soweit wäre, ob ich denn jetzt eine Freundin hätte, würde doch auch langsam Zeit werden, in meinem Alter wäre man selbst ja schon 10 Jahre verheiratet gewesen und so.

Einige Teile der Verwandschaft sind sicherlich bereits zum Schluß gekommen, daß ich “anders” bin. Mit “anders” ist hier schwul gemeint, was unter meiner verklemmten Schwarzwälder Verwandschaft aber so nie ausgesprochen würde. Nur fürs Protokoll: Ich bin es nicht. Manchmal denke ich leider. Ich habe ein paar schwule Freunde, sogar ein paar recht niedliche darunter. Aber irgendwie finde ich sie dann doch wieder nicht so niedlich, daß ich sie so sehen könnte wie ich manche Frauen sehe.

Wahrheitsgemäß habe ich kundgetan, daß ich mir unter Umständen, vielleicht mal eine Hochzeit vorstellen könnte, wenn ich eine Frau finde, mit der ich mindestens soviele Wochen zusammen war, wie meine Schwester mit ihrem Freund an Jahren zusammen war. Als sich diese Analogie dann durch die äußere Hirnrinde fraß und im Zentrum dann auf Verständnis stieß gab es ein leicht irritiertes Lachen, eines von der Art, bei der sich der Lachende nicht ganz sicher ist, ob das jetzt ein Witz war.

Ich denke es ist ganz gut so, der Typ Frau, der mir zusagt findet bei meiner Verwandschaft eher weniger Anklang.

Mir wurde erneut bewusst, wie fremd mir die alte Heimat mittlerweile ist und ich fürchte das ändert sich auch nicht mehr. Was bedeutet dieses Wort “Heimat” überhaupt. Ich glaube, ich habe es vergessen, aber irgendwie habe ich das Gefühl, daß ich so etwas wieder haben will.

Passend zur frisch aufgewärmten Lebenskrise habe ich dann am Freitag auch gleich das erste graue Haar an mit entdeckt. Sinnigerweise im Bart, das Schicksal ist sich doch nie für eine Ironie zu schade.

Dieses vergangene Wochenende habe ich ganz deutlich gespürt, wie die Zeit über meine Haut streicht.

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No drinks for me

Seit mittlerweile knapp 6 Monaten habe ich keinen Alkohol mehr getrunken. Das ist vermutlich die längste Zeitspanne von der ich das behaupten kann seit ich 16 Jahre alt war.

Zugegeben es geschah nicht ganz freiwillig. Ich nehme seit geraumer Zeit Medikamente, die sich nicht mit Alkohol vertragen. Da fällt es einem leichter auf den Alkohol zu verzichten.

Es ist jetzt nicht so, daß ich Alkoholiker gewesen wäre. Ich bin ganz gut ohne zurecht gekommen, ohne daß die Hände angefangen hätten zu zittern. Aber wenn ich meinem Arzt glauben darf, dann waren meien Leberwerte schon ein wenig über dem Schnitt.

Was das Ganze schwierig gestaltete war eher die geistige Gewöhnung. Irgendwie hatte ich mich an bestimmte Rituale gewöhnt, zu denen Alkohol einfach dazu gehörte. Sonntag Abend, auf dem Sofa fläzen, ein Buch lesen, dazu ein Glas Whisky. Gutes Essen kochen, dazu ein Glas (ich geb’s zu: eine Flasche) Rotwein.

Wie schwer es ist ohne Alkohol auszukommen zeigt sich vor allem wenn man ausgeht. Eine Cocktailbar ist nicht wirklich die beste Wahl um eine Abstinenz zu beginnen. Aber selbst in einfachen Restaurants fällt es einem schwer keinen Alkohol zu trinken. So etwas fällt einem erst auf, wenn man es mal versucht. Die Auswahl an alkoholfreien Getränken (mal abgesehen von Tee oder Kaffee) ist oftmals auf Cola, Fanta, Apfelsaft und Wasser beschränkt.

Und da ich die ersten beiden nicht mag gab es in der Vergangenheit sehr viel Wasser für mich. Anstatt daß es ihnen dann peinlich wäre so eine geringe Auswahl zu haben wird man von der Servicekräften des Gastronomiebetriebes oftmals noch mit kalter Verächtlichkeit gestraft, weil sie automatisch davon ausgehen es mit einem Geizkragen zu tun zu haben.

Die Höhe meines Alkoholkonsums konnte ich inzwischen an meinem Geldbeutel feststellen. Seit ich auf kalten Früchtetee und Bionade umgestiegen bin habe ich knapp 150-200 Euro im Monat übrig. Was ich sinnvoll gleich wieder in Bücher, Comics und DVDs investiere.

Seit einigen Wochen hat mir mein Arzt wieder erlaubt Alkohol in Maßen zu trinken. Ein bis zwei Gläser Wein pro Woche gingen schon meinte er. Für zwei Gläser Wein pro Woche mache ich doch keine Flasche auf hab’ ich da gesagt. Das ist dann ihre Sache sagte der Arzt. Die Medikamente nehme ich immer noch, der Grund warum ich jetzt wieder ein wenig trinken dürfte war eine unerwartete Normalisierung der Leberwerte.

Ich habe dennoch seither nichts getrunken. Diese letzten Wochen waren um so wertvoller, da ich wusste, ich darf, ich könnte, habe aber freiwillig verzichtet. Gibt einem ein besseres Gefühl.

Die ganze Geschichte hat mir doch ein wenig vor Augen geführt wie sehr mein Leben, unsere Gesellschaft sich doch an den Alkohol gewöhnt hat. Versuchen Sie mal einen Monat ohne Alkohol auszukommen aber Ihr normales Leben weiter zu leben, mit Freunden ausgehen, Fußball schauen, all die kleinen Gewohnheiten. Sie werden sehen was ich meine.

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