Archive for December, 2006

Sehr Verwunderlich

Ich finde es doch sehr verwunderlich, daß Menschen in aller Regel denjenigen mehr hassen, der ihnen die Wahrheit sagen als den, der sie belügt.

Noch merkwürdiger ist es allerdings, daß mich das nach all den Jahren immer noch überrascht.

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Seasons Greetings

Weihnachten

Fröhliche Weihnachten Ihnen allen (wo immer Sie auch sein mögen).

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Manche Tage sind besser als andere

Aber diese Tage fehlen mir derzeit ein wenig. Irgendwie habe ich mehr und mehr das Gefühl, daß es sich derzeit jeden Tag ein wenig schlechter anfühlt als am Tag zuvor.

Dabei ist Weihnachten nicht wirklich Grund und Auslöser für das ganze Elend, es ist nur ein angenehmer Anlaß, den man mal wieder als Grund für die eigene Unzufriedenheit heranziehen kann. Es hat vermutlich einen tieferen Grund weshalb ich täglich Anti-Depressiva schlucke um den Tag nur ir-gend-wie überstehen zu können. Irgendwie.

Daß man von bestimmten Menschen, ohne erkennbaren Grund nicht sonderlich gut gelitten ist hilft der Sache natürlich nicht sonderlich. Daß man durch eben diese Menschen dann noch darauf hingewiesen wird, indem die gesamte Umwelt um einen herum zum Ausgehen eingeladen nur man selbst ist davon ausgenommen, macht das Ganze äußerst schwer erträglich. Vermutlich habe ich es aber auch nicht besser verdient.

Was eine wenig Linderung brachte ist ein Geschenk, nämlich von Stefanie, die mir von meinem Wunschzettel “Die Royal Tennenbaums” zukommen ließ. Dafür vielen lieben Dank, das ließ mich die Depressionen nicht nur für 105 Minuten sondern sogar noch ein wenig darüber hinaus vergessen. Wer den Film noch nicht kennt, sollte ihn sich übrigens unbedingt einmal ansehen, es ist nach meiner vourteilsbehafteten Meinung einer der besten der letzten Jahre und er erzählt eine sehr tröstliche Geschichte über Menschen, die nicht perfekt sind, die Schwierigkeiten Erwartungen an einen selbst zu erfüllen und die Suche nach was immer einen glücklcih macht. Die Darsteller sind großartig, ob es die kettenrauchende Gwyneth Paltrow oder der neurotische Ben Stiller ist.

Meine persönliche Lieblingsszene ist die Szene in der Luke Wilson zu Elliot Smiths “Needle in the Hay” einen Selbstmordversuch begeht. Im Zusammenhang mit meinem aktuellen Seelenzustand sicherlich nicht das klügste zu sagen, das tut dem Film keinen Abbruch. Im Gegenteil, am Ende geht dann ja doch alles irgendwie gut aus.

Irgendwie.

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Weihnachtsdepression

“Sie haben es ja gut” sagt sie zu mir als ich zur Tür hinaus komme. Verwirrt frage ich mich wie sie darauf kommt. “Daß sie in so einem tollen Haus wohnen können.” “Hm, ja”, brumme ich vor mich hin “Vermutlich haben sie recht”. Und ich sehe zu daß ich aus ihrer Reichweite komme, bevor sie beginnt komische Fragen zu stellen.

‘Wenigstens werden sie nicht ständig von Touristen angequatscht wenn sie aus dem Haus gehen’ denke ich mir. Wie Leute nur auf die Idee kommen es würde einem gut gehen, nur weil man in einem bunten Haus wohnt. Nein, es geht mir gerade gar nicht gut. Aber wenn man aus der Tür eines bunten Hauses kommt kann man das den Leuten nicht sagen. Sie würden es sowieso nicht glauben.

Während ich zur Straßenbahn laufe bekomme ich wieder ein schlechtes Gewissen dafür, daß es mir nicht gut geht. Die Touristin hat eigentlich recht, ich habe es ja gut. Ich wohne in einem bunten Haus (von ihnen sieht man das nur nicht, da ist es ganz normal) und habe einen tollen Job, vor 15 Jahren hätte mir niemals irgend jemand zugetraut, daß ich jemals so einen Job haben werde.

Ich entwickle einen dezenten Hass auf die mir unbekannte Touristin, was meine Laune aber nur kurzfristig bessert und sich danach in noch mehr Schuldgefühle verwandelt. Wegen grundlosem Touristinen-Hassen.

Ich fühle mich elend. Abends nehme ich eine Tablette, damit ich schlafen kann. Morgens eine damit ich mich überwinden kann aufzustehen. Fluoxetin ist mein Freund geworden, ohne geht gar nichts mehr. Es hilft mir zu lächeln, wenn ich innerlich heulen möchte. Ich kann damit endlos langen Meetings sitzen obwohl ich lieber zu Hause auf meinem Sofa liegen würde. Und ab und zu sage ich dann sogar etwas, daß unglaublich klug und witzig klingt.

Fluoxetin hilft mir mich zu verstecken. Keiner sieht mich, ich bin irgendwo drinnen, nach außen sieht es gut aus. Ich kann hier etwas Schreiben, was dann so klingt als wäre ich mit Herzblut an einem Thema interessiert.
Ich wohne nun seit mehr als zwei Monaten schon in Darmstadt und ich war noch nicht wirklich aus. Ich war im Kino ein paar mal. Einmal gingen alle Kollegen aus dem Büro essen, ich bin mitgegangen fühlte mich aber wie ein Fremdkörper. Ich habe schnell aufgegessen und bin gegangen.

Ich bin über den Weihnachtsmarkt gelaufen. Darmstadt hat vermutlich den traurigsten und kümmerlichsten Weihnachtsmarkt in ganz Deutschland. Ein paar Buden, in denen billige Töpfe, Bratpfannen, Küchenmesser und Ledergürtel-Imitate verkauft werden. Der Glühwein ist viel zu süß und schmeckt nach Spülmittel.

Ich denke an die Weihnachstmärkte in Köln. Am Schokoladenmuseum gab es ein Spanferkel. Am Rudolfplatz gab es eine Bude die verkaufte handbemalte Christbaumkugeln. Braucht kein Mensch, hat aber mehr mit Weihnachten zu tun als Flaschenbürsten.

Ich erinnere mich an Freiburg, als ich noch ein Kind war. Meine Mutter ging mit meinen Geschwistern und mir hin. Dort gab es Dampfnudeln, mit Vanillesauce und heißen Sauerkirschen, daß war der Himmel. Es lag Schnee und ich habe mich nicht alleine gefühlt. Die Weihnachtszeit dauerte ewig.

Jetzt ist sie fast schon vorbei. Ich fühle mich jetzt oft alleine, meistens aber fühle ich gar nichts. Manchmal habe ich keine Idee was ich gerade fühle. Es gibt keine Dampfnudeln mehr, nichts schmeckt nach Vanille oder Sauerkirschen. Es fällt kein Schnee mehr, der alles zudeckt und alles weiß und sauber aussehen lässt.

Ich muß jetzt Schluß machen. Es wird Zeit meine Tabletten zu nehmen.

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