Archive for June, 2008

Bad Day

Und dann war ich noch in der Stadt in der ich 6 Jahre lang eine Wohnung hatte und schon bei der Einfahrt überkam mich so ein befremdliches Gefühl von etwas wovor ich mich eigentlich gefeit sah: Ich verspürte so etwas wie Heimweh.

Und eigentlich gibt es immer noch genug was mich an Köln stört. Die Promenade am Rheinufer verdient den Rahmen nicht, die öffentlichen Verkehrsmittel bestehen zu einem gewissen Prozentsatz immer aus “Schienen-Ersatzverkehr”, der Dom sieht aus als wäre er von unten durch den Roncalli-Platz genagelt und architektonisch wurden in der Stadt mehr Grausamkeiten begangen als es Friseusen in Bottrop gibt.

Die Einwohner bestehen größtenteils aus den typischen rheinischen Frohnaturen, denen man am liebsten einen alten Silvesterkracher in den Hintern schieben und anzünden möchte oder aus hippen jungen Leuten, die “irgendwas mit Medien” machen oder aus dynamischen Jung-Managern für die das beste an Köln die Autobahn-Auffahrt nach Frankfurt ist.

Und dennoch hab ich gespürt wie sehr mir diese Stadt fehlt. All die hässlichen, unperfekten Häuser, das jämmerliche Gesocks in den Kneipen, welche diese traurige Entschuldigung für Bier schlürft, die dort ausgeschenkt wird. Mir fehlt mein liebstes Kino in Deutschland, das Metropolis am Ebertplatz. Mir fehlt es im Sommer unten am Rheinufer zu sitzen. Mir fehlt der italienische Feinkostladen, der hausgemachtes Tiramisu verkauft. Und vor allem fehlt es mir raus zu gehen und mich ruhig unter all dem anderen menschlichen Abschaum zu bewegen und in der Masse unter zu gehen.

Und mir wird nicht zum ersten mal klar, daß der Wechsel nach Darmstadt vielleicht doch nicht so eine gute Idee war. Köln war ein langes strapazierendes Kapitel in meinem Leben, aber es ist zu Ende geschrieben und zurück zu kommen wäre irgendwie der Versuch ein Urlaubsgefühl im Sfari-Park zu simulieren.

Als ich wieder in Darmstadt ankomme muss ich auf die Strassenbahn warten und will mir in der örtlichen Burgerbraterei die Zeit vertreiben. Was, wie sich herausstellen sollte eine schlechte Idee war, da wenig Betrieb herrscht und die Servicekraft, welche meine Wünsche entgegen nimmt von der eher leutseligen Art ist. Mir ist relativ wenig nach menschlichem Kontakt und dennoch erfahre ich Dinge, die ich nicht wissen wollte, zum Beispiel daß mein McDonalds-Kundenberater aus Kassel kommt und schon zwoeinhalb Jahre in Darmstadt wohnt. Will ich nicht wissen. Echt nicht.

Ich gehe raus aber da ist die Welt nicht besser. Draußen sitzen Konsumenten von organisch produziertem Kraut, welches sie inhalierenderweise zu sich nehmen. Und sie sind verdammt gut drauf und auch das ertrage ich nicht. Warum Leute durch Kiffen plötzlich so gut drauf sind werde ich nie verstehen. Mich hat es immer nur noch depressiver gemacht, erfreulicherweise aber in Kombination mit einer leichten “eh-alles-egal” Haltung was mir das Leben zumindest temporär erträglicher gemacht hat.

Zu hause angekommen werde ich von Nachbarn mit den sanften Klängen von Bongos empfangen. Trommeln für den Weltfrieden oder so ein Schwachsinn.

Doch, ich denke ich kann durchaus behaupten, ein ziemlich beschissenes Wochenende gehabt zu haben.

Ich hasse es hier.

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Back on the street

Eine Woche bin ich nun zurück im Job und ich hätte nicht gedacht, daß es mir so schwer fällt den Alltag wieder aufzunehmen. Daß es einfach wird hat auch niemand erwartet.

Ich versuche zu verstehen wie es soweit kommen konnte. Mit meinem Kopf. Denn darin spielt sich dann letztendlich alles ab. Das menschliche Gehirn ist bereit rein anatomisch ein unbeschreiblich komplexer Apparat der aus endlos vielen Einzelteilen besteht. Limbisches System. Corpus callosum. Medulla oblongata.

Dazu kommen dann noch die ganzen neurochemischen Stoffe wie Serotonin und Noradranlin. Irgendwas im Gesamtsystem ist kaputt aber man weiß nicht genau was. Irgendwo, irgendwann ist irgendwas schief gelaufen aber ich kann mich nicht mehr so genau daran erinnern.

Ich war aber vermutlich beteiligt. Deshalb habe ich nun die Strafe zu erdulden obwohl das niemand so nennen mag. Bestimmte Dinge geschehen einfach in der Welt, da nimmt man hin und sagt: Das ist halt Schicksal. Das Verbrechen besteht nur darin das Schicksal beim Namen zu nennen. Das tut man einfach nicht, nicht mal heimlich.

Manche Menschen glauben wirklich eine Therapie funktioniert wie eine Autowerkstatt. Man schiebt den kaputten Menschen rein und lässt eine handwerklich geschulte Fachkraft daran rumwerkeln. Wenn er dann rauskommt funktioniert er wieder so wie man sich das vorstellt. Man sieht im nicht mehr an daß er mal defekt war.

Die Tagesklinik hat mich abgelehnt, meinten es wäre ungeeignet für mich und ich solle lieber vollstationär gehen. Davor fürchte ich mich aber. Noch mehr als vor dem Alltag. Ich warte jetzt auf einen Platz in einem speziellen Therapieprogramm für Borderliner. Wird aber vermutlich Herbst werden sagt die Psychiaterin.

Bis dahin heißt es Zähne zusammenbeißen und hoffen, daß ich nicht wieder überwältigt werde von der Angst und dem Zweifel.

Manchmal bin ich wütend. Wegen all dem Leben das mir gestohlen wurde. Man sagt mir dann ich wäre ja noch jung als ob dies eine Entschädigung wäre für all die entgangene Zeit. Die meisten Menschen wissen nicht wie das ist die eigene Lebenszeit zu verlieren. Es hat nichts mit Selbstmitleid zu tun, es ist fast ein organischer Prozess. Wie das ziehen eines Weisheitszahnes oder dem entfernen des Blindarms. Was einmal weg ist, ist weg.

Everybody is damn’ therapist nowadays.

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