Archive for January, 2007
Sandman
Ich mochte immer Comics, mein ganzes Leben lang. Eine gewisse Zeit lang habe ich es geleugnet, wenn man in der Pubertät ist und ohnehin nur schwer bei den Mädchen landen konnte, dann half es nicht gerade seine Liebe zur grafisch-literarischen Kunst zu bekennen.
Comics, das bedeutet für viele immer noch Micky-Maus-Geschichen, bestenfalls kamen dem einen oder anderen noch ein paar anspruchsvollere franko-belgische Werke in den Sinn. Auch mein bescheidener grafischer Horizont erstreckte sich lange Zeit auf unsere westlichen Nachbarn. “Sin City” war in Deutschland undenkbar, mit Robert Crumbs Werken, die ich heute sehr schätze, konnte ich mich damals nicht wirklich anfreunden und “The Dark Knight” hatte bei uns auch noch keinen Verleger gefunden.
Es war irgendwann in den 90ern B.A. (Bevor Amazon) und an Original Importe aus den USA war nur schwer zu kommen, besonders im Hochschwarzwald. Da bin ich in einer Freiburger Buchhandlung in der dürftigen Comic Ecke auf einen Band mit dem Titel “World’s End” gestoßen. Es war meine erste Begegnung mit Morpheus, dem Herrn der Träume und es sollte meine Leidenschaft für Comics grundlegend verändern.
Der zeichnerische Stil war für mich ungewohnt, um nicht zu sagen gewöhnugsbedürftig. Heute würde ich sagen, daß der Stil, von unterschiedlichen Künstlern immer wieder neu erfunden für mein Verständnis prägend war. Das Cover von Dave McKean hatte eine verstörende Schönheit, die ich mit der Zeit mehr und mehr schätzen gelernt habe.
Was den Comic aber von allem anderen was ich bis zu diesem Zeitpunkt gelesen hatte abhebt war die Atmosphäre, das Gefühl, welches beim Lesen entstand. In meinem ganzen Leben habe ich vielleicht zwei bis drei Bücher gelesen und mit Sicherheit keinen weiteren Comic, die mich die Geschichten mit einer vergleichbaren Intensität erleben ließ.
Ich habe lange überlegt was ich über Sandman schreiben soll, seit ich dieses Blog betreibe habe ich mehrere Versuche begonnen und wieder verworfen. Wie könnte man auch die Gefühle in Worte fassen? Angst, Trauer, Entsetzen, Freude, Glück oder Hoffnung? Ich kann es Ihnen nicht sagen, Sie müssen die Geschichten schon selbst lesen und sehen.
Statt dessen will ich versuchen kurz zu erzählen um was es bei “Sandman” geht, eine Aufgabe, die mir schweirig aber halbwegs meisterbar scheint.
Der Autor Neil Gaiman hat auf die Frage um was es bei Sandman gehen würde mal lapidar geantwortet: “The Lord of Dreams learns that one must change or die, and makes his decision.” Ich wil damit beginnen, die Charaktere vorzustellen, von denen jeder für sich genommen schon eigene Geschichte ist.

Der Hauptcharakter ist natürlich der Sandman selbst und seine sechs Geschwister, the Endless. Sie sind die Manifestation von Ideen, Prinzipien die seit Anbeginn existiert haben unabhängig von Religion und Gesellschaft. Sie sind keine Götter, es gab sie bevor es Götter gab und es wird sie geben geben wenn es längst keine Götter mehr gibt. Eine Beschreibung der Endless aus den Comics:
Destiny
The oldest of the Endless. There are some who believe him to be blind. Destiny holds his secrets.
Death
She is the older sister fo dream and of all the Endless she is the closest to him. On good days I don’t think of her so much.
Dream
They say Death is kinder than he is. Of all the Endless, save perhaps Destiny, he is the most conscious of his responsibilities.
Delirium
Delirium was once Delight. The poet Coleridge claimed to have known her intimately, but the man was an inveterate, and in this, as in so much, we must doubt his word.
