Deprecated: Assigning the return value of new by reference is deprecated in /var/www/l3s6108/html/wp/wp-includes/cache.php on line 99 Deprecated: Assigning the return value of new by reference is deprecated in /var/www/l3s6108/html/wp/wp-includes/query.php on line 21 Deprecated: Assigning the return value of new by reference is deprecated in /var/www/l3s6108/html/wp/wp-includes/theme.php on line 576 Screwtape’s » 2007» June

Archive for June, 2007

Wozu?

Es gibt eine Sache, die mir seit einigen Wochen nicht mehr aus dem Kopf geht. Dabei habe ich nicht einmal einen direkten Bezug dazu, ich kenne niemanden der dirket betroffen ist.

Meine Kollegin, die im Büro direkt neben mir sitzt erzählte mir vor einigen Wochen von ihrer Freundin, die schwanger war. Die Freundin hatte sich sehr auf das Kind gefreut und alles schien gut zu gehen. Bis dann bei irgend einer Untersuchung der Arzt eine schreckliche Feststellung machte. Das ungeborene Kind hatte einen Herzfehler und der Arzt gab ihm nur wenige Tage nach der Geburt.

Wie man mit so etwas fertig wird weiß ich nicht. Die junge Frau entschied sich dafür daß Kind auszutragen, für eine Abtreibung war es wohl auch schon zu spät.

Als meine Kollegin mir das erzählte war ich natürlich schockiert. Schlimm, habe ich mir gedacht, was für schreckliche Dinge es auf der Welt doch gibt. Dann habe ich es wieder vergessen oder verdrängt. Übertönt von den täglichen Meldungen und Nachrichten, ersäuft und ertränkt im Selbstmitleid und den eigenen Depressionen.

Dann vor ein paar Wochen erzählte mir meine Kollegin, daß das Kind nun da wäre. Es hat dann noch beinahe 10 Tage gelebt, ständig unter Beobachtung, mit Schläuchen im kleinen Leib bevor es dann gestorben ist. Ich kannte seinen Namen nicht, ich weiß nicht einmal ob es ein Mädchen oder ein Junge war. Und dennoch geht es mir seither nicht mehr aus dem Kopf.

Ich frage mich wie die Eltern, vor allem die Mutter damit zurecht kommen. Was muß das für ein Gefühl sein, ein Kind in seinem Bauch zu haben, das neue Leben in sich zu spüren und zu wissen, daß es zu Ende sein wird sobald es auf der Welt sein wird? Wie kann man so jemanden trösten, wie kann man sagen, daß alles wieder gut sein wird?

Nichts, so scheint mir, kann so etwas beschreiben. Irgendwo habe ich mal jemanden gehört wie die folgenden Frage gestellt wurde: Wenn man einen Partner verliert, dann wird man zur Witwe oder zum Witwer. Kinder die ihre Eltern verlieren sind Waisen. Aber wie bezeichnet man Eltern, die ihr Kind verlieren? Gibt es dafür auch ein Wort?

Ich frage mich wie manche Menschen bei solchen Ereignissen Zuflucht in der Religion finden können. Ich selbst bin nicht besonders religiös, ich versuche an einen Gott zu glauben oder irgendeine höhere Macht die alles steuert. Ich will wissen, daß das alles einen Sinn hat. Aber wenn es einen Gott gibt, wie konnte der Bastard dann so etwas zulassen? Wozu war das gut, was hat es für einen Sinn?

Meine Schwester hat mir einige neue Bilder von meiner Nichte geschickt. Die Kleine ist inzwischen ziemlich groß geworden und es wird mir erst bewusst was für ein Glück sie ist. Und ich bin wütend auf mich selbst geworden. darüber, daß es mir eigentlich ganz gut geht und ich an manchen Tagen dennoch kaum aus dem Bett komme vor Traurigkeit. Ich sollte dankbar sein daß es mir so gut geht, eigentlich überdurchschnittlich gut und dennoch scheint an manchen Tagen meine größte Leistung darin zu bestehen eine Tasse Tee zu kochen.

Das Baby hatte nie eine Chance. Es wird nie andere Länder sehen, ja es hatte nicht einmal die Gelegenheit eine andere Stadt zu sehen. Es hat nie mit einem Hund gespielt, einen Apfel gegessen oder frischen Schnee auf der Haut gespürt. Wenn ich an all das denke, dann nehme ich mir vor dankbar zu sein für alles was ich erlebt habe und ich nehme mir vor die Chancen zu nutzen, die ich habe. Die Reise zu machen, die ich schon immer machen wollte. Dem dunkelhaarigen Mädchen zu sagen was sie mir wirklich bedeutet. All die Dinge die ich machen könnte weil ich das Glück habe, daß es mir gut genug geht und die ich aus Furcht und Lethargie nie getan habe.

