Archive for April, 2007

Hoffnung für die deutsche Sprache

Ich traue meinen Augen kaum als ich sehe was da mit schwarzem Edding in krakeligen Lettern auf dem Fahrscheinautomaten geschrieben steht.

“P. ist ein Mutterficker” teilen mir die grobschlächtig gezeichneten Worte mit.

Wie schön, denke ich mir, es gibt doch tatsächlich noch junge Menschen, die sich unnötigen Anglizismen verweigern.

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Kafka Teil 2

Die Anwälte haben sich wieder gemeldet. Nachdem man mich wie bereits berichtet bezichtigte mehrere Schreiben bezüglich einer nicht gezahlten Telefonrechnung ignoriert zu haben mahnte mich die Kanzlei A. und Kollegen in einem Schreiben ab diese letzte (für mich erste) Chance wahrzunehmen und das Ganze außergerichtlich zu lösen in dem ich ihre wie ich finde dezent überhöhte Forderung begleichen sollte.

Da ich es grundsätzlich für möglich hielt, daß es noch eine Rechnung nach meinem Abschied aus Köln gab habe ich sicherheitshalber einmal die grundsätzliche Forderung beglichen und die Kanzlei A. und Kollegen sowohl telefonisch als auch schriftlich um einen Nachweis der Berechtigung für diese Forderung gebeten. Im Konkreten habe ich um eine Herausgabe der eigentlichen Telefonrechnung gebeten, sowie um einen Nachweis darüber daß mir die Mahnungen der beauftragten Firma Schimmelpfeng Forderungsmanagement zugegangen ist und darüber hinaus noch gemäß Datenschutzgesetz alle über mich gespeicherten Daten zu der Angelegenheit.

Meine ersten Anrufe verliefen wie bereits berichtet wenig fruchtbar. Beim ersten Telefonat mit der Kanzlei (die im übrigen mehr den Eindruck eines Call-Centers machte) teilte man mir lediglich mit, ich hätte zu zahlen, das wäre alles berechtigt und das wärs. Meine Forderungen nach konkreten Daten und Belegen quittierte man schließlich mit einer einseitigen Beendung des Gespräches seitens des Call-Centers der Kanzlei.

Bei einem direkt darauf folgenden weiteren Gespräch war man wenigstens so freundlich mir mitzuteilen, wann mir die Forderung der Firma Schimmelpfeng zugegangen sein soll. Dennoch ließ man nicht davon ab, daß ich eine gesamte Forderung von beinahe Hundert Euro zu begleichen hätte, wovon weniger als die Hälfte davon der ursprünglichen Telefonrechnung entsprach.

Nun bin ich in der glücklichen Position genug zu verdienen daß das ein Betrag ist, der mich nicht umwirft. Aber der gesamte Ablauf der Prozedur widerstrebte mir in meinem Innersten. Erinnern Sie sich an die Szene in “Annie Hall” als Woody Allen dem Polizisten seinen Führerschein geben soll? Genau so erging es mir.

Ich schrieb also ein Fax mit den oben aufgeführten Forderungen und erhielt diese Woche als Antwort ein Schreiben, dem eine unleserliche Kopie meines Antrags bei Netcologne, ein Fax der bezeichneten Telefonrechnung beilag.

Ich wurde noch einmal aufgefordert die Gesamtforderung nun in einer verbelibenden Höhe von 54,52 Euro zu begleichen und käme ich dem nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt nach so sähe man sich gezwungen “entsprechend weitere und kostenintensive Maßnahmen in die Wege zu leiten”.

Nun bin ich kein Jurist und mir ist bewusst, daß in der Juristerei oftmals Formulierungen verwendet werden die dem durchschnittlichen Bürger ungewöhnlich erscheinen mögen. Der letzte Satz erschien mir aber weniger wie eine fein geschliffene, juristische Formulierung als vielmehr eine unverhohlene Drohung zu sein.

Also reif ich tags darauf nochmals in der Kanzlei an um etwas Licht in die Sache zu bringen und mich zu erkundigen was aus den weiteren von mir angeforderten Unterlagen geworden ist (Mahnungen, gespeicherte Daten). Das Gespräch. das folgen sollte war zugleich unterhaltsam als auch aufschlußreich. Allerdings anders, als man vielleicht glauben möchte.

