Presseschau
Das hier, verehrte Freunde der fachlich fundierten Information, ist ein literarisch-mediales Phänomen, welches in der freien Natur von führenden Fachkräften gemeinhin als sogenanntes “Sommerloch” bezeichnet wird:

Während es in seiner natürlichen Umgebung nur als saisonal bedingtes Phänomen auftritt ist es treuen Lesern von “Screwtape’s” bestens bekannt, da es uns gelungen ist das possierliche Tierchen ganzjährig zu halten. Ein krypto-zoologischer Erfolg der bisher nur ganz wenigen Fachleuten, wie etwa den Experte der Bild Zeitung, vorbehalten war.
Das Sommerloch als solches reagiert äußerst empfindlich auf äußere Umwelteinflüsse, die sein Wachsen begünstigen oder auch hemmen können. So ist zu Beispiel die Meldung, daß Paris Hilton von ihrem Opa enterbt wurde, auf “Zeit Online” ein eindeutiges Zeichen dafür, daß das derzeitige Nahrungsangebot ideale Vorraussetzungen für ein Sommerloch bieten.
Zwar ist die “Zeit” grundsätzlich für ihre reißerischen und populistischen Titel bekannt, dennoch erreichen wir hier eine neue Qualität des Journalismus. Uninformierten Quellen zufolge soll in der gemeldeten Angelegeheit übrigens bereits ein Menschenrechtsauschuss der vereinten Nationen gebildet werden. Als Soforthilfe soll Paris Hilton kurzfristig von Donald Trump adoptier, einem russischen Milliardär gekauft oder von Horst Seehofer geschwängert werden.
Das bekannte Lifestyle-Magazin “Der Spiegel” macht in seiner aktuellen Ausgabe dagegen mit dem reißerischen Titel “Das Böse im Guten – Die Biologie von Moral und Unmoral” auf. Ideal bebildert mit allem was den gemeinen Bildungsbürger zu so einem Thema rein optisch stimulieren würde: Schießende Palästinenser, ein paar Serienmörder, Saddam am Galgen (solange das noch unter halbwegs aktuellem Zeitgeschehen läuft), ein paar wichtig schauende Wissenschaftler und Sachverständige und natürlich immer unabdingbar bei solchen Themen: Nazis.
Wenn gleich der gesättigte Medienkonsument sich auch mal wieder ein paar frischere Bilder gewünscht hätte. Wie wäre es zum Beispiel mit Wolfgang Schäuble beim heimlichen online durchsuche? Brigitte Zypries bei der Erstellung des 37. Korbes der Urheberechtsnovelle? Horst Seehofer beim schwängern von Paris Hilton? Erfrischend natürlich ist ja seinerzeit das Jugendmagazin Geo bei seiner Ausgabe zum gleichen Thema vorgegangen und hat zu seinem Heft ähnlicher Themenlage gleich konsequent den Chef der Deutschen Bank Herrn Ackermann auf den Titel gebracht hat.
Wie könnte man ein solches Thema auch besser illustrieren als mit Menschen, deren Motto es ist: Kein Niveau ist so niedrig als daß ich mich nicht doch noch darauf herab begeben könnte (Anmerkung des Verfassers: sollten Sie das Thema selbst einmal zu illustrieren haben, biete ich gerne meine Dienste als Fotomodell. Anfragen bitte nur schriftlich. Für einen arte Themenabend stehe ich kostenfrei zur Verfügung.)
Aber alleine die Tatsache, daß ich mir den Artikel nicht durchgelesen habe sondern lediglich die Bilder überblättert habe zeigt doch wie wichtig es in unserer heutigen Gesellschaft noch ist, daß ein deutsches Magazin über Ethik und Moral schreibt.
Womit ich auch schon elegant eine Überleitung finde zu Helmut Markwort, dem Bud Spencer ohne Bart des deutschen Journalismus, und seinem Wissenschaftsmagazin “Focus”. Dessen Redaktion wendet sich in der aktuellen Ausgabe dem Alkohol zu und wem die Fernsehwerbung noch im Kleinhirn nachhallt, der ist sicher, daß tut die Redaktion auch anderswo.
Stringenterweise habe ich auch hier den Artikel nicht gelesen, ja hier habe ich noch nicht einmal das Heft in die Hand genommen sondern mir den gesamten Informationsgehalt durch Betrachtung des Titelbildes erarbeitet. Aber Alkohol ist ja irgendwie auch wie Sex: immer gut für eine Titelstory und an neuen Erkenntnissen mangelt es nie, solange man nur will.
Bei all den bewegenden Berichten kommt dann ganz bescheiden das konservative Nachrichtenmagazin “Titanic” mit einem nüchternen aber gut recherchierten Aufmacher daher, den ich abschließed einfach mal so für sich stehen lassen will.






