31 August 2008
· Alltägliches
Den Umständen entsprechend. Sagt man so und meint eigentlich geht es mir nicht gut, ging aber schon mal schlechter. Also geht es mir jetzt gut, den Umständen entsprechend.
Die Umstände, das sind eben eine Borderline Persönlichkeitsstörung und die damit einhergehenden Depressionen. Mit letzteren konnte ich in den vergangenen Wochen langsam besser umgehen. Ich mache dafür ein neues Medikament verantwortlich, mit dem mich die Psychiaterin meiner Wahl versorgt.
Es trägt den eingängigen Namen Stangyl und kommt in kleinen Fläschchen daher. Ein paar Tropfen zur Nach und ich kann wieder ein wenig besser schlafen. Und jeder der mal zwei Nächte hintereinander komplett ohne Schlaf verbracht hat wird bestätigen können das man an Schlaf schon was hat wenn er denn kommt.
Abgesehen davon hat sich leider nicht wirklich was gebessert, weshalb es mir eben nur den Umständen entsprechend gut geht. Die innere Unruhe ist geblieben, der unstillbare Hunger auf wirkliches, echtes Leben und nicht dieses Junk-Food was ich derzeit täglich mein Leben nenne.
Der Jahrestag steht bald an, in ein paar Wochen und immer wenn es soweit ist wächst die Unruhe in mir. Das Gefühl nicht die Erwartungen erfüllt zu haben, was sie wohl heute denken würde, würde sie noch leben. Und die bittere Vermutung das Beste schon hinter sich zu haben. Von jetzt ab geht es nur noch bergab, aber man sollte stilvoll fallen. Anders ist es ja gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert.
Einsamkeit. So sehr, man möchte eigent heulen, allein die Tränen wollen nicht kommen. Eigentlich ein Widerspruch, scheint mir doch mindestens jeder zweite Mensch dem ich begegne zuviel zu sein auf dieser Welt.
Eine innere Stimme sagt mir ich solle die Zeit nutzen, die noch da ist. Gut gesprochen Stimme! Allerdings sagt sie mir nicht wie. Ich werde ungeduldig.
Was können sie tun, fragt Frau Doktor. Und ich antworte ruhig bleiben und abwarten.
Das ist ja schon mal was.

21 August 2008
· Film
Erwartungsmanagement. Das ist so eine Sache. Seit langem habe ich keinen Film mehr so sehr herbei gesehnt wie den neuen Batman Film. Daß er bei uns Wilden hier in Deutschland erst 4 Wochen nach seinem Start in den USA gezeigt wird hat die Erwartungshaltung nur noch verstärkt. Und mal unter uns , nach meiner Ansicht sind mir die Warner Brüder jetzt mächtig was schuldig wegen dieser seelischen Grausamkeit.
Die Presse überschlägt sich vor Lob, in der IMDB nahm “The Dark Knight” ganze zwei Wochen Lang den Platz 1 der Top 250 Filme ein und mir blieb nichts weiter übrig als gefühlte 1000 mal den Trailer bei YouTube anzuschauen. Was widerum nur die Erwartungen nach oben geschraubt hat.
Zwischenzeitliche Pläne nach London zu reisen um den Film dort zu sehen wurden auf Grund der eigenen mentalen Instabilität wieder verworfen. Blieb also nichts weiter übrig als auf den offiziellen Start zu warten.
Und dann war es endlich soweit und um es in einem Satz zu sagen: Es ist der beste Batman aller Zeiten geworden. Die Unterwelt von Gotham City wurde durch Batman gehörig aufgewirbelt und die offiziellen Staatsdiener verlassen sich all zu sehr auf den Vigilanten.
Der gemütliche Kampf gegen das Verbrechen wird aber all zu unangenehm als ein Verbrecher von einem ganz neuen Kaliber auf die Bühne tritt: der Joker. Er lässt sich schwerer bekämpfen als all die Gangster und Mafia-Bosse mit denen es Batman zu tun hat. Sein Ziel ist nicht Geld oder Macht, er wird nicht von Rache getrieben. Sein einziger Ehrgeiz liegt darin Chaos und Anarchie zu stiften.
Der leider viel zu früh verstorbene Heath Ledger spielt hier wörtlich die Rolle seines Lebens. Sein Joker ist die psychopathischste Figur der Filmgeschichte die ich kenne. Hannibal Lecter wirkt im Vergleich dazu wie ein freundlicher Opa.
Fans der Comics werden sich über viele Anleihen der Vorlagen freuen ob es nun Frank Millers “Dark Knight” oder Alan Moores “The Killing Joke” ist. Was eine werkgetreue Adaption anbelangt wurde hier ganze Arbeit geleistet.
Und dennoch verlies ich das Kino dann mit einem leicht unbefriedigenden Gefühl. Als ob man sich gerade den Bauch mit den tollsten Leckereien vollgschlagen hat aber dennoch hungrig ist.
Erwartungsmanagement. Das war hier das Problem. So hoch wie meine Erwartungen an den Film waren konnten sie gar nicht erfüllt werden.
Zukünftig sollte ich mich weniger auf Fan-Seiten im Internet rumtreiben.
