Weihnachtsgeschichten
Ich bin bekennender Weihnachtszeit-Junkie. Ich bin für fast alles empfänglich was der moderne Intellektuelle so haßt an dieser Jahreszeit. Ich mag die Glitzerlichter, Glühwein saufen, Lebkuchen und Marzipan. Ich ertrage sogar die teils ziemlich erbärmlichen Weihnachstchöre auf den Märkten in der Innenstadt. Und ich mag Weihnachtsgeschichten.
Eine meiner liebsten Geschichten stammt aus einem Buch, das ich als Kind von meiner Tante bekam. Das heißt eigentlich stammt sie von Oscar Wilde und trägt den Titel “Der eigensüchtige Riese”.
Der Riese besaß einen wunderschönen Garten in dem stets die Kinder spielten als er auf Besuch bei seinem Menschenfresser-Freund in Cornwall war. Als der Riese von dem Besuch zurück war verscheuchte er die Kinder, denn er wollte niemanden in seinen Garten lassen. Und er baute eine riesige Mauer um den Garten herum.
Während im ganzen Land der Frühling einzog blieb es im Garten des Riesen Winter. Es kam der Sommer und der Herbst aber im Garten des Riesen blieb es Winter.
Eines Tages hörte der Riese einen Vogel in seinem Garten singen und da dachte er, der Frühling wäre endlich gekommen. Als er ging um nachzusehen stellte er fest daß die Kinder durch ein Loch in der Mauer wieder in seinen Garten zurück gekommen sind. Überall kletterten die Kinder in den Bäumen oder liefen umher.
Bis auf eine kleine Ecke in der es noch immer Winter war. Dort stand ein Junge, der noch so klein war, daß seine Arme die Äste des Baumes auf den er klettern wollte nicht erreichen konnte.
Wie die Geschichte weitergeht können Sie hier lesen. Ich will Ihnen ja ncht die ganze Freude nehmen. Oder Sie kaufen sich ein Buch, gerne auch mal wieder in einer anständigen Buchhandlung. Man kann ja nicht immer bei Amazon bestellen.
Es mag fraglich sein, ob dies tatsächlich eine Weihnachstgeschichte oder eher ein klassiches Märchen ist. Mir ist das einerlei. Ich habe sie zum ersten mal vor vielen Jahren zu Weihnachten gelesen, in einem Buch das voll war mit Tipps zum Basteln von Weihnachtssternen, Rezepten für Plätzchen und vielen Geschichten, die mehr oder weniger mit Weihnachten zu tun hatten. Also ist es für mich ein Weihnachtsgeschichte.
Für Oscar Wilde war es auch eine eher ungewöhliche Geschichte. Er hat sie wohl für seine Kinder geschrieben, vielleicht war auch ein wenig Selbstreflexion dabei. Sie entstand vermutlich kurz bevor er ins Gefängnis kam und es schmerzte ihn, wie sehr seine Frau, die er trotz seiner homosexuellen Neigungen liebte, und seine Kinder unter seinem Lebensstil leiden mußten. Jedenfalls will die Geschichte irgendwie nicht so ganz zu dem Bild des Dandys passen, der “The Picture of Dorian Gray” schrieb und überhaupt nichts von den gängigen moralischen oder gar christlichen Wertvorstellungen hielt.
Ich lese die Geschichte mittlerweile beinahe jedes Jahr. Und immer noch muß ich zum Ende eine Träne wegdrücken. Christmas Melancholy.