Und dann mache ich es denoch wieder nicht, weil ich doch zu sehr Angst habe. Und ich denke, daß das Baby, das nie eine Chance hatte, eigentlich viel eher dieses Leben verdient hätte als ich.

Nach oben

Erkenntnisse

In der Schule des Lebens lernt man ja bekanntlich nie aus. So war auch die vergangene Woche für mich wieder ein unendlicher Quell neuer Erkenntnisse:

Eine bakterielle Entzündung des Gehörgangs bereitet bedeutend mehr Schmerzen als es diese profane medizinische Beschreibung vermuten ließe.

Es gibt tatsächlich noch Menschen für die eine einfache Fahrt mit der Darmstädter Stadtbahn über drei Stationen ein intensives, emotional aufwühlendes Erlebnis darstellt das intensiver Vorbereitung bedarf und bei dessen Durchführung jegliche Aktion unbedingt lautstark angekündigt beziehungsweise kommentiert werden muß.

In Rum aufgelöste Schmerzmittel entwickeln eine ganz eigene Wirkung.

Langfristig betrachtet aber nicht unbedingt die Beste.

Als Privatpatient erhält man die gleichen Antidepressiva wir Kassenpatienten. Allerdings sind die Pillen für Privatpatienten bunt.

I will never be a part of their tribe.

Schweizer an sich sind ja ein drolliges Völkchen wenn man nicht gerade in Zürich am Schalter für ein Ticket ansteht und der Zug in den nächsten 5 Minuten abfahren will.

Irgendwann, einmal in meinem Leben habe ich sicherlich auch etwas Gutes getan.

Nach oben

Thorsten

Sie sitzt da an der Haltestelle, mit einem Einkaufstrolli und fettigen, traurig herunter hängenden Haaren. Glasiger Blick, Zigarette in der Hand, niemand mit der man sich normalerweise abgeben möchte.

Dann mache ich den entscheidenden Fehler. Blickkontakt.

“Thorsten?”

Schnell in eine andere Richtung blicken.

“Du bist doch der Thorsten!”

“Nein, tut mir leid, ich bin nicht Thorsten.”

“Wohl bist du der Thorsten, du bist der beste Freund von meinem Sohn.”

“ich kenne ihren Sohn aber nicht.”

“Ich kenn dich doch!”

“Sie müssen mich verwechseln.”

“Doch, doch. Du bis’ der Freund vom Andi! Deine Freundin wohnt mit eurem Kind in Eberstadt.”

“Ich bin es aber nicht. Wollen sie meinen Ausweis sehen?”

“Nee, da bin ja gar nich’ zu berechtigt! Ich ruf mal ‘n Andi an”

Aus den Tiefen des Einkaufstrollis kramt sie ein Handy hervor und wählt mühevoll eine Nummer.

“Andi? ANDI! ANDI? Ja, Andi? Isch bin’s!
Bis du scho’ daheim? Aufa Arbeit? Muss’ du morge wieder arbeite? Um halb fünfe?
Ja, ne. Dann ess noch ‘n Worschtbrot. Ich bin noch in der Stadt. Ich wollt noch amal e bissel was einkaufe aber ich hab gedenkt ich rach erscht no eine.
Sag amal ich hab gedenkt ich hab eben den Thorsten gesehen aber hat gesagt er isses nit. Was?
Da Thorsten!
Ja, der hat doch an Ohrring oder? So an goldene? Und so e Bärtsche? Dann isers doch!
Ja, ich komm dann. Ja, ich wollt noch amal e bissel was einkaufe. Ja. Ja. Schüss dann. Ja. Schüss”.

Sie legt auf.

“Das war der Andi. Er hat gesagt du bisses doch.”

“Nein, ich bin es nicht. Hier sehen Sie” Ich kann nicht glauben daß ich ihr tatsächlich meinen Personalausweis zeige.

“Des ging zu schnell, ich konnt’ nix sehe”

“Hören Sie, ich bin nicht Thorsten, ich warte hier nur auf meine Bahn und hätte gerne meine Ruhe!”

“Ja, schuldigung. Ich han gemeint Du bis’ der Thorsten. Du kommst nit aus der DDR oder?”

Endlich kommt eine Bahn. Ist zwar nicht meine, aber das ist mir im Augenblick auch egal, ich steige trotzdem ein. Bevor die Türen sich schließen höre ich noch “Schüß Thorsten.”

(Himmelhergottnochmal! Warum ziehe ich solche Leute immer nur an?)

Nach oben