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Archive for May, 2009

In Therapie

Von außen betrachtet hat Therapie ja immer etwas Simples und Lustiges. Jeder kennt doch Woddy Allen wie er auf der Couch liegt oder auch Mr. monk der ohne die wöchentlichen Besuche gar nicht kann. Dabei sind das doch eigentlich ganz nette verschrobene Kerle und am Ende stehen Sie auf, marschieren fröhlich zur Tür hinaus und gehen munter ihren Alltagsneurosen nach.

In Wirklichkeit ist das natürlich nicht so einfach und schon gar nicht so lustig aber wie weit sich die Leinwand von der Realität entfernt hat weiß man ja inzwischen. In der Realität ist eine Therapie nämlich so ziemlich das unangenehmste und anstrengendste was man in seinem Lbeen durchmachen kann. Außer vielleicht die Gründe, die einen in die Therapie getrieben haben.

Nach dem Ende einer Sitzung geht man nämlich in den meisten Fällen nicht frisch und gestärkt daraus hervor, zumindest am Anfang nicht, wenn man zusammen mit dem Therapeuthen noch ein paar Grundlagen erarbeiten muß. Dann hat man oftmals nämlich das Gefühl man hätte gerade den Ärmelkanal durchschwommen oder wäre mit ein paar Wackersteinen im Rucksack auf einem Bein den Mount Everest hoch gehüpft. Manchmal hat man auch das Gefühl als hätte man einen riesigen Kater ohne die befriedigende Erkenntnis vorher wenigstens ordentlich gezecht zu haben oder den Eindruck die gesamte Umgebung biete nicht genügend Luft zum Atmen.

Da kann man schon mal die Geduld verlieren und an dem Sinn des ganzen Zweifeln. Auch eine tief sitzende Abneigung gegen den Therapeuthen ist nichts wirklich ungewöhnliches. Es sei allen gesagt die daran denken in Therapie zu gehen, daß man Geduld haben sollte und daß es sich langfristig sicherlich lohnt (hoffe ich doch). Das sagt einer der sich bereits im dritten Anlauf einer Therapie befindet.

Inzwischen dachte ich, ich hätte die Sache m it der Therapie einigermaßen im Griff. Da kommt meine Therapeuthin auf die Idee, daß ich parallel zu den Einzelsitzungen auch noch eine Gruppentherapie mache. Und damit geht das ganze Theater wieder von vorne los.

Zunächst einmal habe ich das Ganze rundherum abgelehnt. Mit wildfremden Menschen über die eigene verkorkste Gefühlslage sprechen. Kommt ja so was von überhaupt nicht in die Tüte.

Zum einen Mal reicht es ja wohl, daß man schon regelmäßig in der Einzeltherapie blan zieht, seelisch betrachtet versteht sich. Da muß man das nicht auch noch vor fremden Menschen machen die allesamt auch einen an der Waffel haben, ich bin doch nicht verrückt. (Also genau genommen bin ich es ja, aber nicht so).

Zum anderen haben andere Menschen, die in einer Gruppentherapie sind, die Eigenschaft daß sie eben solche sind. Menschen meine ich. Und von denen kann man nach meiner bisherigen Erfahrung nichts Gutes erwarten, Einzelfälle mal ausgenommen. Nach meinen Erkenntnissen der letzten knapp 35 Jahre wird man von ihnen früher oder später verraten, betrogen und verlassen. Auf einer lang genug angelegten Zeitachse passiert das irgendwann unweigerlich. Um so mehr wenn man sie zu nahe an sich heran lässt.

Das mag nun etwas drastisch klingen, aber das ist die Welt in der ich gerade lebe. Und es ist mir durchaus bewusst, daß dies nicht die gesündeste Einstellung ist, aber ich kann nun vorerst mal nicht ändern, daß ich genau so empfinde. Das ist ja auch einer der Gründe warum ich mich gerade in Therapie befinde.

Nur keine Gruppentherapie. Auf gar keinen Fall, mit anderen Menschen kann ich nicht.

Und seit knapp zwei Monaten befinde ich mich nun in so einer Gruppentherapie nach einem halben Jahr Überzeugungsarbeit meiner Psychiaterin/Therapeuthin und noch einmal einem halben Jahr Wartezeit. Und es ist genau so schlimm wie ich es erwartet hatte und sogar noch schlimmer.

Das erste was einem in einer Gruppetherapie bei gebracht wird, ist daß man nichts von anderen Patienten nach draußen trägt und das wil ich respektieren, nicht nur weil es eine Grundregel ist. Es sei nur soviel gesagt: Es gibt Teilnehmer die gehen mir gewaltig auf den Sack, die möchte man nur anbrüllen und davonjagen. Es gibt andere die möchte man nur ein wenig trösten. Es gibt solche, bei denen der Eindruck steht sie machen die Therapie zur Selbstverwirklichung und sie sind nur da weil sie sonst keine Bühne und kein Publikum haben. Und es gibt die, bei denen man sich sagt, daß man selbst trotz allem noch einmal ganz gut davon gekommen ist.

Für mich ist die Therapie bisher fast wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung. Ich mag den einen Therapeuthen zum Beispiel überhaupt nicht. Dann sind da all die Menschen mit denen man vielleicht einiges gemein hat, mit denen man dann aber doch lieber nichts zu tun haben möchte. Die ganzen Nebenwirkungen sind auch wieder da: Kopfschmerzen, Herzrasen, das Gefühl zu ersticken.

Da heisst es nun erstmal die Zähne zusammenbeißen und durch. Ob es was bringt wird die Zeit hoffentlich zeigen.

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