Zunächst einmal hat es fünf(!) Anfrufe gebraucht bis ich durchkam. Bei den Versuchen zuvor gab es lediglich ein Band auf dem mir das Bedauern ausgedrückt wurde, daß man gerade nicht mit mir sprechen könne, da sämtliche Plätze derzeit belegt seien und ich möge es doch zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal probieren. Mein Verdacht, daß es sich hier um ein Call Center handelt wurde damit nicht unbeding entkräftet.

Die erste Frage von mir ob man denn mein Fax erhalten habe wurde von der Mitarbeiterin Frau P. umgehend bestätigt. Inhaltlich hatte man sich allerdings weniger damit auseinander gesetzt wie sich im folgenden herausstellen sollte.

Frau P. gab zunächst an nicht zu verstehen was ich eigentlich wollte, ich hätte schließlich alle Unterlagen erhalten. Auf meine Nachfrage was denn zum Beispiel mit den ganzen Mahnungen wäre meinte sie dann das ganze wäre schon zu lange her (dir ursprüngliche Rechnugn war vom 30. September 2006!) und sie hätte nicht mehr vorliegen.

Meine Verwunderung darüber, daß ein professionelles Forderungsmanagement wie die Firma Schimmelpfeng ihre Mahnungen nicht archivierte quittierte sie dann mit der verwunderten Aussage, daß ich doch sagen solle, daß ich die Mahnungen von Schimmelpfeng meinte. Mahnt da etwa noch irgendwer sonst nebenher mit? Darüber hinaus frage ich mich wie meine schriftliche Bitte um einen Nachweis der Zustellung besagter Mahnungen der Firma Schimmelpfeng anders verstanden werden sollte.

Ja, die besagten Mahnungen könne sie mir zukommen lassen nachdem ich bezahlt hätte. Es folgte ein längerer Austausch in dem ich meine Unwilligkeit ausdrückte die Forderung anzuerkennen, geschweige denn zu überweisen und die Dame der darauf bestand daß ich zu zahlen hätte. Schließlich bot ich an die Hälfte zu zahlen um die Sache aus der Welt zu schaffen und meine Ruhe zu haben unter der Bedingung, daß sie mir dann die geforderten Informationen zukommen ließe.

Sie ging erschreckenderweise relativ schnell darauf ein und meinte ich solle 30 Euro überweisen und die Sache wäre erledigt. Nun begann erneut eine Diskussion über die mathematische Wahrscheinlichkeit, daß die Hälfte von 54,52 Euro dem Betrag von 30 Euro entsprechen könnte. Igrendwann gab ich entnervt auf, ich hätte eigentlich vorher wissen müssen, daß in Anwaltskanzleien Vernunft und Mathematik keine Anwendung finden.

Dafür würde ich dann schließlich auch die Mahnungen der Firma Schimmelpfeng erhalten. Nein, nein, erwiderte ich, ich hätte gerne den Nachweis der Zustellung. Wie dies den gehen solle fragte sie. Na zum Beispiel dadurch, daß sie mir die Belege des Einschreibens zukommen lässt, die ein so professionelles Forderungsmanagement wie die Firma Schimmelpfeng doch sicherlich archiviere.

Wegen einer Forderung von knapp 40 Euro würden sie doch kein Einschreiben verschicken erwiderte sie recht schroff und das Gespräch müsse nun langsam zu einem Ende kommen, schließlich hätte sie noch mehr Schuldner in der Leitung, die auf Gespräch warten würden.

Diese Fußnote des Gesprächs schien mir aus mehreren Gründen von Bedeutung. Man erinnere sich, daß ich bei der Kanzlei anrief doch die Dame schien zu diesem Zeitpunkt bereits keinen Unterschied zwischen der Firma Schimmelpfeng und der Kanzlei zu machen sondern sprach offensichtlich für beide. Darüber hinaus schien mir der Hinweis, daß weitere Schuldner in der Leitung warteten der recht deutlich Hinweis zu sein, daß es sich hier nicht um eine einfache Gehilfin einer Kanzlei zu handeln schien, sondern um etwas, das zumindest von der Infrastruktur her dazu gedacht ist eine größere Menge von Anrufen zu bedienen.

Meiner Bitte nach Auskunft der gespeicherten Daten brachte die Dame dann ebenfalls wenig Verständnis entgegen. Was ich mir den vorstellen würde, hier würde außer der Adresse nichts gespeichert werden.

