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Archive for January, 2008

Abgewählt und ausgezählt

So, ich habe gewählt. Hessen ist nun mittlerweile das dritte bundesland in dem ich meine Stimme als wahlberechtigter Bürger abgeben durfte und es ist mir selten so schwer gefallen wie dieses mal.

Mittlerweile scheint es ja fast schon egal zu sein was zu wählen, die beiden großen Parteien sind sich inhaltlich so nahe, das jede Unterscheidung schwer fällt, sieht man mal von der üblichen Polemik ab.

In der Vergangenheit habe ich ja tendenziell meine Stimme immer den Sozis gegeben weil ich mich der klassischen SPD immer am nächsten gefühlt habe. Aber die gibt es nicht mehr, irgendwie scheint mir Helmut Schmidt der einzig übrig gebliebene Politiker zu sein aus einer Zeit als Politik noch eine Bedeutung hatte. Überhaupt muß man Herrn Schmidt auch heute noch großen Respekt zollen und sei es nur dafür, daß er raucht wann und wo es ihm passt.

Der SPD jedenfalls konnte ich meine Stimme diesmal nicht geben. Die fassen sowas ja immer gleich als Bestätigung auf, das kann ich auf keinen Fall zulassen.

Und ganz ehrlich, bevor ich der CDU und isnbesondere diesem altklugen, populistischen Suppenkasper den die Partei hier in Hessen hat meine Stimme gebe, beiße ich mir lieber die rechte Hand ab. Hat keine politischen Gründe daß es die rechte ist, ich bin nunmal Rechtshänder und damit wäre das die Hand mit der ich potentiell das Kreuzchen machen würde.

Was also tun? Gelb und Grün gehen ja definitv auch nicht mehr, das Ganze noch eine “Wahl” zu nennen grenzt ja schon fast an eine Farce. Dabei möchte ich das alles nicht wirklich als Politikverdrossenheit verstanden wissen, es ist mehr eine Art Parteienverdrossenheit.

Nicht zu wählen ist ja auch keine Lösung. Also habe diesmal die freien Wähler und eine Randgruppenpartei das Rennen in meiner Gunst gemacht. Kann man ruhig sagen, ist ja eher unwahrscheinlich, daß dies noch etwas ändert.

Außerdem durfte ich beim Wahlgang ein älteres Ehepaar beobachten, daß gemeinsam die Wahlkabine betrat. Aus dem nicht zu überhörenden Dialog ging hervor, daß die Frau sich von ihrem Mann zeigen ließ wo sie die Kreuzchen zu machen habe.

Was sie genau gewählt haben, konnte ich leider nicht erfahren. Herrn Koch dürfte es dennoch freuen. Wie ich gelesen habe war es ein verbreiteter Brauch bei der letzten Wahl in Afgahnistan daß der Herr des Haushalts auch die Kreuzchen für die Frau Gemahlin gemacht hat. Bessere Vorrausetzungen für eine Integration kann es also kaum geben.

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The Killing Joke

Wenn ich dieses Jahr nur noch einmal ins Kino dürfte und nur noch einen einzigen Film sehen dürfte, meine Wahl würde auf “The Dark Knight” fallen. Zum einen erwarte ich, daß es vermutlich der beste Comic-Film aller Zeiten wird. Zum anderen haben mich die ganzen Berichte, Fotos und Trailer schon extrem angefixt und ich erwarte eigentlich, daß Heath Ledger einen beängstigenden, erschreckenden und ungemein psychopathischen Joker abgibt.

Der Joker ist der klassische Gegner von Batman, er ist das was Moriarty für Holmes oder Darth Vader für Luke Skywalker ist. Beide Figuren sind eigentlich ohne einander nicht denkbar und deshalb kann man diese Rolle nicht irgend jemandem geben. Heath Ledger schien mir die ideale Besetzung zu sein.

Und nun ist er plötzlich tot. Mit 28 Jahren. So geht das.

Das zieht einem echt irgendwie den Boden unter den Füßen weg.