Desire
Desire has never been satisified with just one sex. He/She is everything you have ever wanted.
Despair
She is Desire’s Sister and twin. Sometimes you will look into a mirror and feel the eyes of Despair upon you. Despair says little , and is patient.
Destruction
Things are created. They last for some little while and then they are gone. Without Destruction there would be nothing new.
Neben den Endless tauchen in den der 10-bändigen Saga eine Reihe mythischer wie hsitorischer Charaktere auf wie Luzifer, Loki, William Shakespeare, Kain und Abel, Oberon und Titania, Orpheus, Calliope, Joshua Norton, dem selbst ernannten Kaiser von Amerika oder Marco Polo. Daneben haben Comci Freunden bekannte Helden wie Batman oder John Constantine einige bemerkenswerte Auftritte.
Die Serie ist eine Menagerie aus den unterschiedlischsten Mythen, Legenden und Geschichten und kann Anhänger der Popkultur sowie tief verwurzelte Geisteswissenschaftler gleichermaßen begeistern, wenn man nur gewillt ist sich der Geschichte zu öffnen.
Wenngleich mein erstes Album von Sandman auf Deutsch war, so war Sandman selbst bisher keine besonders erfolgreiche Karriere in Deutschland beschert. Nach meinem Wissen haben sich bisher nicht weniger als drei Verlage daran veruscht die Serie auf den deutschen Markt zu bringen und dieser Tage unternimmt Panini den vierten Versuch.
Das mag zum einen an der Schwierigkeit liegen die fast schon poetische Kraft der Texte und die Wortspiele (hat jemand bemerkt, daß die Endless alle mit D beginnen?) auf deutsch zu übersetzen. Ich vermute aber es liegt an der greneznlos arroganten Haltung die man dem Medium Comic in Deutschland entgegenbringt. Gehen Sie in irgendeine Buchhandlung und suchen Sie die Comics. Sie sind fast immer entweder bei den Kinderbüchern oder in einer launigen Humor Sektion untergebracht und die Auswahl lässt selbst in der größten Buchhandlung mehr als zu wünschen übrig.
Es ist traurig, daß es im deutschen Kulturraum keine stärkere Anerkennung von dem gibt, was im englischen den schönen Begriff “Graphic Novel” hat.
Wie bereits erwähnt ist mir nicht möglich das gesamte künstlerische Spektrum von “Sandman” in Worte zu fassen. Gehen Erfahren Sie es selbst, Einsteigern sei vielleicht der Band “Endless Nights” empfohlen, da dieser Band in sich geschlossene Episoden enthält. Wer sich auf die gesamte Saga einlassen möchte beginnt mit “Preludes and Nocturnes”. Und glauben Sie mir: Comics werden für Sie danach nie mehr nur einfache Bildergeschichten sein.
Apocalypto
Eines muß ich schon mal vorweg sagen: So langsam aber sicher denke ich, daß sich Mel Gibson mal einen Therapeuthen suchen sollte, der seine Blut- Opfer- und Märtyrerphantasien mal analysiert. In Apocalypto fließt das Blut nämlich nur in so in Strömen, es wird gemetzelt, ausgeweidet, Herzen bei lebendigem Leib herausgeschnitten und Köpfe mit viel Schmackes abgeschlagen.
Dem Himmel sei Dank daß sich das nur auf einen kleinen Teil des Films bezieht, der dem geneigten Zuschauer aber um so intensiver im Gedächtnis bleiben dürfte.
Die Geschichte vom Untergang der Maya ist im Großen und Ganzen relativ einfach und vorhersehbar gestrickt und mit stereotypischen Figuren ausgestattet. Da gibt es die Guten, die auf einfache Weise im Dschungel leben, ab und zu mal ein Wildschwein jagen und es ansonsten zufrieden sind am Lagerfeuer zu sitzen und die Kinder groß zu ziehen.
