Archive for July, 2007

Presseschau

Das hier, verehrte Freunde der fachlich fundierten Information, ist ein literarisch-mediales Phänomen, welches in der freien Natur von führenden Fachkräften gemeinhin als sogenanntes “Sommerloch” bezeichnet wird:

Sommerloch

Während es in seiner natürlichen Umgebung nur als saisonal bedingtes Phänomen auftritt ist es treuen Lesern von “Screwtape’s” bestens bekannt, da es uns gelungen ist das possierliche Tierchen ganzjährig zu halten. Ein krypto-zoologischer Erfolg der bisher nur ganz wenigen Fachleuten, wie etwa den Experte der Bild Zeitung, vorbehalten war.

Das Sommerloch als solches reagiert äußerst empfindlich auf äußere Umwelteinflüsse, die sein Wachsen begünstigen oder auch hemmen können. So ist zu Beispiel die Meldung, daß Paris Hilton von ihrem Opa enterbt wurde, auf “Zeit Online” ein eindeutiges Zeichen dafür, daß das derzeitige Nahrungsangebot ideale Vorraussetzungen für ein Sommerloch bieten.

Zwar ist die “Zeit” grundsätzlich für ihre reißerischen und populistischen Titel bekannt, dennoch erreichen wir hier eine neue Qualität des Journalismus. Uninformierten Quellen zufolge soll in der gemeldeten Angelegeheit übrigens bereits ein Menschenrechtsauschuss der vereinten Nationen gebildet werden. Als Soforthilfe soll Paris Hilton kurzfristig von Donald Trump adoptier, einem russischen Milliardär gekauft oder von Horst Seehofer geschwängert werden.

Das bekannte Lifestyle-Magazin “Der Spiegel” macht in seiner aktuellen Ausgabe dagegen mit dem reißerischen Titel “Das Böse im Guten – Die Biologie von Moral und Unmoral” auf. Ideal bebildert mit allem was den gemeinen Bildungsbürger zu so einem Thema rein optisch stimulieren würde: Schießende Palästinenser, ein paar Serienmörder, Saddam am Galgen (solange das noch unter halbwegs aktuellem Zeitgeschehen läuft), ein paar wichtig schauende Wissenschaftler und Sachverständige und natürlich immer unabdingbar bei solchen Themen: Nazis.

Wenn gleich der gesättigte Medienkonsument sich auch mal wieder ein paar frischere Bilder gewünscht hätte. Wie wäre es zum Beispiel mit Wolfgang Schäuble beim heimlichen online durchsuche? Brigitte Zypries bei der Erstellung des 37. Korbes der Urheberechtsnovelle? Horst Seehofer beim schwängern von Paris Hilton? Erfrischend natürlich ist ja seinerzeit das Jugendmagazin Geo bei seiner Ausgabe zum gleichen Thema vorgegangen und hat zu seinem Heft ähnlicher Themenlage gleich konsequent den Chef der Deutschen Bank Herrn Ackermann auf den Titel gebracht hat.

Wie könnte man ein solches Thema auch besser illustrieren als mit Menschen, deren Motto es ist: Kein Niveau ist so niedrig als daß ich mich nicht doch noch darauf herab begeben könnte (Anmerkung des Verfassers: sollten Sie das Thema selbst einmal zu illustrieren haben, biete ich gerne meine Dienste als Fotomodell. Anfragen bitte nur schriftlich. Für einen arte Themenabend stehe ich kostenfrei zur Verfügung.)

Aber alleine die Tatsache, daß ich mir den Artikel nicht durchgelesen habe sondern lediglich die Bilder überblättert habe zeigt doch wie wichtig es in unserer heutigen Gesellschaft noch ist, daß ein deutsches Magazin über Ethik und Moral schreibt.

Womit ich auch schon elegant eine Überleitung finde zu Helmut Markwort, dem Bud Spencer ohne Bart des deutschen Journalismus, und seinem Wissenschaftsmagazin “Focus”. Dessen Redaktion wendet sich in der aktuellen Ausgabe dem Alkohol zu und wem die Fernsehwerbung noch im Kleinhirn nachhallt, der ist sicher, daß tut die Redaktion auch anderswo.