Ich war eigentlich kein großer Fan von Heath Ledger, er war nicht der Typ, von dem ich jeden neuen Film sehen musste, der raus kam. Und dennoch habe ich erstaunlich viele Filme von ihm gesehen. Er hatte was und ich will nicht alles noch einmal erzählen, was von Frau Gröner schon so treffend gesagt wurde.

Vor wenigen Wochen noch habe ich “Candy” auf DVD gesehen und es war einer der Filme, bei denen die Geschichte noch lange neben einem her geht. Und man hat gemerk: Der Junge, der ist ein Star. Vielleicht kein großer aber ein beständiger.

Ich kann nicht sagen warum der Tod eines wildfremden Menschen einem so nahe geht. Vielleicht sind es die Umstände und daß ich in meinen düstersten Alpträumen selbst so sterbe. Vielleicht ist es daß Mitleid mit denen die zurück geblieben sind, die ihn geliebt haben und deren Gefühle ich so stark nachempfinden kann, weil ich sie selbst leider schon zu oft durchlebt habe.

Ich weiß es nicht, aber bei einem bin ich mir ziemlich sicher: Es ist nicht fair.

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Schwarze Gedanken

Einer der bedeutendsten und einflussreichsten Künstler der europäischen Comic-Szene ist mit Sicherheit Andre Franquin gewesen. Seine Arbeiten, seien es der große Einfluss den er bei Spirou und Fantasio hatte oder die von ihm geschaffenen Figuren des Marsupilami oder des Bürboten Gaston, sind heute nicht nur den tieferen Leibhabern der Comic-Kunst sonder auch einem breiten Publikum bekannt.

Was nicht viele Menschen wissen, ist daß Franquin Zeit seines Lebens unter schweren Depressionen litt. Als Betroffener weiß ich selbst nur zu gut wie schwierig es ist die eigene Dunkelheit zu erklären und anderen Menschen begreiflich zu machen. Franquin hatte für sich seinen eigene Weg gefunden.

1977 begann er die Serie “Schwarze Gedanken” zu zeichnen, eine Reihe ohne einen klassischen (Anti-)helden sondern präzise in Schwarz-Weiß gehaltenen Beobachtungen von Szenen die das alltägliche Leben so unerträglich erscheinen lassen. Dabei lässt er keine Gnade walten, häufig kommen die Protagonisten auf grausame (und manchmal auch verdiente) Art ums Leben.

Nicht selten wird dabei die Grenze des guten Geschmacks gestreift oder gar weit überschritten und dennoch zeigt Franquin mit seinem grotesken Humor die Tragik des Alltags wie sie eben ist. Dabei haben tragischerweise viele der “schwarzen Gedanken” ihre Bedeutung auch kanpp dreißig Jahre später nochnicht verloren.

Da sind etwa die Anwälte und Polizisten die sich sorgen, als ein Verurteiler stürzt, daß der Sturz ihn tödlich verletzt hätte. Als dieser sich dann aber unverletzt erhebt können alle wieder erleichtert ihrem ursprünglichen ziel nachgehen: Den Delinquenten zur Guillotine zu eskotieren, nicht ohne ihn doch noch einmal darauf hinzuweisen wie er sie mit seinem vermeintlichen vorzeitigen Ableben erschreckt hat.

Alle bekommen sie ihr Fett weg, Umweltsünder, Industrielle, Politiker, Anwälte, Militärs oder auch nur der arme Teufel, der zur falschen Zeit am falschen Ort war. Und ein Licht in der Dunkelheit muss noch lange kein Grund zur Hoffnung sein, also würden bitte diese ganzen übereifrigen Optimisten mal kurz still sein?

Schwarze Gedanken

Was bleibt einem also noch in einer Welt, in der einem der Verstand eigentlich sagt, daß es nicht mehr viel Hoffnung gibt? Man kann sich immer noch über sie lustig machen. Das ändert zwar nichts aber es gibt einem ein ganz klein wenig ein besseres Gefühl.

Andre Franquin ist seine Depressionen bis zum Ende seines Lebens nicht mehr losgeworden.

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