Noch ein Abschied (von U.)
Man lernt eine Frau kennen und mag sie. Man versteht sich und hat die selbe Wellenlänge wie es so schön heißt. Man geht zusammen ins Museum, man geht essen und frühstückt zusammen. Das ist schön.
Und kaum spürbar aber stetig erholt sich das angeknackste Selbstbewusstsein wieder. Man beginnt wieder positiv zu denken, glaubt wieder an sich selbst. Hey, sagt man sich, das geht doch noch. Du bist gar kein so schlechter Kerl, schau her, man mag dich.
Und als man dann zum Geburtstag der Frau eingeladen wird überschlägt man sich innerlich fast. Man sucht ein Geschenk, etwas besonderes. Es soll ihr zeigen wieviel sie einem bedeutet. Und man kommt bei ihr an, in ihrem Haus und sieht viele fremde Leute. Und einen Kerl.
Sie hält Händchen mit ihm. Legt ihre Hand auf seinen Schenkel. Und man ist still, den ganzen Abend lang. Innerlich will man zunächst nur schreien und irgend etwas kaputt schlagen. Und später will man dann in die Vergessenheit versinken. Aber man ist still und lächelt und erträgt alles stumm. Schließlich ist man sich nichts schuldig. Man kennt sich immerhin erst ein paar Wochen.
Der Abend zieht sich hin, man lacht über einen Witz, nimmt sich Brot und selbst gemachte Tomatencreme. Trinkt Bier von dem man heute nicht betrunken wird, so sehr man es sich auch wünscht.
Irgendwann ist man den Zirkus leid und man verabschiedet sich unter Vortäuschung von Kopfschmerzen. Sie bringt einen zur Tür und als man alleine ist sagt sie es täte ihr leid, das mit F. hätte sich in den letzten beiden Wochen irgendwie so ergeben. Und man antwortet: Mach Dir keinen Kopf, ist schon in Ordnung.
Aber das ist nicht das, was man sagen will. Man will sie anschreien, wie kann sie es wagen so mit einem zu spielen? Warum hat sie in den Telefonaten nichts gesagt? Warum lässt sie einen noch antanzen um gedemütigt zu werden?
Aber man tut es nicht, man lächelt, küsst sie auf die Wange und stapft Richtung U-Bahn. Und daran vorbei, weiter durch die Nacht. Vier Kilometer durch die Stadt, bis man plötzlich wieder vor der eigenen Haustür steht. Und man weiß, dahinter ist es dunkel. Weil niemand da ist.
Und was tut man dann? Man schwört sich, daß einem so etwas nie wieder passieren wird. Diesmal endgültig. Man freut sich, daß noch eine halbe Flasche Gin da ist. Die braucht man jetzt. Man sieht sich bis in die frühen Morgenstunden “Animal Crackers” auf DVD an und wundert sich, wie Groucho das immer ertragen hat.
Wenigstens hatte man ihr noch kein Weihnachtsgeschenk gekauft.