Stringenterweise habe ich auch hier den Artikel nicht gelesen, ja hier habe ich noch nicht einmal das Heft in die Hand genommen sondern mir den gesamten Informationsgehalt durch Betrachtung des Titelbildes erarbeitet. Aber Alkohol ist ja irgendwie auch wie Sex: immer gut für eine Titelstory und an neuen Erkenntnissen mangelt es nie, solange man nur will.

Bei all den bewegenden Berichten kommt dann ganz bescheiden das konservative Nachrichtenmagazin “Titanic” mit einem nüchternen aber gut recherchierten Aufmacher daher, den ich abschließed einfach mal so für sich stehen lassen will.

Titanic

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Absolute Spoiler!

Am Samstag ist es dann endlich soweit. Der letzte Band “Harry Potter” kommt in die Buchhandlungen und alle Welt will wissen: Wie geht es aus? Nun hier bei der alten Spaßbremse von Screwtape’s erfahren Sie alle schockierenden Auflösungen schon vorab:

- Lord Voldemort ist in Wahrheit Lukes Harrys Vater.

- Dumbledore ist gar nicht tot. Er lebt in einer anderen Dimension in einer alternativen WG mit Lady Diana, Elvis Presley und dem Yeti.

- Draco Malfoy ist heimlich ein Transvestit. Hinter seinem aggressiven Auftreten hat er stets nur seinen verletzlichen Kern versteckt.

- Hermine ist in Wahrheit der Kopf eines weltweit verzweigten magischen Mafia Mobs.

- Ron erfährt, daß er als einziges der Weasley Kinder adoptiert ist.

- Butterbier enthält bewusstseinserweiternde Substanzen die es zur härtesten Droge aller Zeiten machen. Hermines Organisation macht damit einen jährlichen Umsatz der dem 15fachen des slawodawonischen Inlandsprodukt entspricht. Ron wird schwer abhängig.

- Sabine Christiansen wird als Voldemorts Zwillingschwester identifiziert. Sie wurden bei der Geburt getrennt.

- Voldemort ist eigentlich ein ganz Lieber. Er hatte Zeit seines Lebens immer nur unter der Trennung von seiner Schwester gelitten. Es stellt sich heraus daß der wahre Bösewicht immer im Hintergrund agiert und Voldemort stets seine Marionette war.

- Der wahre Schuft ist fieser und verbitterter kleiner Zwerg in einem Rollstuhl. Sein Name ist Darth Schwäbli.

- Im packenden Finale – Voldemort bekämpft Darth Schwäbli zusammen mit seinem Sohn Harry – wird der Schurke von einer von Hagrid heimlich gehaltenen Killermotte gefressen. Sein Rollstuhl wird in die Feuer des Mount Doom geworfen.

So, nachdem Sie nun eh schon alles wissen können Sie sich den Kauf des Buches auch sparen.

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In der Dunkelheit

In seiner aktuellen Kolumne im wiederauferstandenen, neu gefundenen Zeitmagazin schreibt Harald Martenstein den tollen Satz “Wie jeder Mensch bekomme ich Briefe, die ich zu spät oder gar nicht beantworte, aus Überforderung.”

Ein Satz, den ich ohne zu zögern direkt übernehmen könnte. Auch ich beantworte Briefe oftmals nicht, oder nicht rechtzeitig und empfinde das dann an mir selbst immer als Unhöflichkeit. Wie zum Beispiel den Brief von Anke.

Ich muß gestehen, daß ich auch ein wenig überfordert war, im Großen und Ganzen konnte ich aber bisher nichts antworten weil sie im Grunde Recht hat. Warum also schreibe ich gelegentlich mal so einen Mist wie neulich?

Ich habe mir lange überlegt, ob ich dies hier erwähnen soll, ich denke aber ich bin es einigen Leuten die hier mitlesen schuldig. Ich werde es also nur einmal und nur heute erzählen und dann wieder versuchen mit mir selbst ins Klare damit zu kommen.