Nach dem ersten Anschreiben wollte ich etwas mehr über die Firma Schimmelpfeng erfahren und siehe da neben der Firma Schimmelpfeng, die geringe Beträge ohne Einschreiben mahnt gibt es offensichtlich auch eine Firma Schimmelpfeng, deren Angebot aus so genanntem Kreditmanagement besteht. Unter anderem bietet sie Firmen Kreditinformationen über potentielle Kunden an und da könnte man durchaus mal fragen was so eine Firma über einen speichert. Ich verzichte hier mal bewusst auf eine Verlinkung, als findige Nutzer wissen Sie mit Google umzugehen denke ich.

Die Dame verneinte, daß irgend etwas anderes außer meiner Adresse gespeichert wurde und nach einigen weiteren verbalen Ballwechseln wurde das Gespräch schließlich beendet.

Fassen wir den Stand der Dinge soweit er mir vorliegt also noch einmal zusammen:

Nach meiner Kündigung schickt mir Netcologne für den letzten Monat eine Rechnung anders als bisher nicht per Mail sondern mit der Post. Diese Rechnung erreicht mich trotz Nachsendeauftrags der Post nie, statt dessen erreicht mich ein Brief der Kanzlei A. und Kollegen der auf das Datum 22.03.2007 datiert ist und auf dem Umschlag einen Stempel vom 30.03.2007 trägt in dem mir weitere gerichtliche Schritte angedroht werden sollte ich nicht bezahlen.

Die angebliche Hauptforderung wurde von mir beglichen ohne daß mir die betreffende Rechnung vorlag. Meiner Bitte nach Zusendung betreffender Rechnung, Mahnungen sowie der gespeicherten Daten wurde nicht folge geleistet, ich erhielt lediglich eine Kopie der eigentlichen Forderung.

Ich habe nun 30 Euro bezahlt Für Zinsen, Spesen, Inkassokosten etc. die ich für nicht berechtigt halte, da mir die eigentliche Forderung sowie irgendwelche Mahnungen nie zugegangen sind. Ebenso wenig wurden mir trotz schriftlicher Aufforderung Unterlagen zur Verfügung gestellt, die die Rechtmäßigkeit dieser Forderung nachweisen.

Meinem Wunsch nach Einsicht in die über mich gespeicherten Daten ist man ebenfalls nicht nachgekommen.

Es gibt in meiner Welt eine Bezeichnung für Menschen, die ihr Geld auf diese Weise verdienen und die ich mir hier verkneifen möchte. Kanzlei, Inkasso-Unternehmen oder Forderungsmanagement ist es sicherlich nicht.

Alles in diesem Bericht sind soweit belegbare Fakten, sie sollten dennoch daran denken, daß das geschriebene subjektiv ist. Kann ja gar nicht anders sein, schließlich bin ihc der Betroffene.

Für die gezahlten 30 Euro möchte ich übrigens eine Gegenleistung bekommen und zwar in Form der von mir geforderten Informationen oder der schriftlichen Bestätigung, daß diese nicht vorliegen.

Es bleibt also spannend, mehr demnächst an dieser Stelle.

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So geht das

Schließlich ist dann auch er gestorben. An einer Kopfverletzung, wie man sich erzählt. So geht das.

Kurt Vonnegut 1922-2007

Kurt Vonnegut

1922 – 2007

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Anderswo ist es auch nicht besser

Bei aller Kritik, die derzeit nicht immer ganz unberechtigt auf die Deutsche Telekom einprasselt, sollte man doch nicht vergessen, daß die Konkurrenz auch in der Lage ist Fehler zu machen.

Netcologne zum Beispiel, der sympathische kleine Anbieter aus der Domstadt, dem ich über fünf Jahre ein treuer Kunde war bis ich aus dessen Einzugsgebiet weggezogen bin. Zuerst drückte man noch sein Bedauern aus, mittlerweile scheint man die Trauerphase überwunden zu haben.

Was war passiert? Anfang September habe ich meinen Anschluß bei Netcologne gekündigt, Mitte des gleichen Monats erhielt ich noch einmal eine Rechnung, die drei Tage später auch beglichen habe. Dann habe ich lange Zeit nichts gehört bis ich am vergangenen Samstag ein Schreiben einer Anwaltskanzlei erhielt indem ich aufgefordert wurde die Schlussrechnung inklusive Mahngebühren, Spesen, Verzugszinsen und ich weiß nicht was noch alles zu bezahlen. Insgesamt mehr als das doppelte einer üblichen Rechnung.

