Dear Steve Jobs,
ich muss gestehen, ich verstehe Apple dieser Tage nicht mehr. Musste ich doch diese Woche lesen, daß Ihre Firma die alleinige Verwendung des Begriffes “Pod” für sich beanspruchen will und daß die Anwälte schon los gelaufen sind.
Zuerst werden Blogger verklagt, weil sie mit ihren Vermutungen ins Schwarze getroffen hatten und Sie vermutet haben, sie würden Insider Infos erhalten und jetzt das. Sie glauben, daß zukünftig jeder, der den Begriff Pod in irgendeiner Verbindung verwenden will von dem Erfolg Ihres iPod profitieren will. Meines Wissens wurde der Begriff aber schon anno 99 in dem Film eXistenZ verwendet. Und wenn ich noch weiter graben würde, dann denke ich, daß ich in einschlägiger Literatur noch auf mehr Beispiele stoßen würde.
Apple war immer eine großartige, kreative Firma, die die kleinen Dinge gesehen habe, die den anderen entgangen sind. Worin nun aber die kreative Leistung bestehen soll, vor einen existierenden Begriff noch ein i zu setzen, das entgeht mir vollkommen. Apple war immer eine Firma, die auf Grund ihres Auftretens einfach “cool” war. Das ist aber einfach nicht cool.
Tatsächlich ist Apple in den letzten Jahren immer uncooler geworden. Apple war nicht nur kreativ, sondern hat auch viele Menschen zur Kreativität beflügelt. Nun muß ich mir überlegen, ob ich vielleicht beim Ausleben meiner Kreativität die Markenrechte von Apple verletze.
Der iTunes Store ist ein geschlossenes System, das Wort propriäter kommt einen in den Sinn. Apple ermöglichst es anderen Anbietern, wie z.B. Napster oder Musicload derzeit nicht ihr Angebot für den iPod zur Verfügung zu stellen. Daß diese Shops ein DRM verwenden, das nicht kompatibel ist zum iPod ist nämlich nicht ihre Entscheidung sondern ein äußerer Zwang durch die Labels (andere traurige Geschichte), die ein DRM verlangen, welches “sicher” ist und Microsoft hier leider die einzige Alternative zu Apple darstellt.
Apple schafft sich ein künstliches Monopol und versucht anscheinend hier die Marktbedingungen alleine zu kontrollieren. Und zur Erinnerung, dies ist das, wofür wir Microsoft immer gehasst haben und wir haben Apple geliebt, weil es genau das nicht getan hat.
Geschätzter Mr. Jobs, ich habe immer bewundert, wie Sie mit Technologie umgegangen sind und über welche Innovations- und Imaginatiosnkraft Sie verfügen. Ich bin nun schon über lange Jahre ein treuer Apple-User, habe mir einen der ersten iPods gekauft, die jemals in Deutschland zu haben waren und erst vor zwei Monaten habe ich mir ein nagelneues Macbook zugelegt. Das Großartige an einem Mac war und ist immer noch, daß man total vergisst, daß man gerade einen Computer benutzt. Es ist irgendwie wie Fahrad fahren.
Doch solche Aktionen wie in dieser Woche trüben die Freude doch erheblich. Ich benutze meinen Mac immer noch gerne, doch mittlerweile habe ich ein schales Gefühl dabei im Mund. Es ist irgendwie, wie Bananen beim Discounter zu kaufen. Sie sind billig und schmecken gut, aber tief im innern weiß man, daß man Bauern in Südamerika dafür ausgebeutet werden.
Ich hoffe Apple kehrt wieder ein wenig mehr zu seinen Wurzeln zurück und ist erfolgreich weil es die kleinen Dinge sieht, die allen anderen entgehen und nicht weil es Wettbewerber ausschließt oder verklagt um sich Konkurrenz vom Leib zu halten.
Einstweilen verbleibe ich mit gesunkenem Respekt und ein wenig Enttäuschung,
Ihr nicht mehr ganz so ergebener,
Mike Screwtape




