Geständnis
Inzwischen bin auch ich dem Öffentlichen Druck nicht mehr gewachsen und muss mich befreien: Ja, auch ich habe in den Jahren 1996 bis 1999 gedopt.
Aber ich habe nicht inhaliert.
Inzwischen bin auch ich dem Öffentlichen Druck nicht mehr gewachsen und muss mich befreien: Ja, auch ich habe in den Jahren 1996 bis 1999 gedopt.
Aber ich habe nicht inhaliert.
Zunächst einmal vorab: Ich habe seit frühester Kindheit ein ausgeprägtes Faible für Piratenfilme nahezu aller Art. Ich mochte Roman Polanskis “Piraten” obwohl der Film so ziemlich überall durchgefallen ist wo man nur hinhört. Mir gefiel es wie Burt Lancaster in “The Crimson Pirate” fast 90 Minuten ununterbrochen den Bauch eingezogen hatte.
Kurzum: Es braucht schon eine ganze Menge damit man mir einen Film mit Säbelrasslern, Segelschiffen und bezaubernden Gouvernorstöchtern versauen kann (genau genommen haben schon Geena Davis und Matthew Modine gereicht aber das ist eine andere Geschichte).
Ich bitte Sie dies zu bedenken, wenn ich nun sage daß mir Captain Sparrows drittes Abenteuer im Gegensatz zu Frau Gröner ziemlich gefallen hat. Es besteht nämlich tendenziell die Möglichkeit, daß ich nicht wirklich objektiv bin. Andereseits, wer ist das schon.
Worum geht es in diesem dritten Teil? Völlig egal. Der Film hat alles was man haben will, es gibt mutige Helden, schöne Frauen, gerissene Piraten und fiese Schurken, es wird gekämpft, gefochten und geschossen. Es gibt großartige Schlachten zur See und heftige Duelle auf der Takelage.
Ich wollte eine Achterbahnfahrt durch ein Piratensetting ohne daß ich den lächerlich hohen Eintrittspreis für Disneyland zahlen musste und mir hinterher schlecht wird. Und genau das habe ich auch bekommen.
Zugegeben, ein paar Längen hat der Film schon. Irgendwie wird man den Eindruck nicht los, daß die Macher hier zuviel in einen Film stecken wollten. Und das Tentakelgesicht Davy Jones und seine fischige Crew mochte ich im zweiten Teil schon nicht sonderlich. Es hätte gereicht wenn es einfach normale, verfluchte Piraten gewesen wären, die Fischköpfe waren nun nicht wirklich notwendig.
Über den Film kann und wird man sich streiten. Zu recht. Er wird mit Sicherheit ein immenser Erfolg werden, zumindest in finanzieller Hinsicht. Ob dies auch zurecht geschieht kann ich nicht beurteilen.
Ich kann für meinen Teil nur sagen ich habe mich fast drei Stunden prächtig unterhalten. Ob Ihnen das auch so gehen wird kann ich nicht sagen. Wenn Sie keine Piraten mögen und grundsätzlich sowieso eher auf Filme mit einer nachvollziehbaren Handlung stehen, dann wohl eher nicht. Ist Ihre Entscheidung.
Ich hoffe nur Frau Gröner denkt jetzt nicht schlecht von mir.
Kaum ein Thema hat die Wirtschaftspresse und Stammtische in den letzten Wochen so beschäftigt wie der drohende Streik der Telekom. Und jetzt ist es endlich soweit und der Streik hat begonnen.
Das Interessante daran ist, daß es sich hier aus meiner sicht nicht nur um einen gewöhnlichen Arbeitskampf handelt, hier geht es um einiges mehr als nur die gerechte Entlohnung der Mitarbeiter oder – je nach Standpunkt – dem eifersüchtigen Wahren von Besitzständen. Hier geht es um ein fundamentales Spiegelbild der Gesellschaft und um das Verständnis der eigenen Rolle darin.