Insbesondere wurde mir vorgeworfen die Mahnungen einer gewissen Inkassofirma namens Schimmelpfeng ignoriert zu haben, einer Firma, von der ich bis zu dem Schreiben noch nichts gehört geschweige denn Mahnungen erhalten hatte.

Mein Versuch die Dinge heute telefonisch zu klären sind kläglich gescheitert. Bei meinem ersten Anruf bekam ich lediglich eine hysterische Frau zu fassen, die sich vehement weigerte mir Auskunft zum Vorgang zu geben und stets in dem einen Satz “Wenn Sie nicht zahlen sehen wir uns halt vor Gericht wieder” endete. Als ich von meinem Vorhaben eine genauere Erläuterung des Vorgangs zu erhalten nicht ablassen wollte wurde die Verbindung durch sie einseitig beendet.

Beim zweiten Anlauf fand sich eine Frau, die bedeutend ruhiger an die Sache ranging und mir tatsächlich ein paar Daten nennen konnte, an denen mich Mahnungen erreicht haben sollten. Meinen Beteuerungen zum Trotz, daß ich nie etwas erhalten hätte begegnete sie lediglich mit der Aussage, daß man da nichts machen könne und ich halt einfach zahlen müsste. Großzügig kam sie mir dann irgendwann mit dem Angebot entgegen ich solle halt einfach mal siebzig Euro überweisen und damit wäre die Sache aus der Welt.

Und das war der Moment, in dem ich anfing ein wenig stutzig zu werden. Ein paar Dinge wollten mir nicht in den Kopf. Netcologne hatte mich immer über sämtliche Rechnungen per Mail informiert, warum also ausgerechnet die letzte Rechnung nicht? Da könnte man sich noch zusammenreimen, es wäre auf eine Prozessfehler zurückzuführen und daß Netcologne einfach nicht merh in der Lage ist nach einer Kündigung Rechnungen Online zu stellen. Das wäre bedauerlich für ein Kommunikationsunternehmen, erschiene mir aber nachvollziehbar.

Weshalb ich aber sämtliche anderen Rechnungen, Briefe etc. durch meinen Nachsendenatrag bei der Deutschen Post erhalten habe nur diese eine nicht, das konnte ich dann bereits schwerer nachvollziehen. Warum mich dann sämtliche anderen Schreiben in dieser Sache inklusive der Mahnung der Firma Schimmelpfeng nicht erreichten entbehrte für mich dann jeder weltlich erklärbaren Grundlage.

Als paranoider Mensch könnte man dann ja irgendwann zum Schluß kommen, daß es die Inkassofirma bewusst liegen ließ bis sich die Mahngebühren soweit angesammelt hatten, daß es sich schließlich lohnte. Als jemand der aber allen Erfahrungen zum Trotz doch noch lieber an das Gute im Menschen glaubt gehe ich dann aber doch lieber davon aus, daß es sich hier um eine Verkettung unglücklicher Zufälle und Umstände handelte. Bei der Firma Schimmelpfeng arbeiten auch nur Menschen und die machen ebenfalls Fehler.

Trotzdem ist mir jetzt ein wenig unwohl bei der Sache. Natürlich könnte ich die gesamte Forderung auf einmal begleichen und hätte dann meine Ruhe. Andererseits widerstrebt es mir in meinem Innersten dieser aus meiner Sicht ungerechtfertigten Forderung einfach so nachzugeben. Ich lebe zwar schon lange genug auf dieser Welt um zu Wissen, daß Recht und Gerechtigkeit zwei unüberbrückbare Gegensätze sind, dennoch will ich jetzt hier nicht einfach so einknicken.

Gibt es unter der geneigten Leserschaft vielleicht jemanden der ebenfalls schon einmal Erfahrungen mit solch einer Situation gemacht hat? Vielleicht sogar jemand mit juristisch fundierter Erfahrung?

Bei all dem Ärger will ich aber dennoch versuchen der Sache etwas Positives abzugewinnen. Wenn das Alles vorbei ist muß ich der Anwaltskanzlei unbedingt dafür danken daß sie mir die literarisch so wertvolle direkte Erfahrung nahegebracht hat zu er fahren wie sich Josef K. gefühlt haben muß.

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