Glauben Sie mir

In Köln ist derzeit die Hölle los die Stadt wird von aggresivstem Katholizismus belagert. Wo kann man da noch hin als Mike Screwtape, als Biondetto, le diable amoureux (und wie amoureux zur Zeit, das würden Sie gar nicht glauben), in welche Richtung kann man sich da noch wenden um ein wenig Ruhe zu finden?

Richtig! Um den ganzen Katholiken zu entkommen gibt es nur einen Ausweg: Auf nach Sin City! Aber die schwarz-weisse Friedlichkeit ist auch nicht für die Ewigkeit gemacht und so wird man nach zwei Stunden wieder in die monochrome Realität gejagt um auf den Straßen ziemlich debil lächelnden Pilgern zu begegnen. Alle gut erkennbar an ihren hellblauen Schlüsselbändchen und den Rucksäcken. Ich kann mich des Gedankens nicht erwehren, daß ein Weltjugendtag in London wohl derzeit so einige Probleme mit sich bringen würde.

Auf dem Weg in meine eigenen 50 qm Hölle kommt mir erneut eine Gruppe entgegen, die auch noch aus vollem Halse lobpreisende Lieder singen. Dies ist nicht das erste mal in dieser Woche, daß mich das Ganze ziemlich stark an den Kölner Karneval erinnert. Ob es im Anschluß ebenfalls zum Anstieg der Schwangerschaften kommt.

Als Sie auf einer Höhe mit mir sind kann ich nur mit Mühe das Bedürfnis zurückhalten mein diabolischstes Grinsen aufzusetzen und ihnen entgegen zu werfen “Wisst ihr, sie war gar keine Jungfrau mehr…” Aber um des lieben Frieden willens beise mir auf die Zunge und gehe weiter.

Dabei habe ich eigentlich gar nichts so richtig gegen Katholiken, ich bin da im Grunde sehr tolerant. Genau betrachtet bin ich sogar ein wenig religiös oder zumindest spirituell orientiert. Wenn man mich nach meiner Konfession fragt antworte ich meistens: Nicht-praktizierender Atheist. Will meinen ich glaube durchaus an Gott, obwohl er/sie/es es mir schon häufiger extrem schwer gemacht hat. Aber das ganze Konzept der Kirchen ist mir sehr, sehr suspekt.

Was mich am meisten dabei stört ist dieser ständige Versuch Leuten den “richtigen” Glauben aufzuzwingen, der von sehr vielen der überzeugteren Christen gemacht wird. Das geht soweit, daß man dann zur Überzeugung gelangt, man wäre anderen auf Grund des eigenen Glaubens überlegen.

Nach meiner Ansicht ist der Glaube eines jeden einzelnen seine eigene Sache. Vielleicht findet er einige, die das gleiche glauben und mit denen er sich austauschen will. Ich habe meinen Glauben und der ist meine Sache. Im Augenblick glaube ich zum Beispiel, daß der große Weltenlenker ein derartiges Spektakel nicht gut heissen kann. Ich bin auch davon überzeugt, daß er nicht gewollt hat, daß ich diese Woche zwanzig Minuten gebraucht habe um nach einem anstrengenden Tag den Bahnhof zu verlassen.

Aber der Weltjugendtag ist ja unter anderem zur Kommunikation da. Vielleicht sollte ich doch auf die Pilger zugehen um mit ihnen das Gespräch zu suchen. Also liebe Pilger: Gestatten Sie mir mich vorzustellen. Ich bin ein Mann mit Vermögen und gutem Geschmack…

(Sorry, ich kann nicht aus meiner Haut)

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