Schauen wir uns die Beteiligten einmal der Reihe nach an. Da wären zunächst die betroffenen Beschäftigten die für weniger Geld länger Arbeiten sollen. Genauer gesagt sollen sie nun statt 34 Stunden zukünftig 38 Stunden arbeiten und so manch einer wird sich sicherlich fragen was daran so schlimm sein soll, ist die 40-Stunden-Woche doch längst wieder in vielen Branchen praktischer Alltag geworden.
Alles also nur faule Säcke, die sich beklagen jetzt endlich “richtig” arbeiten zu müssen? So einfach lässt sich das leider nicht erklären. Bei genauerer Recherche findet man heraus, daß die gleichen Mitarbeiter, die nun länger arbeiten sollen vor einigen Jahren bereits vom damaligen Management der Telekom gebeten wurden doch bitte weniger zu arbeiten, also nur 34 Stunden verbunden mit finanziellen Einbußen für die 4 Stunden weniger und dem Argument daß sich nur mit dieser Maßnahme Kosten sparen und gleichzeitig die Arbeitsplätze sichern ließen.
Mit genau denselben Argumenten möchte das derzeitige Management die Mitarbeiter nun dazu bringen einen Schritt in die andere Richtung zu machen, nur daß man ihnen diesmal nicht den Lohn für die Mehrarbeit wieder anhebt sondern auch noch weiter kürzen will. In einzelnen Fälle hat Ver.di ausgerechnet bedeutet dies einen realen Lohnverlust von knapp 40% und Ver.di ist weitgehend dafür bekannt gut und genau rechnen zu können. Für die Wut, den Ärger und den Willen zum Streik der Mitarbeiter kann man also durchaus Verständnis haben.
Wenn man sich auf diesen Teil der Sicht beschränken will. Doch leider ist im Leben nicht immer alles so schön in schwarz und weiß gezeichnet wie man es gerne hätte. Dann könnte man Rene Obermann auch gleich als Schurken daran erkennen, daß er einen Buckel und ein Triefauge hätte. Er widerum macht sich für die Einschnitte mit Argumenten stark, die nachvollziehbar und wundervoll rational ökonomisch sind. Die Telekom steht nämlich unter einem harten Wettbewerbsdruck und kann mit den Preisen der Konkurrenz nicht wirklich mithalten. Grund dafür sind die hohen Kosten, die bei der Telekom im Vergleich zur Konkurrenz bestehen.
Oder anders ausgedrückt, die Konkurrenz hat bedeutend niedrigere Kosten, weil die mathematisch so hochbegabten Leute von Ver.di für die Konkurrenz Tarifverträge zu deutlich niedrigeren Konditionen abgeschlossen hat. Konditionen die es besagter Konkurrenz ermöglichen die gleichen Produkte zu einem besseren Preis anzubieten. Die Hintergründe waren recht simpel wollte man damit doch nur Arbeitsplätze schaffen was ja auch erfolgreich gelungen ist. Aber zu welchem Preis?
Was also soll Obermann also machen außer die Kosten zu senken? Er kann ja wohl kaum die Leistungen der Telekom mit Verlust weiter verkaufen und der Markt orientiert sich nun mal am günstigsten Angebot.
Und da mit kommen wir zum dritten Spieler in diesem Spiel um Misgunst und Gerechtigkeit. Dem Markt, dem Verbraucher. Uns. Sie und ich.
“Ich?” wird nun so mach einer empört fragen, “was habe ich denn damit zu tun? Ich arbeite nicht für die Telekom und bin dort schon lange auch kein Kunde mehr.” Eben. Der Großteil der Massen geht halt nach dem Preis, Geiz ist eben geil. Ich muß für mein Geld schließlich hart arbeiten und habe nichts zu verschenken oder? Wir wollen für immer weniger Geld immer mehr haben, koste es was es wolle. Wir wollen für ein Pfund Fleisch nur 3 Euro zahlen, schließlich kostet es drüben beim Discounter auch nur 3 Euro. Welchen Preis wir dafür wirklich zahlen, unter welchen Bedingungen es produziert wird kümmert uns recht wenig. Bis zum nächsten Skandal um Gammelfleisch.