Den Guten gegenüber stehen die Bösen, die in der großen Stadt wohnen, dekadent und verkommen sind und versuchen statt mit ehrlicher, harte Arbeit lieber versuchen mit ein paar Menschenopfern über die Runden zu kommen. Man kann sie außerdem daran erkennen, daß sie viel Schmuck tragen, hytserisch und egozentrisch werden können und gelegentlich auch mal einen leichten Hang zum Sadismus entwickeln.
Wenn Sie dennoch der Ansicht sind der Film könnte Sie noch durch irgendwelche dramaturgischen Kniffe überraschen, dann hören sie JETZT auf mit Lesen, denn es folgt eine komplette Inhaltsangabe des Films.
Die Bösen kommen eines Morgens in das Dorf der Guten während die noch den Schlaf der Gerechten schlafen um diese zu verschleppen und im Tempel der Stadt als Opfer darzubringen. Der Held der Guten steckt noch schnell Frau und Kind in den Dorfbrunnen, auf daß sie von den Bösen nicht gefunden werden und wird dann alsbald nach kurzem aber ehrgeizigem Kampf von den Bösen überwältigt und zusammen mit den anderen Guten in die Stadt verschleppt.
Dort wird schon wie am Fließband geopfert und auch unsere guten Dorfbewohner sollen alsbald ausgenommen und geopfert (in dieser Reihenfolge) werden, aber ein glücklicher Zufall verhindert dies gerade in dem Augenblick als der Held auf dem Opferblock liegt.
Man beschließt das Opfern sein zu lassen und die übrig gebliebene Opfer statt dessen in einem grausamen Spielchen zu meucheln. Dem will sich unser Held aber nicht beugen, er will nach Hause. Immerhin sitzen dort noch Frau und Kind im Brunnen und warten auf seine Heimkehr.
Statt gemeuchelt zu werden meuchelt er lieber mal den Häuptlingssohn und macht sich aus dem Staub. Das ist zwar moralisch gerecht (immerhin gehört der zu den Bösen), dramaturgisch unglaublich hilfreich aber ansonsten eine ziemlich blöde Idee denn der böse Häuptling läuft mit seinen Mitschurken dem Helden hinterher um diesen doch noch zu meucheln. Ein kleiner Tip für den Fall, daß Sie mal in die Situation kommen ein verschontes Menschenopfer zu sein: Meucheln Sie nie den Häuptligssohn, Häuptlinge neigen dazu so etwas all zu persönlich zu nehmen.
Es kommt wie es kommen muß. Die Verfolger bleiben alle einer nach dem anderen auf der Strecke, der Held holt Frau und Kind aus dem Brunnen und geht mit ihnen noch tiefer in den Wald den gerade kommen die Spanier an und von denen ist ja auch nichts Gutes zu erwarten.
Das mag nun soweit, so vorhersehbar klingen, das Ganze hat aber auch ein paar gute Seiten. Zunächst einmal werden keine Juden in dem Film verunglimpft oder beleidigt, was dieser Tage für Mel Gibson schon als Leistung erwähnenswert scheint.
Dann ist der Film unglaublich gut fotografiert und sehr authentisch wenn auch sicherlich nicht historisch korrekt umgesetzt. Das Grün des Dschungels wechselt mit dem grau-braun der Stadt und dem Blut der Opferungen in einem herrlichen Farbenspiel welches von den Digitalkameras perfekt eingefangen ist. Die zahlreichen Kämpfe sind scön choreographiert, so daß man dem Film durchaus seinen Unterhaltungswert zugestehen muß.
Den Kniff, den Gibson schon in “The Passion of the Christ” angewandt hat die gesamte Handlung in der Originalsprache spielen zu lassen trägt hier durchaus zur Atmosphäre bei.
Ich habe mich jedenfalls recht gut unterhalten und kann den Film auch Leuten empfehlen, die in mehr Kategorien als Schwarz und Weiß denken können. Als Unterhaltung allemal.