Ich habe seit mehreren Jahren mehr oder weniger schwere Depressionen. Der medizinische Fachterm dazu lautet Dysthymie, zumindest hat dies ein Neurologe mal auf eine Überweisung geschrieben. Ich kann nicht genau sagen wie lange ich schon so bin, vermutlich schon gute 15 Jahre, fast mein halbes Leben also.

Anfangs habe ich es nicht so bewusst wahr genommen, es war vermutlich auch nicht so ausgeprägt wie heute. Ich war halt öfters mal schlecht drauf, aber was erwartet man auch von einem Teenager, der auf die Smiths oder The Cure steht?

Während des Studiums hatte ich dann meine erste ernsthaftere Krise. Schon damals war ein Arzt der Ansicht ich solle mich behandeln lassen, ein anderer verschrieb mir Johanniskraut-Pillen und gab mir den bodenständigen, landärztlichen Rat ich solle mich halt ein wenig zusammenreisen, anderen würde es auch schlecht gehen.

Dieser Rat, sich zusammenzureisen, ist einer der Sätze, die ich vermutlich am Meisten in meinem Leben bisher gehört habe. Ich bin in einem Umfeld aufgewachsen, in der dieser Satz die universelle Lösung für seelische oder emotionale Ausnahmezustände ist und mit der Zeit hat sich in mir der Glauben gebildet, daß ich mich vermutlich wirklich nicht genug anstrenge um mich besser zu fühlen.

Vor einigen Jahren war ich dann wieder einmal bei einem Arzt, in erster Linie wegen Kopfschmerzen und Müdigkeit. Dieser Arzt, dem ich aus heutiger Sicht recht dankbar bin, hat mir zum ersten Mal in meinem Leben Antidepressiva verschrieben. Das zu akzeptieren war zunächst ein ziemlich harter Brocken.

Er hat mir auch den Rat gegeben therapeuthische Hilfe zu suchen, was ich zunächst grundsätzlich abgelehnt habe. Ich habe mit einer äußerst leidlichen Disziplin die Pillen geschluckt und ansonsten versucht nicht weiter darüber nachzudenken. Ich hatte ja auch öfters recht gute Phasen und gerade in den guten Phasen denkt man sich, daß man doch gelegentlich zu sehr übertreibt und es eigentlich keine Notwendigkeit gibt etwas zu tun. Und in den schlechten Phasen hatte ich schlichtweg zu wenig Energie etwas zu tun.

Was letztendlich den Ausschlag gegeben hat mir dennoch professionelle Hilfe zu suchen kann ich nun nicht mehr sagen. Vielleicht war es die Einsicht, daß es so nicht weitergehen kann, vielleicht war es der gescheiterte Selbstmordversuch einer Freundin oder es war die Erkenntnis, daß ich nicht der einzige mit diesen Probleme bin. Sehr wahrscheinlich war es eine gewisse Mischung aus allem.

Seltsamerweise hatte ich nie richtige Probleme mit dem Alltag. Ich konnte meinen Job ohne Probleme erledigen, konnte Einkaufen, den ganzen Papierram mit Versicherungen, Banken, Behörden etc. ohne Probleme erledigen. Aber die Zeit in der ich nicht “funktionieren” musste, die Zeit, die eigentlich mir gehörte wurde immer unerträglicher und ich habe persönlich immer mehr abgebaut.

Seit knapp zwei Jahren nehme ich nun regelmäßig Medikamente. Es ist mir immer noch zuwider aber inzwischen habe ich zumindest die Disziplin sie regelmäßig zu nehmen. Ich denke das ist schon einmal ein Fortschritt. Ich gehe nun auch regelmäßig zu einem Therapeuthen, hier sind zumindest für mich aber noch keine klaren Fortschritte erkennbar. Aber ich versuche geduldig zu sein.