Kann sich noch jemand daran erinnern, daß es früher solche Läden mit Namen wie “Elektro Müller” oder “Fernseh Schmidt” gab? Ich habe so etwas lange nicht mehr gesehen, heute gibt es fast nur noch Saturn oder Mediamarkt. Die sind bei weitem nicht immer so günstig wie angenommen aber man weiß wenigstens daß man keinen Service erhält, kann sich also ganz sicher sein wofür man nicht zahlt.
Und genau so verhält es sich bei der Telekom. Weshalb soll man bei der Telekom einen Anschluß erwerben, wenn man das gleiche für 10 Euro weniger auch bei der Konkurrenz bekommen kann und noch 5 freie Klingeltöne obendrauf?
Klar, daß die Mitarbeiter von der Konkurrenz für weniger Geld schuften müssen ist schon ein Jammer aber mich betrifft es ja Gott sei Dank nicht. Daß dies alles irgend wann einmal auf uns zurück fallen könnte realisieren wir bestenfalls erst dann wenn es schon wieder beinahe zu spät ist. Und daß im Bereich der Telekommunikation der Service und die Verlässlichkeit bei der Konkurrenz auch nicht besser ist durfte ich ja schon am eigenen Leib erfahren.
Natürlich findet man im Detail immer noch das eine oder andere Klischee bestätigt. Man kann sich fragen ob es gerecht ist, daß ein Vorstandsvorsitzender das 300fache seiner Angestellten verdient. Man findet sicherlich den Mitarbeiter der sich seit 15 Jahren in seinem Job den Hintern platt sitzt.
Doch denn Kern der Sache trifft dies alles nicht wirklich. Jetzt seinen Anschluß zu kündigen, wie es von manchem versierten Makro-Ökonomen gefordert wird wäre genau das falsche Signal. Es würde nämlich genau den aktuellen Kurs bestätigen, daß es uns Verbrauchern tatsächlich nur um den günstigsten Preis geht.
Wie bereits erwähnt ist der Fall Telekom ein recht schönes Zerrbild unserer gegenwärtigen Gesellschaft. Wir honorieren die Bemühungen derjenigen, die ihre Interessen am rücksichtslosesten durchsetzen. Weil wir es nämlich genau so machen würden. Gleichzeitig geißeln wir aber auch diese Rücksichtlosigkeit die wir mit unseren eigenen Handlungen fördern. In diesem Sinne ist jeder von uns im Management, jeder ist Ver.di, jeder ist aber auch Arbeitnehmer die unter dem Druck des Wettbewerbs stehen. Wir sind Telekom und am Ende kommt alles immer zu einem zurück.
Wie dieser gordische Knoten letztendlich aufzulösen ist weiß ich leider auch nicht und ich bin ganz froh, daß ich es nicht muß. Immerhin bin ich mir bewußt, daß auch ich meinen Teil an Verantwortung an dem Ganzen habe. Und das ist doch schon einmal ein Anfang.
Ich darf ja eigentlich keine Kritik üben da ich ja selbst zuweilen einen recht liberalen Umgang mit der deutschen Orthographie pflege. Und dennoch kommt man immer wieder über Schriftstücke, da möchte man….

Ich habe einen Traum der sich städig wiederholt. In dem Traum bin ich Mitglied einer Art Sekte doch statt dem Wachturm oder Bibeln verteile ich in der Fussgängerzone einer Großstadt an Passanten kostenlose Ausgaben des Duden. Immer wenn jemand vorbei eilt versuche ich ihn (oder sie) mit den Worten “Ich möchte mit Ihnen über die deutsche Rechtschreibung sprechen” in ein Gespräch zu verwickeln. Das bringt mir aber in den meisten Fällen nur abschätzige Blicke ein.