Ich schreibe dies hier alles, weil ich denke, das ich einigen Leuten eine Erklärung schuldig bin. hin wieder entgleitet mir wieder alles und dann genügen Kleinigkeiten um mich wieder in die Dunkelheit absinken zu lassen. Dann kommt es unter anderem zu Texten wie neulich.

Ich schreibe dies, weil es vielleicht auch mal jemand liest, der sich in einer ähnlichen Situation befindet und der damit weiß, er ist nicht allein. Wie bereits erwähnt hat es mir selbst einiges geholfen zu wissen, daß ich nicht alleine bin.

Ich weiß auch, daß es da draußen den einen oder anderen geben wird, der jetzt vermutlich schon begonnen hat eine E-Mail zu verfassen um mir mitzuteilen, daß ich mich hier nicht selbst bedauern soll und nicht um das Mitleid des Web-Auditoriums zu betteln soll. Spart Euch die Mail.

Wenn Ihr wirklich glaubt, daß ich das hier nur geschrieben habe um Euer Mitleid zu bekommen, dann habt Ihr es nicht wirklich kapiert. Euer Mitleid ist das, worauf ich im Augenblick am meisten verzichten kann. Kaum jemand, der nicht schon einmal selbst unter einer andauernden Depression gelitten hat wird vermutlich verstehen wie man sich dabei fühlt.

Das war es. Ich hoffe daß jetzt ein wenig verständlcih geworden ist, warum ich manchmal schreibe wie ich schreibe, warum ich manchmal bin wie ich bin. Ich werde nicht noh einmal versuchen mich zu erklären.

Ich weiß, die Dunkelheit wird immer da sein. Aber ich will weiter versuchen zu lernen mit ihr zu leben.

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Cornflake Girl

Ticket

Ich hab’s geschafft. War wirklich großartig und an dieser Stelle noch einmal meinen Dank an die geduldige und freundliche Begleitung, ich fürchte ich habe mich nicht immer unbedingt von meiner besten Seite gezeigt. Ich vermute ich bin mittlerweile einfach zu sehr ein eigenbrödlerischer, grantiger und nörgelnder alter Penner.

Tori Amos war jedenfalls phänomenal. Zum einen hat die Frau eine unglaubliche Präsenz und kann mit bloßem Erscheinen den Saal für sich einnehmen. Zum anderen nudelt sie nicht einfach das Programm runter sondern schafft es immer wieder auch bekannte Songs so zu spielen als ob man sie zum ersten Mal hören würde. Keiner der Songs klang wie auf dem Album, mal war das Tempo schneller oder langsamer, mal wurden Texte anders betont und die anwesenden Mitglieder der kleinen Kapelle trugen auch mit ihren Instrumenten zu einem neuen Erlebnis bekannter Dinge bei.

Es war als würde man ein bekanntes Stück von Shakespeare in einer neuen Interpretation erleben: Man kennt den Inhalt, hat den Monolg schon tausend Mal gehört und dennoch, genau in diesem Augenblick, erlebt man alles noch einmal neu.

Ein paar Wermutstropfen gab es dann dennoch. Zunächst war es unschön laut für jemanden, der wie ich etwas idiosynkratisch auf Lärm reagiert. Die Technik hätte die Verstärker ruhig ein wenig zurück drehen können. Dann haben mich die bunten Lichte auf der Bühne doch dann und wann etwas geblendet, was das gesamte Erlebnis auch ein wenig getrübt hat.

Im Vorprgramm trat übrigens Joshua Radin auf, den man sich durchaus merken sollte, wenn man auf etwas ruhigeren Folk steht. Der hat sich zur Verstärkung seiner Darbietung eine junge Frau namens Schuyler Fisk mit auf die Bühne geholt, die nebenbei auch noch die Tochter von Sissy Spacek ist. Aber das nur am Rande.

Ein Konzert, das es letztendlich rundum wert war. Und noch einmal, man kann es ja nicht oft genug sagen, mein Dank geht an die geduldige und freundliche Begleitung und an die nicht minder wunderbare junge Frau oben im Rheinland die mich letztendlich erst dazu überredet hat.

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